Immer mehr Arbeitnehmer arbeiten von zu Hause aus: im Home-Office. Auch Carsten Sprung und Monika Haub sind diesen Schritt gegangen. Im Gespräch erzählen beide von ihren Erfahrungen.

Nordkirchen

, 24.06.2019 / Lesedauer: 4 min

In einem sind sich Monika Haub und Carsten Sprung ziemlich einig: Auch, wenn draußen die Sonne scheint und das Thermometer auf weit über 20 Grad ansteigt, kommt für die Beiden nicht in Frage, die Arbeit auf die Terrasse zu verlagern. Arbeit findet für die Nordkirchener im Büro statt, auch, wenn das Büro zu Hause ist. Sonst gibt es aber einige Unterschiede.

Monika Haub, 37, arbeitet im angemieteten Büro

Monika Haub arbeitet täglich sechs Stunden, 30 Stunden in der Woche, da ist eine Pause nicht vorgesehen. „Ich habe auch gar keine Zeit dafür, es ist immer genug zu tun,“ sagt die 37-Jährige. Seit 2018 arbeitet sie im Home-Office, sie ist Betriebswirtin für Tourismus- und Reiseverkehr. Sie hat zuvor in Düsseldorf bei AirBerlin gearbeitet.

Nach der Elternzeit und nachdem AirBerlin Insolvenz angemeldet hat, beginnt sie bei einem globalen Unternehmen mit Hauptsitz in Eschborn bei Frankfurt am Main. „Die Stelle war als Home-Office-Stelle ausgeschrieben“, erzählt Monika Haub, „anders würde ich das auch gar nicht hinkriegen.

Bei unserer Stundenzahl im Kindergarten würde ich es nicht schaffen nach Dortmund oder Münster und wieder zurück zu pendeln“. So ist es kein Problem. Um 14 Uhr holt sie ihre dreijährige Tochter von der Kita ab und kümmert sich danach um sie.

Viel Flexibilität: Zwei Nordkirchener erzählen von ihren Erfahrungen mit Home-Office

Monika Haub aus Nordkirchen macht Home-Office. © Sabine Geschwinder

„Wenn ich die Wahl hätte, würde ich es nicht in dem Umfang machen“, sagt Monika Haub. Dann würde sie zum Beispiel zwei Tage nach Düsseldorf fahren, wo ihr Unternehmen ebenfalls einen Sitz hat, und drei Tage von zu Hause aus arbeiten. Aber ihr Mann sei beruflich stark eingebunden und Großeltern vor Ort gibt es auch nicht, also ist die Home-Office-Lösung die Beste.

Mehr Kontakt zu den Kollegen, das fände sie gut. Mal quatschen, mal um Rat fragen, wenn gerade ein Problem aufgetreten ist. „Wenn man zum Telefonhörer greift, ist das ja immer ein Hindernis“, sagt die Nordkirchenerin. Ihr Fazit zum Home-Office: „Es ist nicht perfekt immer allein zu sein, aber für meine private Situation ist es perfekt.“

Am Anfang viel es ihr schwer abzuschalten. Ihr Schreibtisch stand im Wohnzimmer, in ihrer Wohnung hatte sie immer die Arbeit vor Augen. Inzwischen hat Monika Haub für das Problem eine Lösung gefunden: sie hat eine separate Wohnung angemietet, in der sie ein Arbeitszimmer hat.

So ist das Abschalten dann auch kein Problem: „Ich sag immer, ich gehe ins Büro“, sagt Monika Haub und macht sich dann innerhalb von Nordkirchen auf den Weg, um 8 Uhr morgens mit der Arbeit zu beginnen.

Carsten Sprung, 42 Jahre, arbeitet von seinem Büro zu Hause aus

Familienfotografien und selbstgemalte Bilder seiner Kinder zieren das Büro von Carsten Sprung in seinem Haus in Nordkirchen. An der Wand hängt ein Poster von Tobias Beck, einem Coach in Sachen Persönlichkeitsentwicklung: „Der Mensch besteht zu 65 Prozent aus Wasser. Der Rest ist Einstellung“, steht darauf.

Auch für‘s Home-Office braucht man eine gewisse Grundeinstellung, findet Carsten Sprung. Disziplin ist nötig. Außerdem: „Man sollte wissen, was man selbst erwartet und was der Chef erwartet“, sagt Carsten Sprung. Sonst würde er davon abraten ins Home-Office zu gehen.

Der Nordkirchener ist Diplom-Ingenieur und arbeitet in der Kundenbetreuung im Außendienst für ein amerikanisches Unternehmen, das Messtechnik vertreibt. Seit 12 Jahren ist er im Home-Office tätig. Carsten Sprung mag dabei besonders die Flexibilität: „Ich habe keine Probleme einen Arzttermin auszumachen oder einzuspringen, wenn der Kindergarten zu hat“, sagt er.

Viel Flexibilität: Zwei Nordkirchener erzählen von ihren Erfahrungen mit Home-Office

Flipchart, Whiteboard und Co. Das Büro von Carsten Sprung in Nordkirchen ist gut ausgestattet. © Sabine Geschwinder

Nachteile hat das Thema Home-Office auch, aber die überwiegen für Carsten Sprung nicht. „Meine Kollegen sind weit weg“, ein Absacker nach der Arbeit, der sei nicht drin. Und theoretisch könne man immer Arbeiten.

Das tut er aber nicht. „Ich mag das Wort Work-Life-Balance nicht“, sagt der 42-Jährige. „Beides sollte nicht auf unterschiedlichen Ebenen stehen. Es ist wichtig, dass ich zwischendurch Ruhepole habe.“ Seine Tipps für Home-Office-Einsteiger: „Einmal die Stunde aufstehen und sich im Kalender Pausen einplanen.“ Bei ihm ist das in der Regel von 12 bis 13 Uhr.

Jetzt lesen

An einem sonnig-schönen Tag wie diesem würde er auch nie auf die Idee kommen, von der Terrasse aus zu arbeiten. „Das ist doch nichts Halbes und nichts Ganzes“, sagt er. Dann sollte man lieber rausgehen, die Füße ins Wasser stecken, Spaß mit den Kindern haben, die aus der Kita kommen und sich lieber um halb neun abends nochmal hinsetzen und E-Mails bearbeiten.

Das Abschalten klappt bei ihm gut, einfach die Tür zu und raus. Auch, wenn er schonmal darüber nachgedacht hat, sich einen Platz im Digitalcampus zu mieten. Das war aber nur kurzzeitig ein Thema. Als Vereinsmitglied beim Digitalcampus könnte man fünf Tage im Jahr auch so dort arbeiten.

„Vielleicht eine Option, wenn der Kindergarten zu hat“, überlegt Carsten Sprung. Einen Grund, Home-Office irgendwann nicht mehr zu machen, sieht er nicht. Aber es gibt sowieso nur eins, was ihm wirklich wichtig ist: „Der Kontakt zu meinen Kunden, das Home-Office ist nur ein nettes Gimmick.“

Lesen Sie jetzt