Stacheltiere in Nöten: So können Sie den Igeln helfen

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Jeder kennt ihn, aber scheinbar ist er immer seltener zu beobachten: Der Igel hat es zunehmend schwer. Wie Gartenbesitzer dem Stacheltier mit ein paar einfachen Maßnahmen helfen können.

Nordkirchen, Selm

, 04.11.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herbstzeit ist Igelzeit. Auf Kinderbildern gemalt oder als Deko-Figürchen aufgestellt, gehören die stacheligen Tiere zum Herbst dazu. Doch der Igel ist nicht mehr so häufig anzutreffen. „Aufgeräumte Gärten, Insektensterben und der Verlust an Lebensraum lassen die Igel-Bestände schrumpfen“, meldete jetzt die Heinz-Sielmann-Stiftung. Die Stiftung ist nach dem berühmten Naturfilmer benannt und setzt sich seit 25 Jahren für Naturschutz ein.

Weniger Insekten, weniger Igel

Auch Uwe Norra, der sich beim Naturschutzbund Nabu in Selm engagiert, vermisst regelmäßige Sichtungen von Igeln. Früher hielten sich oft Igel im Gebüsch seines Gartens auf. „Jetzt habe ich schon lange keinen mehr gesehen.“ Norra vermutet „schleichende Verluste“ bei der Igel-Population. Durch weniger Insekten finde der Igel auch weniger Nahrung. Und auch der Straßenverkehr sei für viele tote Igel verantwortlich.

Stacheltiere in Nöten: So können Sie den Igeln helfen

Mitten im Garten hielt dieser Igel ein Nickerchen. © Sabine Klopsch

Wer jetzt in der Dämmerung Igel im Garten sehe, müsse sich aber keine Sorgen machen, so Norra. Zwar sei es gerade kalt geworden, aber das halten die Tiere aus. Zeit für Winterschlaf ist noch nicht ganz.

Wer allerdings tagsüber einen Igel herumlaufen sieht, sollte genauer hinschauen, wie gut genährt das Tier aussieht. „Das könnte ein Igel sein, der Schmacht hat bis unter die Arme“, sagt Norra. Um den Winterschlaf zu überstehen, müssen die Igel im Herbst viel fressen. Deshalb müssen sie teilweise auch am Tag auf Futtersuche gehen. Mit Katzenfutter, nass oder trocken, könne man dem Igel dann helfen, so Norra.

Igel-Familie in Capeller Garten

Regelmäßig kann Sabine Klopsch in ihrem Garten in Capelle Igel beobachten. „In der Dämmerung streifen die gerne durch meinen Garten.“ Derzeit leben ein großer und zwei kleine Igel bei ihr - vermutlich eine Mutter mit zwei Kindern. Damit die Tiere sich in ihrem Garten wohlfühlen, lässt Sabine Klopsch ihren Garten naturnah und Gift ist bei ihr tabu.

Sie habe viele Vogeltränken aufgestellt, auch an einem kleinen Teich finden die Igel Wasser. Außerdem setzt Sabine Klopsch auf viele Pflanzen als Unterschlupf. Sie habe eine Rotbuchen-Hecke, in der Nähe stehen Eichen, die ihr Laub auch in den Garten werfen. „In den Beeten bleibt das alles liegen“, sagt die Capellerin. So finden die Igel Plätze, um sich zu verstecken und für den Winterschlaf. Auch Stauden schneidet Sabine Klopsch im Herbst nicht zurück.

Kein Unterschlupf in aufgeräumten Gärten

Aufgeräumte Gärten, Steine im Vorgarten, der Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln: Diese Trends machen es den Igeln schwer, schreibt die Heinz-Sielmann Stiftung. Auch in Capelle könne sie beobachten, dass viele Leute ihren Garten lieber aufgeräumt mögen, sagt Sabine Klopsch. „Ein naturnaher Garten und ein bisschen Ordnung - das schließt sich ja nicht aus“, findet sie. Vor der Haustür kehre sie das Laub auch weg.

Gefahr droht Igeln auch durch einen Garten-Helfer: Mähroboter ziehen immer öfter ihre Kreise. Leider sind Igel neugierig und laufen nicht weg, wenn sich ein Mähroboter nähert, sagt Uwe Norra. Schlimme Schnittverletzungen an der Schnauze und im Gesicht können die Folge für die Igel sein. Wer seinen Mähroboter so einstellt, dass er nicht nachts oder in der Dämmerung fährt, wenn Igel aktiv sind, kann das vermeiden, rät Norra.

Stacheltiere in Nöten: So können Sie den Igeln helfen

Derzeit wohnt eine Igel-Familie im Garten der Familie Klopsch. Futter bekommen sie deshalb auch zur Unterstützung. © Sabine Klopsch

Seit zwei Jahren füttert Sabine Klopsch die Tiere auch mit Igel-Trockenfutter. „Ich hatte erst ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich denke, das ist die Natur, die Tiere müssten doch auch alleine klar kommen.“ Aber als sie gehört hat, dass die Tiere wohl nicht genug Futter finden und sie eine Igelfamilie im Garten entdeckt hat, hat sie sich zum Füttern entschieden. Zum Dank lassen sich die niedlichen Stacheltiere in der Dämmerung dann beim durch den Garten Stöbern beobachten.

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