Erwin Grünebaum ist seit 1989 Imker. Wie bei den meisten Imkern in NRW hat auch seinen Bienenvölkern das unbeständige Wetter im Mai zu schaffen gemacht. Gute Nachricht hat er aber trotzdem.

von Annika Heuser

Capelle

, 26.08.2019, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer Erwin Grünebaum aus Capelle besucht, hat den Duft blühender Heide in der Nase. Der „Nebenerwerbs-Imker“, wie er sich selbst bezeichnet, hat zu Hause einen eigenen Schleuderraum, indem er zurzeit Heidehonig, Lindenhonig oder auch Esskastanienhonig schleudert.

Imker seit 1989

Seit 1989 betreibt Grünebaum die Imkerei. Übernommen hat er die Leidenschaft von seinem Onkel. Schon als kleiner Junge hat er ihm bei der Honigernte geholfen.

Neben seiner Arbeit bei der Polizei war die Imkerei für Grünebaum lange Zeit ein Hobby. Kurz vor der Pensionierung hat er die Tätigkeit als landwirtschaftliches Unternehmen mit der Fachrichtung Imkerei angemeldet.

Schlechte Honigernte durch schlechtes Wetter

In diesem Jahr musste der pensionierte Kriminalhauptkommissar wie viele andere Imker feststellen, dass die Ernte im Frühsommer nicht so gut ausgefallen ist. Verantwortlich ist dafür laut Grünebaum das „wellenartige Wetter“ im Mai.

„Wir hatten im Mai Höhen und Tiefen. Es war mal warm, mal kalt. Es gab immer wieder zwei oder drei Regentage mit einer Abkühlung dazwischen, in denen die Bienen nicht rausfliegen konnten, um Nektar zu holen“, erklärt Grünebaum.

Als das Wetter sich wieder gebessert habe, hätten die Bienen den eingeholten Nektar selbst verzehrt. „Die Bienen haben auch Hunger. Das ist ja ihr Vorrat und deswegen ist nicht sehr viel Honig zusammengekommen.“

Im Durchschnitt 13,4 Kilo Honig in NRW

Normalerweise ernte man 25 bis 30 Kilogramm. „Ich habe nur acht Kilogramm pro Bienenvolk geerntet“, so Grünebaum. Der langjährige Imker kennt viele Kollegen mit zwei oder drei Bienenvölkern, die den Honig erst gar nicht entnommen haben. Das Schleudern der Waben hätte sich nicht gelohnt.

Auch die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen teilt in einer Pressemitteilung mit, dass die Ernte in vielen Teilen Nordrhein-Westfalens „ernüchternd“ ausgefallen ist.

Eine Umfrage des Fachzentrums für Bienen und Imkerei in Mayen, an der sich 1355 Imker aus NRW beteiligten, ergab, dass die Bienen durchschnittlich 13,4 Kilo Honig pro Volk eingetragen haben. Deutschlandweit seien im Durchschnitt 15,1 Kilogramm Honig geerntet worden.

Im Regierungsbezirk Düsseldorf und im Münsterland lief die Honigernte mit 12 Kilogramm am schlechtesten. Im Regierungsbezirk Arnsberg erwirtschafteten die Imker mit durchschnittlich 15,7 Kilo noch den meisten Honig.

Weniger Anbaufläche für Raps

Neben der Wetterlage ist der Rückgang der Rapsanbaufläche um ein Drittel ein Grund für die Ernteeinbußen, so die Landwirtschaftskammer NRW.

Erwin Grünebaum musste feststellen, dass der Raps aufgrund des vielen Regens „nicht überall gehonigt hat“. Trotzdem müssen seine Kunden nicht auf den Honig verzichten.

„Die Ernte vom Rapshonig ist in Mecklenburg-Vorpommern und auch oben in Sachsen-Anhalt besser gewesen und ich kenne Imker aus Sachsen-Anhalt, denen ich dann Rapshonig abkaufe“, so Grünebaum.

Im Gegensatz zur Ernte im Frühsommer, sieht die Sommerernte vielversprechender für die Imker in NRW aus. Das kann der Imker aus Capelle bestätigen. Er hat Bienenvölker im Bahnbereich in Capelle, wo viele Lindenbäume stehen.

Sommerernte läuft besser

„Die Linde hat in diesem Jahr mal wieder gehonigt hier“, erzählt er. Im letzten Jahr habe es noch nicht einmal nach Linde gerochen. Für dieses Jahr hat er gute Nachrichten: „Ich habe letzte Woche Mittwoch geerntet und da kann ich sagen, dass ich wieder auf die Norm von 25 Kilo pro Volk kommen werde.“

Wetter im Mai sorgte für magere Honigernte in NRW - Ein Imker aus Capelle erzählt

Imker Grünebaum bei seinen Bienenvölkern in der Nähe des Capeller Bahnhofs. © Annika Heuser

Erwin Grünebaum ist kein Stand-, sondern ein Wanderimker. Das bedeutet, dass er nicht nur Bienenvölker in Capelle hat, sondern seine Bienenstöcke auch in der Colblitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt oder in der Pfalz aufstellt, in der es größere Wälder mit Kastanien gibt.

Um den reifen Honig zu ernten, benutzt der Imker ein Königinnenabsperrgitter und eine sogenannte Bienenflucht, die er zwei Tage vor der Ernte zwischen Brut- und Honigraum einsetzt.

„Innerhalb von zwei Tagen ist der ganze Honigraum bis auf ein paar Restbienen leer“, erklärt er. Dann kann er die Waben entnehmen und den Honig mithilfe der Honigschleuder ausschleudern.

Wetter im Mai sorgte für magere Honigernte in NRW - Ein Imker aus Capelle erzählt

Das Absperrgitter sorgt dafür, dass die Königin vom Brutraum nicht in den Honigraum gelangt und dort Eier ablegt. © Annika Heuser

Behandlung gegen Varroamilben

Mittlerweile ist die Hauptzeit der Bienen vorbei, sie finden kaum noch Blüten. Nach der letzten Honigernte muss Grünebaum seine Bienen gegen die Varroamilben behandeln. Parasiten, die die Bienen schwächen.

Der Imker geht mit natürlicher Ameisensäure gegen die Schädlinge vor. Mithilfe einer Bodeneinlage im Bienenstock kann er kontrollieren, ob die Behandlung anschlägt und der Totenfall der Milben zu beobachten ist.

„Wenn zu viele Milben gefallen sind, macht man eine zweite und eventuell noch eine dritte Ameisensäurenbehandlung Anfang September“, erklärt er.

Nach der Behandlung gibt es für die Bienen Winterfutter, damit sie gut über den Winter kommen. „Ein Fertigfutterteig, der aus Puderzucker und Honig besteht“, so Grünebaum.

Um sich auf Winterverluste vorzubereiten, hat Grünebaum vorgesorgt und Bienen-Ableger gebildet.

Wetter im Mai sorgte für magere Honigernte in NRW - Ein Imker aus Capelle erzählt

Grünebaum hat einen sogenannten Ableger, ein neues Bienenvolk, gebildet. Gut zu erkennen dank der grünen Markierung: die Königin. In den Zellen sieht man ihre frischen Eier. © Annika Heuser

Für Interessierte hat der erfahrene Imker einen Tipp. Der Imkerverein Lüdinghausen veranstaltet von März bis Oktober jeden Montag von 17 bis 19 Uhr eine Imkersprechstunde am Lehrbienenstand im biologischen Zentrum.

Lesen Sie jetzt