Verkaufsoffene Sonntage 2020 in Nordkirchen sind mehr als fraglich

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Fünf verkaufsoffene Sonntage könnte es in der Adventszeit und danach geben. So hat es das Land NRW Anfang Oktober in Aussicht gestellt. In Nordkirchen zeigt sich aber, warum das schwierig ist.

Nordkirchen

, 19.10.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Signal der nordrhein-westfälischen Landesregierung, bis Januar 2021 insgesamt fünf verkaufsoffene Sonntage zu ermöglichen, löste beim Handel vielleicht keine Euphorie aus. Gerade für viele kleinere Geschäfte könnte es aber eine Möglichkeit sein, noch ein bisschen aus diesem aus Sicht der Einzelhändler verkorksten Jahr herauszuholen.

Davon ist zumindest Markus Pieper, Vorsitzender des Vereins Nordkirchen Marketing überzeugt. „2020 ist ein bescheidenes Jahr für uns“, macht Pieper im Gespräch mit der Redaktion deutlich. Abgesehen davon, dass im Frühjahr viele Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomiebetriebe nach Ausbruch der Coronapandemie wochenlang schließen mussten, waren es im Verlauf des Sommers und Herbstes auch die Großveranstaltungen, die nicht stattfinden konnten. Hollandmarkt, Maimarkt und zuletzt Herbstmarkt konnten in diesem Jahr in Nordkirchen stattfinden. Das bedeutete für den Einzelhandel rund um Schloßstraße, Bergstraße und Mühlenstraße: Tausende Besucher und damit mehrere Tausend potenzielle Kunden pro Veranstaltung sind ausgeblieben.

Ob es als zumindest kleinen Ausgleich im Advent verkaufsoffene Sonntage geben wird, ist allerdings derzeit fraglich. Anmeldungen für verkaufsoffene Sonntage liegen dem Ordnungsamt Nordkirchen noch nicht vor. Der Grund: „Wir warten erst einmal ab“, macht Markus Pieper deutlich.

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Das liege vor allem an der Gewerkschaft Verdi, sagt der Vorsitzende von Nordkirchen Marketing. Denn die erste Reaktion der Gewerkschaft auf die Corona-Schutzverordnung der nordrhein-westfälischen Landesregierung Anfang Oktober zeigte wenig Verständnis für den Vorstoß aus Düsseldorf: „Wir halten es für verantwortungslos bei steigenden Infektionszahlen fünf Sonntage in der Weihnachtszeit, beziehungsweise unmittelbar danach frei zu geben. Dies geschieht in dem Bewusstsein, dass dann die Besucherströme nicht entzerrt, sondern auf die Wochenenden fokussiert werden. Da die aktuelle Verordnung nur bis zum 31. Oktober gilt, fordern wir die Landesregierung auf, bei der nächsten Überarbeitung im November die Möglichkeit der Sonntagsöffnungen wieder zurückzunehmen“, wird die Landesbezirksleiterin von Verdi NRW, Gabriele Schmidt, in einer Pressemitteilung zitiert.

Markus Pieper betreibt zwei Geschäfte an der Schloßstraße und würde sich über die Möglichkeit freuen, an den Adventssonntagen öffnen zu dürfen. Große Chancen sieht er dafür aber aktuell nicht.

Markus Pieper betreibt zwei Geschäfte an der Schloßstraße und würde sich über die Möglichkeit freuen, an den Adventssonntagen öffnen zu dürfen. Große Chancen sieht er dafür aber aktuell nicht. © Beate Dorn (A)

Auf Anfrage dieser Redaktion fügt Gaby Beuing, Gewerkschaftssekretärin für den Fachbereich Handel bei Verdi Münsterland, hinzu, dass die Gewerkschaft auch ganz grundsätzlich den Sonntagsschutz der Mitarbeiter im Einzelhandel schützen will und deshalb sehr kritisch auf jeden Antrag für verkaufsoffene Sonntage schaue.

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Aus Sicht von Markus Pieper passiere dieser Blick allerdings aus einer klar eingefärbten und wenig verhandlungsbereiten Position. Die Gewerkschaft hat zwar keine Entscheidungsgewalt darüber, ob ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden kann, aber sie wird bei entsprechenden Anträgen der Kommunen um Stellungnahme gebeten. Gaby Beuing erklärt, dass Verdi Einspruch gegen verkaufsoffene Sonntage einlegt, wenn diese nicht in die erforderlichen rechtlichen Vorgaben eingebettet sind.

Damit ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden kann, müsse es einen besonderen Anlass, wie beispielsweise ein Volksfest geben, die teilnehmenden Geschäfte müssen eine räumliche Nähe von 750 Metern zur Veranstaltung haben und es muss eine Prognose der erwarteten Besucherzahl vorgelegt werden, beschreibt Beuing. Ein Adventssonntag sei für sich genommen noch kein besonderer Anlass für einen verkaufsoffenen Sonntag, so die Gewerkschaftssekretärin.

Nordkirchener kritisiert starre Haltung von Verdi

Markus Pieper sieht darin eine starre Haltung, die gerade in diesem Jahr am Ende auch den Mitarbeitern in den Geschäften schadet, die Verdi eigentlich schützen will. Auch lasse sich aus Pieper Sicht die Situation in größeren Städten nicht mit der in kleinen Orten, wie Nordkirchen vergleichen. „Wir haben nicht die große Karstadt-Filiale, wo an einem Sonntag 50 Mitarbeiter von 8 bis 20 Uhr arbeiten müssen“, sagt Pieper. Die Geschäfte in Nordkirchen seien zum größten Teil Inhabergeführt. „Hier steht der Inhaber genauso im Verkaufsraum, wie die Mitarbeiter“, führt Pieper zum Punkt Mitarbeiterschutz an. Außerdem gehe es nur um ein aus seiner Sicht überschaubares Zeitfenster. „Wir reden hier nur über fünf Stunden, von 8 bis 13 Uhr“, argumentiert der Vorsitzende von Nordkirchen Marketing. Für Verdi spiele es hingegen keine Rolle, ob ein Geschäft inhabergeführt ist oder nicht, macht Gaby Beuing deutlich.

„Viele kleine Orte haben dieses Problem.“
Markus Pieper

Die Gemeinde Nordkirchen steht mit diesem Problem nicht alleine da, wie Markus Pieper berichtet. Er habe in Gesprächen mit Marketing- und Werbevereinen aus anderen kleinen Kommunen ähnliche Argumente gehört. „Viele kleine Orte haben dieses Problem“, sagt der Nordkirchener, der an der Schloßstraße das Eiscafé Pallina und den Copyshop „Copies and more“ betreibt.

Das Problem für Vereine wie Nordkirchen Marketing sei, dass die Einzelhändler und Vereinsmitglieder für die Planung von verkaufsoffenen Sonntagen mit viel Arbeit in Vorleistung treten und am Ende unsicher ist, ob der zusätzliche Verkaufstag überhaupt genehmigt wird. Auch das ist ein Grund, warum die Nordkirchener Händler vorerst abwarten wollen, was sich in den kommenden Wochen auf Landesebene noch bei diesem Thema entwickelt.

Die Prognose, ob es in NRW in diesem Jahr überhaupt noch verkaufsoffene Sonntage geben wird, fällt aus Sicht von Gaby Beuing negativ aus. Bis zum 31. Dezember seien Großveranstaltungen mit Besucherzahlen von über 1000 Personen in NRW verboten und damit gebe es auch schlicht keinen begründeten Anlass für verkaufsoffene Sonntage, erklärt sie.

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