Unfallgefahr bei Kindern: So sind Kinder auf dem Schulweg sicherer unterwegs

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Die Situation ist dramatisch: Alle 27 Minuten wird in Deutschland ein Kind von einem Auto erfasst. Gefahren gibt es auch in Nordkirchen und Olfen. Dabei könnte die Lösung so einfach sein.

Nordkirchen

, 06.11.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 1b der Mauritius-Grundschule hatten am Mittwochmorgen ihren Spaß: Sie bekamen Hausaufgaben mit - und zwar für ihre Eltern. Die Gründe für die ungewöhnliche Maßnahme der Kreispolizei Coesfeld liegen auf der Hand.

Viele Schulanfänger tragen dunkle Hosen und Jacken - und sind deshalb gerade beim aktuellen Schmuddelwetter kaum zu erkennen. Keine Behauptung, sondern Fakt. Verkehrssicherheitsberaterin Silke Baumann von der Kreispolizei hatte beim Ortstermin in Nordkirchen große Probleme, einen Schüler oder eine Schülerin mit heller Jacke zu finden.

Kinder „erarbeiten“ selbst die Lösung des Problems

Wie wichtig jedoch die Sichtbarkeit im Straßenverkehr hatte Silke Baumann zuvor spielerisch erarbeitet. Kindgerecht verpackt in einer schönen Geschichte, die die Mädchen und Jungen immer wieder mit einbezog und sie Stück für Stück die Lösung des Problems selbst finden ließ.

Am Ende war allen Kinder klar, was sie selbst für ihre Sicherheit tun können - besser sichtbar sein. Und damit das auch bei dunklen Jacken funktioniert, bekamen alle Kinder einen stark reflektierenden „Überwurf“.

Fünf Verkehrsicherheitsberaten besuchen alle Grundschulen im Kreis

„Der Aufwand für die Kampagne ‚Sicherheit durch Sichtbarkeit‘ ist groß, aber auch sehr wichtig“, sagte Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Um alle ersten Klassen im Herbst besuchen zu können, müssen sich die fünf Verkehrssicherheitsberater der Polizei im Kreis bei mehr als 30 Grundschulen sputen.

Allerdings sind sie auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Sie sollten, so der Wunsch der Verantwortlichen, die Kinder immer wieder an das Tragen des Überwurfs oder Warnweste erinnern. „Wir wissen, dass die Bereitschaft dazu mit dem Wechsel zur weiterführenden Schule abebbt“, sagte Schulze Pellengahr.

Unfallgefahr bei Kindern: So sind Kinder auf dem Schulweg sicherer unterwegs

Alle Kinder der 1. Klasse in Nordkirchen bekommen einen Überwurf, der die Sichtbarkeit gerade bei dunklen Jacken deutlich erhöht. © Thomas Aschwer

Erste Kontakt mit der Polizei bereits im Kindergarten

Doch die Polizei lässt im Verbund mit der Verkehrswacht nichts unversucht, die Kinder für das Thema zu sensibilisieren. Die Beamten begleiten die Kinder bereits im Kindergarten, besuchen die ersten Klassen und machen sie in der dritten Klasse fit für den Schulweg mit dem Fahrrad. „Auch an weiterführenden Schulen sind wir aktiv“, sagt Silke Baumann.

Die Nordkirchener Grundschulleiterin Angela Tönnis sieht neben der Sichtbarkeit ein weiteres Sicherheitsproblem in Nordkirchen. Die Verkehrssituation auf der Mauritiusstraße sei „sehr kritisch“. Ursache dafür seien die vielen Elterntaxis und der starke Lieferverkehr.

Grundschule wünscht sich „Tote-Winkel-Aktion“

Gerade angesichts der zahlreichen Lkw möchte Angela Tönnis die Kinder auch auf eine oft unterschätzte Gefahr hinweisen. Sie beantragte bei der Polizei am Mittwoch offiziell die „Tote-Winkel-Aktion“ für die Mauritiusschule.

Dabei lernen die Mädchen und Jungen, dass sich eine komplette Klasse so hinter dem LKW positionieren kann, dass der Lkw-Fahrer trotz verschiedener Spiegel kein Kind sieht.

Nächster Besuch der Verkehrssicherheitsberaterin steht fest

Während diese Aktion noch nicht terminiert ist, steht der nächste Besuch der Verkehrssicherheitsberater fest. In der nächsten Woche kommt Silke Baumann, um die zweite Eingangsklasse für das Thema „Sicherheit durch Sichtbarkeit“ zu sensibilisieren. Mit ihrer einfühlsamen Art wird sie auch dann wieder die Kinder begeistern und nachdenklich machen.

Die in Olfen wohnende Polizistin wird auch dann wieder Hausaufgaben an die Eltern verteilen. Wenn die Mütter und Väter sie gewissenhaft abarbeiten, ist der Fall klar. Sie sind aufgefordert, die Sichtbarkeit ihrer Kinder deutlich zu erhöhen - und damit möglichst Unfälle mit Kindern zu hindern.

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