Start-up aus Nordkirchen arbeitet an einem virtuellen Gästeführer

hzAugmentlabs

Das Schloss Nordkirchen soll digital erlebbar werden: Daran arbeitet das Nordkirchener Start-up Augmentlabs. Wie das funktioniert, hat das Start-up gerade erst in Lüdinghausen gezeigt.

Nordkirchen

, 03.10.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in den nächsten Jahren als Tourist nach Nordkirchen kommt, oder eine andere Stadt besucht, könnte sich die Sehenswürdigkeiten und Tipps zum jeweiligen Ort von einem virtuellen Gästeführer erklären lassen. Die Technik dafür hat mittlerweile fast jeder in Form eines Smartphones in der Hosentasche. Die Wahrscheinlichkeit, dass die zugrundeliegende Software aus Nordkirchen kommt, ist nicht gering.

Der Effekt, den der Nordkirchener Thomas Gornas (42) und sein Kollege Max Gust (25) vorführen, wirkt zugleich simpel und doch faszinierend: Das Smartphone wird auf ein Bild oder einen Gegenstand im Raum gerichtet, die Software erkennt, was die Smartphone-Kamera sieht und blendet blendet dazu auf dem Display eine Grafik, einen Film oder virtuelle Gegenstände ein, die scheinbar im Raum stehen oder schweben. Zumindest, wenn man auf das Handydisplay schaut.

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So funktioniert die Augmented-Reality-App des Nordkirchener Start-ups Augmentlabs

Augmented Reality (AR) ist der Begriff, der die digitale Verschmelzung von realen und computerberechneten Bildern beschreibt. Neu ist die Technik nicht, das Start-up Augmentlabs aus Nordkirchen hat aber einen besonderen Dreh in seiner Software und sich damit jetzt Fördermittel gesichert, um eine innovative App für Touristen zu entwickeln.

In Zusammenarbeit mit Tourismus NRW und dem Münsterland e.V. wird Augmentlabs einen AR-Touristenguide an den Start bringen, der je nach Bild, das mit der App erfasst wird, aber auch je nach Standort, an dem sich der Nutzer befindet, unterschiedliche Infos anbietet. Den Touristenführer am Schloss Nordkirchen könnte dann zum Beispiel Architekt Gottfried Laurenz Pictorius, der im 18. Jahrhundert die Pläne für das Barockschloss entworfen hat, als virtueller Avatar Touristen über die Anlage führen, erklärt Max Gust. Für Kinder könnte es wiederum ein ganz anderer Avatar sein.

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Ein grundsätzliches Problem, das sich vielen Touristen - nicht nur in der Schlossgemeinde - noch häufig stellt, sei: „Man kommt an einen Ort, findet sich aber nicht zurecht“, erklärt Gornas. Neben den Hintergründen zur Historie des Ortes könne die Software in solchen Fällen auch gleich interessante Orte, Gastronomiebetriebe und andere Angebote vorschlagen. Das wäre auch eine Bereicherung für den Einzelhandel vor Ort.

Einen ersten Eindruck, wie die Technik im Bereich Tourismus funktioniert, kann man sich bereits im Nachbarort Lüdinghausen ansehen: Augmentlabs hat dort für die Burg Vischering virtuelle 360-Grad-Rundgänge gestaltet. Das sei gerade in Corona-Zeiten ein sehr gutes Alternativ-Angebot, ist Gornas überzeugt.

App soll deutschlandweit nutzbar sein

Die beiden Gründer von Augmentlabs wollen ihre App nicht auf einzelne Orte beschränken, sie soll deutschlandweit vermarktet werden, kündigt der 42-Jährige an. Erste Anfragen seien auch bereits aus Österreich in Nordkirchen eingegangen.

Ein zweiter Vermarktungsbereich sei die Werbung. Denn was im Bereich Tourismus gehe, sei auch im Marketing möglich. Werbeschilder, die virtuell zum Leben erweckt werden, Avatare, die im Geschäft Kleidung oder andere Produkte vorführen: Das seien nur zwei denkbare Einsatzbereiche.

Vor dem Nordkirchener Start-up stehen jetzt aber erst einmal zwei Jahre harte Arbeit für der Umsetzung der App. Seit September nehme das Projekt „AR-Touristenguide“ Formen an: In Workshops werde geklärt, was die App können soll und welche Anforderungen dafür nötig sind. Dafür ist auch weiteres Personal nötig.

Programmierer, Grafiker, 3D-Modulierer plus Vertrieb: 12 bis 14 Leute seien nötig, um das Projekt umzusetzen, zählen die beiden Augmentlabs-Gründer auf.

Im Digitalcampus, wo Augmentlabs Räume angemietet hat, wird es dabei schon eng. Viel lasse sich aber im Home-Office erledigen, sagt Gust. Gleichzeitig blicke das Team aber auf den Bau des neuen Gründercampus an der Lüdinghauser Straße, wo das Team Räume anmieten möchte.

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