Wohnmobilstellplatz in Nordkirchen: Betreiber ist sauer auf das Land

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Michael Moll hatte alles vorbereitet, um seinen Wohnmobilstellplatz am 11. Mai wieder zu öffnen. Dann machte ihm das Land einen Strich durch die Rechnung. Moll regt daran besonders eine Sache auf.

Nordkirchen

, 09.05.2020, 10:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu sagen, dass Michael Moll sauer ist, ist am Freitagnachmittag etwa so untertrieben, wie der Satz: „Die Oberfläche der Sonne ist relativ warm.“ Eigentlich schien nach den Lockerungen, die Bund und Länder, bei den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus (Sars-CoV-2) beschlossen hatten, alles perfekt für den Betreiber des Nordkirchener Wohnmobilstellplatzes am Gorbach.

Dann allerdings entwickelte sich die rasante Ausbreitung des Coronavirus unter Mitarbeitern des Coesfelder Westfleisch-Werks immer weiter zum Problem für den gesamten Kreis Coesfeld.

Nordkirchen ist über 40 Kilometer von Coesfeld entfernt

Noch am Donnerstag äußerte der Nordkirchener Bürgermeister Dietmar Bergmann die Hoffnung, dass ein so lokales Auftreten der Virusinfektionen sich nach Absprache von Kommunen und Land nicht zum kreisweiten Problem ausweiten könnte. Immerhin ist Nordkirchen über 40 Kilometer vom Epizentrum Westfleisch in Coesfeld entfernt und hat selbst seit rund drei Wochen keinen einzigen neuen Corona-Infektionsfall registriert. Warum sollten die Lockerungen also nicht lokal begrenzt aufgeschoben werden?

Diese Hoffnung machte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Freitagnachmittag allerdings zunichte, als er in Düsseldorf verkündete, dass im gesamten Kreis Coesfeld die zuletzt beschlossenen Lockerungen auf den 18. Mai - also um eine Woche - verschoben werden. Betroffen sind davon neben der Gastronomie auch touristische Betriebe, wie der Wohnmobilstellplatz Nordkirchen.

„Ich bin so wütend darüber“, macht Michael Moll seinem Ärger Luft. Für Montag, 11. Mai, hatte er die ersten Gäste nach rund sechswöchiger Zwangspause erwartet.

Dabei hatte Moll am Freitagvormittag, als alles noch in Ordnung für ihn schien, gesagt, dass er volles Verständnis für das weitreichende Kontaktverbot und die Schließung der touristischen und gastronomischen Betriebe hat. „Auch wenn jemand sagt, dass man sich auf dem Wohnmobilstellplatz aus dem Weg gehen kann - ich sehe das anders“, sagt Moll. Auf jedem Platz gebe es gemeinschaftlich genutzte Anlagen, wo sich die Besucher nahe kommen.

Was durch Westfleisch jetzt aber im gesamten Kreis Coesfeld passiert, „das kann nicht sein“, regt sich Moll auf. „Haltern und Bergkamen sind unsere direkte Konkurrenz“, sagt Moll. Haltern liege dabei näher am Westfleisch-Werk und dürfe dennoch öffnen, „nur weil die Stadt in einem anderen Landkreis liegt“, sagt Moll.

Die Wohnmobil-Reisenden würden jetzt natürlich nach Haltern fahren, statt nach Nordkirchen.

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Der Stellplatzbetreiber kann nicht nachvollziehen, warum nicht ein Radius um Coesfeld gezogen wurde, innerhalb dessen die Lockerungen aufgeschoben werden. Hinzu komme die Informationspolitik, die in Düsseldorf betrieben werde, so Moll. Auch nach der Lockerung der Corona-Regel, habe er sich nur schlecht informieren können, was auf seinem Wohnmobilstellplatz genau zu beachten ist, wenn er wieder öffnet und was nicht.

„Haltern und Bergkamen sind unsere direkte Konkurrenz.“
Michael Moll

Zwischen den Stellplätzen sind jeweils drei Meter Platz, deswegen hätte Moll nicht jeden zweiten Stellplatz sperren müssen, wie es zum Teil nötig ist. Einen Sanitärbereich gibt es auf dem Stellplatz in Nordkirchen nicht, deshalb wäre auch hier kein Problem entstanden. Michael Moll selbst, seine Frau und der Mitarbeiter des Wohnmobilstellplatzes hätten ab Montag auf dem Platz Mundschutz getragen, außerdem hat Moll bereits das Fasshäuschen am Eingang zum Platz umgebaut, sodass sich Gäste hier nicht mehr hätten begegnen können. Desinfektionsmittel seien ebenfalls schon besorgt. Die Wohnmobile hätten außerdem so geparkt werden müssen, dass die Eingänge sich nicht direkt gegenüberliegen.

Michael Moll und seiner Frau bleibt jetzt nichts übrig, als zu hoffen, dass er eine Woche später öffnen darf. „Wir sind im April und Mai am besten belegt“, macht Moll deutlich. Seine Sorge ist, dass die ersehnte Lockerung zu spät kommen könnte.

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