Rettungsaktion in Capelle: Baby-Fledermaus kroch hilflos auf Terrasse rum

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Zwei Winzlinge hat eine Capellerin im Juni auf ihrer Terrasse gefunden: Fledermaus-Babys, die aus ihrem Quartier gefallen waren. Nur eins der beiden lebte noch. Die Geschichte einer Rettungsaktion.

Capelle

, 03.07.2020, 14:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Junitag, als eine Frau aus Capelle eine ungewöhnlich Entdeckung auf der Gartenterrasse ihres Hauses machte: Zwei Fledermäuse lagen auf dem Boden. „Es waren noch Babys. Eins der Tiere war tot, das andere kroch hilflos mit seinen winzigen Armen rudernd umher und rief vermutlich nach seiner Mutter“, beschreibt Reinhard Loewert in einem Bericht, den er an die Redaktion gesandt hat, die Situation. Der Lüdinghauser war von der Capellerin kurz nach dem Fund zu Hilfe gerufen worden.

Seit über 20 Jahren engagiert er sich im Fledermausschutz des NABU-Kreisverbandes Coesfeld - also wusste er auch ziemlich genau, was zu tun war, um den noch lebenden, hilflosen Winzling zu retten. 3,1 Zentimeter war seine Körperlänge. Das Tier wog beim Fund 2,6 Gramm und war noch ohne Fell. Es handelte sich um die eher seltene Art der Kleinen Bartfledermaus, erklärt Reinhard Loewert.

Nur etwas größer als drei Zentimeter war die Fledermaus beim Fund in Capelle.

Nur etwas größer als drei Zentimeter war die Fledermaus beim Fund in Capelle. © Astrid Krähling

„Ganz offensichtlich waren die Jungtiere aus einem Quartier gefallen, das sich im Dach des Hauses befinden muss. Doch diese Fledermauswohnung war zunächst unbekannt und sofort auch nicht zu finden. Daher konnte das Jungtier auch nicht wieder dorthin zu seiner Mutter verbracht werden.“

Erster Versuch, Mutter und Baby wieder zusammenzubringen

Was also tun? Reinhard Loewert versorgte das Fledermausbaby erst mal mit Wasser. Allerdings war Wasser nur eine erste Notlösung: Fledermäuse sind Säugetiere - das Baby brauchte also Muttermilch, erklärt der Fledermausretter. In der Nacht startete er deshalb einen Versuch, Mutter und Kind wieder zu vereinen. Er baute einen Baby-Dom, so der Fachausdruck. „Das ist eine mit warmen Wasser gefüllte und mit einer Socke überzogenen Flasche (Dom), die in einer großen Schüssel steht, wettergeschützt und in Nähe der Fundstelle. Das Jungtier klammert sich am Dom fest und ruft nach der Mutter. Oft gelingt es auf diese Weise, dem in den ersten Nächten auf Suche befindlichen Fledermausweibchen die Abholung des Jungtieres zu ermöglichen. Das klammert sich bei Mama an Zitzen und Bauchfell fest und kann fliegend abtransportiert werden. Theoretisch“, so Reinhard Loewert.

Bei Hannelore Eisenberg kommen Fledermäuse wieder zu Kräften.

Bei Hannelore Eisenberg kommen Fledermäuse wieder zu Kräften. © Hannelore Eisenberg

Leider klappte es im Fall des kleinen Capeller Fledermausbabys nicht. Vermutlich war es mit den 2,6 Gramm auch schon ein bisschen zu schwer - die Mamas wiegen selbst nur fünf bis acht Gramm.

Also wieder die Frage: Was tun? Option 1: Ein Tierarzt hätte das Jungtier „erlösen“ können. Option 2: Man könnte versuchen, es über mehrere Wochen (vermutlich bis Anfang August) aufzupäppeln, bis es flügge ist und sich selbst versorgen kann.

„Natürlich ist die Idee zur Lebensrettung schöner“, erklärt Reinhard Loewert.

Fledermäuse bringen Glück, sagt man in China

Für so eine Lebensrettung braucht man aber nicht nur Zeit, sondern auch die entsprechende Ausrüstung und das Know-How. „Doch die Fledermausfreunde in Deutschland sind gut vernetzt“, so Reinhard Loewert. So kam dann der Kontakt zu einer Pflegeexpertin in Gladbeck zustande: Hannelore Eisenberg. Sie ist ehrenamtliche Fledermausschützerin.

„Mit Hilfe der Finderin wurde das Tier noch am selben Tag von der Frau Eisenberg übernommen. Seither ist es putzmunter in einer Gesellschaft von inzwischen 17 anderen Pfleglingen, die in Gladbeck liebevoll und fachkundig betreut werden, um später ausgewildert zu werden“, so Reinhard Loewert.

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Auch das Heim, aus dem die beiden Babys gefallen waren, ist mittlerweile ausgemacht. Fledermausexperten aus Datteln haben am Fundort in Capelle durch Ultraschallmessungen das Fledermausquartier am Haus der Finderin lokalisiert. Über 30 Tiere wurden gezählt. Eine sogenannte Wochenstube.

Reinhard Loewert: „Die Finderin freut sich, sie mag Fledermäuse, denn die sind nicht nur nützlich, sondern auch putzig und bringen Glück (sagt man in China). Der Ausgang der Rettungsaktion als Gemeinschaftsleistung ist ein Beispiel für angewandten Naturschutz.“

Hinweise für das richtige Verhalten in Fällen wie diesen gibt es auch unter www.fledermausschutz.de

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