Es passiert in der Dunkelheit schnell: Ein Tier läuft vor das Auto. Angst vor Ärger brauchen Fahrer nicht zu haben. Doch die Polizei muss gerufen werden. Sonst zahlt die Versicherung nicht.

Selm

, 02.11.2019, 20:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Herbst und Winter sind Autofahrer gleich mehrfach gefordert: Regen, Nebel und nasses Laub, aber auch Eis und Schnee sorgen für rutschige Straßen und schlechte Sicht. Gefährlich werden auch die Wildwechsel sein. Rehe und Wildschweine am Straßenrand sind in der Dunkelheit schlecht auszumachen - und schnell kommt es zur Kollision.

Vorausschauend Fahren

Im besten Fall kommt der Autofahrer mit dem Schrecken davon, weil er noch rechtzeitig auf die Bremse treten konnte. „Die meisten Wildunfälle lassen sich durch vorausschauende Fahrweise vermeiden“, sagt auch Kreis-Jagdberater Dietrich Junge. „Gerade an Waldrändern und Lichtungen gilt aber: runter vom Gas und Augen auf.“ Nachts schrecke Fernlicht das Wild ab. Läuft doch einmal ein Tier auf die Fahrbahn, gäbe es nur eins: Bremsen, Fernlicht aus, hupen.

Reflektoren sollen das Wild fernhalten

Während der Autofahrer vorsichtig unterwegs sein sollte, um Unfälle zu vermeiden, tun auch die Jagdpächter einiges, um das Wild gar nicht erst in den Gefahrenbereich zu lassen. Volker Wick ist stellvertretender Hegeringleiter in Selm und hat ein eigenes Revier an der Werner Straße. „Ich habe gute Erfolge mit CDs gemacht“, verrät er. Die glitzendern Scheiben reflektieren nämlich nicht nur die Scheinwerfer bei Dunkelheit, sondern auch das Sonnenlicht am Tag. „Am besten nimmt man unbeschriftete CDs mit zwei silbernen Seiten - oder man fädelt gleich zwei Scheiben auf, mit einem Mütterchen dazwischen. Dann reflektiert es nicht nur zu beiden Seiten, sondern das sorgt auch noch für ein Klappern, was Wild abschreckt.“ Die blauen Reflektoren brächten hingegen nicht den Erfolg, den man sich wünschen würde, und die CDs seien auch noch eine günstige Lösung.

Was tun, wenn es doch zum Unfall kommt?

Kommt es dennoch zu einem Wildunfall, muss auf jeden Fall die Polizei verständigt werden, erklärt der Jagdberater des Kreises Unna. „Das gilt selbstverständlich auch, wenn das Tier verletzt wurde und weggelaufen ist.“ Die Polizei informiert dann den für das Gebiet zuständigen Jäger oder gleich den Jagdpächter. „Auf keinen Fall darf das Tier ins Auto geladen und abtransportiert werden“, sagt der Wild-Profi.

Keine Probleme mit Fahrerflucht

Das funktioniere in Selm und Umgebung auch sehr gut, lobt Wick das Verhalten der Autofahrer. „Dass wir mal verludertes Wild am Straßenrand finden, ist selten. Das sind Einzelfälle. Wir werden immer benachrichtigt.“ Denn die Jäger sorgen dafür, dass das vereendete Wild fachgerecht entsorgt wird. Informiert werden die Weidmänner durch die Polizei - mit genauen Angaben der Örtlichkeit. Außerdem sollte es einen auffälligen Pfeil auf der Straße geben, der die Stelle am Straßenrand markiert. „Der könnte manchmal etwas besser sichtbar sein“, ist der einzige Wunsch, den Wick in Bezug auf Wildunfälle äußert. Im Großen und Ganzen ist er sonst mit der aktuellen Situation zufrieden.

Keine Angst vor Kosten

Angst vor Kosten braucht der Autofahrer übrigens nicht zu haben: Grundsätzlich muss der Verkehrsteilnehmer für den Wildschaden nicht haften, es sei denn, er hat den Unfall zum Beispiel fahrlässig verursacht. Die Kosten für den Schaden am Fahrzeug übernimmt in aller Regel die Kfz-Versicherung. Verursacht allerdings ein Hund oder eine Katze einen Unfall, kommt der Halter für den Schaden auf. Allerdings muss auch hier die Polizei eingeschaltet werden. Bei Wild passiert das nahezu immer, weiß Wick. „Die Fahrer sind ja selbst daran interessiert, weil sie den Schaden durch ihre Versicherung ersetzt bekommen wollen.“ Und die verlange den Nachweis, dass es sich um einen Wildunfall gehandelt habe.

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