Das sieht schon mal einladend aus: das Fass-Haus, die Zentrale des Wohnmobilstellplatzes Nordkirchen. © Arndt Brede
Wohnmobilstellplatz

Wie sich der Wohnmobil-Boom auf Nordkirchen auswirkt

Es boomt in der Wohnmobilbranche. Immer mehr Menschen tendieren zum mobilen Urlaub. Das müsste dem Wohnmobilstellplatz Nordkirchen doch in die Karten spielen, oder?

Michael Moll lächelt. Der Betreiber des Wohnmobilstellplatzes Nordkirchen hat auch allen Grund dazu. Der Wohnmobilmarkt verzeichnet Zuwächse. Da müsste doch der Stellplatz in der Straße Am Gorbach gut gefüllt sein. „Ist er auch“, sagt Michael Moll. Nur an diesem Tag, am Mittwoch, 1. September, sei Abreisetag bei dem einen oder anderen. Deshalb sei der Platz nicht ganz so voll. Und als er das sagt, kommt schon ein neuer Gast mit seinem Mobil vorgefahren. So, als ob er Molls Aussage mit dem gut gefüllten Platz Taten folgen lassen wollte.

Zeit, sich mal umzublicken auf dem Platz. Gerade macht ein Gast sein Wohnmobil startklar zur Abreise. Auch ein anderes Mobil steht kurz vor der Abreise: ein umgebauter Postbus. Ein eher ungewöhnliches Gefährt in einer Zeit, in der immer mehr modernste Technik und Komfort Einzug halten in die Wohnmobile des Jahres 2021. So, wie sie derzeit auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf gezeigt werden.

Corona hat dem Boom einen Extraschwung gegeben

Spürt Michael Moll auf dem Wohnmobilstellplatz Nordkirchen eigentlich Auswirkungen einer solch großen Fachmesse? „Es ist nicht nur der Caravan-Salon. Es ist generell der Boom. Das war auch schon vor Corona so, aber durch Corona gab es nochmal einen Extraschwung“, berichtet Moll. Warum? „Wir konnten aus Deutschland zeitweise nicht raus.“ Viele hätten dann einfach mal ausprobiert, wie es ist, auf diese Art Urlaub in Deutschland zu machen.

Gemietet, gekauft, alle Spielarten von Wohnmobilen seien vertreten bei denen, die den Wohnmobilstellplatz Nordkirchen besuchen. Wobei es durchaus auch Besucher gegeben habe, die diese Art Urlaub getestet und sich dann entschieden hätten, dass das nichts für sie sei.

An Abreisetagen leert sich der Wohnmobilstellplatz. Doch wenig später ist er wieder gut gefüllt. Der Wohnmobilboom wirkt sich auch auf Nordkirchen aus.
An Abreisetagen leert sich der Wohnmobilstellplatz. Doch wenig später ist er wieder gut gefüllt. Der Wohnmobilboom wirkt sich auch auf Nordkirchen aus. © Arndt Brede © Arndt Brede

Nun ziehen die Preise sowohl für Neu-, als auch Gebraucht-Wohnmobile kräftig an. Ist das nicht kontraproduktiv für einen Betreiber eines Wohnmobilstellplatzes? „Das kann ich gar nicht so beantworten. Ich weiß wohl, dass beim Verkauf viel erzählt wird, was Neulinge erfreut und weswegen sie dann gewisse Voraussetzungen erwarten, die die Realität nicht bieten kann.“ Da gebe es Werbebilder mit dem Wohnmobil vor grandioser Kulisse mit Meerblick. Das Versprechen, man kaufe sich mit dem Wohnmobil eine gewisse Freiheit, solle wohl erhöhte Preise ausgleichen.

„Kleine Auszeiten im Münsterland“

Meerblick gibt es in Nordkirchen nicht. Die, die sich aber dafür entscheiden, können in Nordkirchen einen besonderen Urlaub machen, wie Michael Moll findet: „Es gibt Pättkesrundtouren im Münsterland, die man mit dem Fahrrad absolvieren kann und abends wieder zu uns zurückkehrt.“ Moll, auch Reisejournalist, weiß, wovon er redet. Er hat gerade einen neuen Reiseführer herausgegeben. Titel: „Kleine Auszeiten im Münsterland“.

Für diese Auszeiten hat Michael Moll einiges getan. Brötchenservice gehört dazu. Aber auch die Begrüßung. Die Begrüßung sei wirklich herzlich, bestätigt ein Gast, der aus dem Baden-Württembergischen kommend, in Nordkirchen Halt gemacht hat. Neuester Service: eine Begrüßungsmappe. Mit gebündelten Informationen.

Fünf Jahre gibt es den Wohnmobilstellplatz in Nordkirchen bereits. Wie fällt Michael Molls Bilanz aus? „Es waren sehr schön erste fünf Jahre und wir hoffen auf weitere schöne fünf Jahre. Wir haben viel dazu gelernt. Und wir sind bereit für weitere Jahre.“

Die Infrastruktur auf dem Wohnmobilstellplatz Nordkirchen ist gut. Auch Frischwasser gibt es.
Die Infrastruktur auf dem Wohnmobilstellplatz Nordkirchen ist gut. Auch Frischwasser gibt es. © Arndt Brede © Arndt Brede

Ein Klagelied in Moll singt Betreiber Michael Moll also nicht. Aber es ist nicht alles in Dur komponiert: „Wir würden gern wachsen, aber expandieren können wir nicht, weil die Grundstücke in direkter Nähe entweder bereits anderweitig bebaut oder verplant sind.“ Und: „Generell geht es uns auch in der Coronakrise ganz gut. Wir haben derzeit keine Einschränkungen. Bei uns gilt die 3G-Regel.“ Besucher müssen also vollständig geimpft oder genesen beziehungsweise negativ getestet sein. „Das ist für uns als Betreiber schon anstrengend, jeden einzelnen Gast zu kontrollieren. Das entspricht ja nicht dem Charakter eines Wohnmobilstellplatzes. Aber wir können damit leben und wir hoffen, dass das irgendwann auch wieder vorübergeht.“

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Redaktion Selm
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