2020 ist ein außergewöhnliches Wahljahr. Im September stehen Kommunalwahlen an, doch die Corona-Krise drückt das Thema in den Hintergrund. Die Grünen in Nordkirchen haben dennoch feste Ziele.

Nordkirchen

, 28.04.2020, 18:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

In diesem Jahr ist alles anders. Das gilt für alle seit dem Beginn der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Krise, die Deutschland und viele andere Länder seit Wochen lahmlegt. Ein Ende? Ist nicht wirklich in Sicht. Dabei hatten die Kommunalpolitiker im Land in diesem Jahr eigentlich etwas ganz anderes im Blick: Am 13. September steht die Wahl der Stadt- und Gemeinderäte und der Bürgermeisterposten in Nordrhein-Westfalen an.

10,8 Prozent der Stimmen holten Bündnis ‘90/Die Grünen bei der vergangenen Kommunalwahl in Nordkirchen 2014. Bundesweit sehen Meinungsforschungsinstitute die Partei aktuell bei 15 (Emnid, Forsa) bis 19 Prozent (Allensbach). In der Sonntagsfrage („Wen würden Sie wählen, wenn Sonntag Bundestagswahl wäre?“) liegen die Grünen damit gleichauf bis knapp vor der SPD.

Grüne gehen mit neuer Doppelspitze in Nordkirchen in den Wahlkampf

Mit dem Schwung der Bundes-Grünen könnten auch die Nordkirchener Grünen in diesem Jahr in den Kommunalwahlkampf einsteigen. Ulrich Stüeken ist neben Tanja Werner eine Hälfte der neuen Doppelspitze des Nordkirchener Ortsverbands der Grünen. Der 38-Jährige ist gemeinsam mit Tanja Werner im Sommer 2019 zum Vorsitzenden des Ortsverbands gewählt worden. Dabei ist Stüeken, der als Lehrer am Anne-Frank-Gymnasium in Werne arbeitet, erst 2017 in die Partei eingetreten.

„Ich war immer grün-affin“, sagt er über sich selbst. 2016 seien er und seine Frau Eltern geworden, 2017 dann habe er - wie viele andere - mit Erschrecken beobachtet, dass mit der Alternative für Deutschland eine Partei mit rechter und nationalistischer Gesinnung Erfolge feierte. „Ich hatte das Gefühl, etwas machen zu müssen“, erklärt Stüeken. Er habe auch seinen Kindern gegenüber Verantwortung übernehmen und mehr mitgestalten wollen, beschreibt er seine Motivation.

Abstrakte Themen der Bundespolitik werden in den Kommunen konkret

Neben dem Rechtsruck treibe ihn auch der Klimawandel an, sagt Stüeken. Aus dem anfangs kleinen Beitrag, den er leisten wollte, wurde mit der Zeit mehr. Ihm sei nach und nach klar geworden, dass die Kommunalpolitik den aus seiner Sicht großen Vorteil habe, dass die Themen viel konkreter seien. „Die Bundespolitik ist sehr allgemein“, erklärt Stüeken. Umgesetzt würden diese abstrakten Themen in den Kommunen.

Deswegen sei auch ein so komplexes, weil globales Thema, wie der Klimawandel in den Kommunen so wichtig, argumentiert Stüeken. Schließlich seien die Folgen des Klimawandels, wie Rekord-Hitzeperioden und extreme Trockenheit hier vor Ort in Nordkirchen genauso spürbar, wie anderswo auf der Welt. Wie und in welchem Ausmaß eine Kommune zum Beispiel Bauprojekte und Neubaugebiete plant, habe auch Auswirkungen auf das Klima, argumentiert Ulrich Stüeken. Ein Beispiel: Mehr Vegetation in den Siedlungsgebieten führe zu mehr Verschattung und einem kühleren Mikroklima. Das mache gerade den Älteren die Hitze-Sommer erträglicher, sagt der Ortsverbands-Vorsitzende. „Solche Vorgaben spielen in unseren Bebauungsplänen eine Rolle“, so Stüeken.

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In den Sitzungen des Bauausschusses und des Rats sprechen die Fraktionsmitglieder der Grünen immer wieder Themen, wie Vorgaben für Dachbegrünungen und Vegetation in Neubaugebieten an.

Einen kleinen Beitrag zur heimischen Vegetation hatten die Bürger in Nordkirchen jetzt im Briefkasten: Eine Saatmischung heimischer Wildpflanzen im Papier-Tütchen mit einem Gruß der Nordkirchener Grünen. Ein zartes Pflänzchen des Wahlkampfes, der coronabedingt derzeit wie vertagt wirkt.

Mit einer eigenen Bürgermeisterkandidatin oder einem Bürgermeisterkandidaten werden die Grünen in Nordkirchen nicht zur Kommunalwahl antreten, kündigt Ulrich Stüeken an. „Wir halten uns bei der Bürgermeisterwahl neutral“, sagt er mit Blick auf die erneute Kandidatur des amtierenden Bürgermeisters Dietmar Bergmann (SPD), der auch von der Nordkirchener CDU unterstützt wird.

Für den Wahlkampf will der Ortsverband der Grünen in Nordkirchen genau hinsehen, was den Anteil der Schlossgemeinde am CO2-Ausstoß angeht, kündigt Ulrich Stüeken an. „Wie viel CO2 produziert die Gemeinde und wie viel bindet sie?“ seien dabei genauso wichtige Fragen, wie die nach dem Energieverbrauch der Schlossgemeinde und wie stark Nordkirchen noch wachsen soll.

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Die Gemeinde müsse noch stärker bei Bauprojekten und Bebauungsplänen für Neubaugebiete darauf achten, dass eine klimafreundliche Bauweise, beispielsweise mit Holz, gefördert werde, sagt Ulrich Stüeken.

Ein weiterer großer Baustein sei beim Klimaschutz das Thema Mobilität. Die Gemeinde sei immer noch eine autogerechte Kommune. Ein verbessertes Radwegenetz, das sich an den Bedürfnissen von Pendlern orientiere, sei das Ziel, das die Grünen in Nordkirchen erreichen wollen. „Das Verkehrsnetz ist noch viel zu stark auf das Auto ausgerichtet“, kritisiert Stüeken.

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Viel Potenzial sehen die Nordkirchener Grünen beim Thema Fahrradstraßen. „Das klingt vielleicht erst einmal nach Konflikt“, räumt der Ortsverbands-Vorsitzende ein. Aber europäische Metropolen wie Kopenhagen machen vor, dass sogar Großstädte ihr Verkehrskonzept umkrempeln können.

Man müsse gar nicht bis nach Dänemark schauen, um gute Beispiele für fahrradfreundliche Städte zu finden. Der Blick nach Münster reiche, sagt Stüeken. Ein ähnliches Potenzial „sehe ich für Nordkirchen auch“, macht der 38-Jährige deutlich.

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