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Worauf Tierfreunde achten sollten, bevor sie einen Straßenhund bei sich aufnehmen

hzHunde-Vermittlung

Statt aus dem Tierheim oder vom Züchter kommen viele Familienhunde von den Straßen südeuropäischer Länder. Auch Oskar aus Südkirchen blieb dadurch ein schlimmes Schicksal erspart.

Südkirchen

, 06.02.2019 / Lesedauer: 5 min

Vor fünf Jahren kam Familie Wiggerink auf den Hund. Auf Oskar, besser gesagt. Oskar ist ein freundlicher Mischling, der Besucher erst mit einem Bellen empfängt, sich dann aber gerne durch das weiße und flauschige Fell streicheln lässt. „Oskar ist wahrscheinlich 2009 geboren“, sagt Halterin Sarah Wiggerink (37). So genau weiß die junge Familie aus Südkirchen nicht, wann ihr Hund geboren wurde. Seine ersten Lebensjahre verbrachte Oskar nämlich irgendwo auf den Straßen Ungarns. Fast wäre er in einer Tötungsstation geendet.

Wer wie die Wiggerinks einen Straßenhund bei sich aufnehmen möchte, stößt im Internet auf zahllose Vermittlungsstellen und Vereine. Eigene Suchportale bieten seitenweise Hundewelpen aus Spanien, Italien, Bulgarien oder Rumänien an. Aus jedem Eintrag schauen den Besucher große Hundeaugen an.

Tierschutzbund warnt davor, sich nur auf Fotos zu verlassen

Der Deutsche Tierschutzbund warnt allerdings davor, sich nur auf die Informationen der Vermittlungsstellen zu verlassen: „Unzählige Vermittlungsseiten mit Hunden aus dem Ausland bieten eine sehr große Auswahl von Tieren aller Rassen und Farben. Die Adoption eines Hundes nur aufgrund von Fotos und einer Beschreibung birgt Risiken, die bei einer persönlichen, meist mehrtägigen Beratung im Tierheim deutlich minimiert werden könnten.“

Wenn es ein Auslandshund sein soll, empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund die Vermittlung über sachkundige Pflegestellen oder Tierheime und nicht in Form von „Frei-Haus-Lieferungen“ oder Parkplatz- und Flughafenvermittlungen, schreibt Anna-Laura Knorpp, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, auf Anfrage dieser Redaktion.

Vorteil bei Vermittlung durch Tierheime

„Leider werden immer noch viele Auslandshunde von Auslandstierschutzvereinen direkt über das Internet vermittelt, sodass die Interessenten auch keine Möglichkeit haben, das Tier vor einer Übergabe live kennenzulernen“, so Knorpp weiter. In deutschen Tierheimen sei die Situation eine andere.

Der Vorteil aus Sicht des Tierschutzbundes: „Die Tierheimmitarbeiter kennen die Tiere genau und können gut beraten, welches Tier am besten passt. Zudem hat man die Möglichkeit, mehrmals zu kommen und ein Tier, das man ins Auge gefasst hat, öfter zu besuchen, um sicher zu sein, dass die Chemie stimmt. “

Sarah und Guido (40) Wiggerink haben Oskar auch über das Internet gefunden, bei einem Tierschutzverein aus Bayern. Beide wollten schon länger einen Hund, hatten sich auch in Tierheimen informiert, parallel dazu aber auch immer wieder im Internet gesucht.

„Oskar ist Menschen gegenüber total aufgeschlossen und auch Kindern gegenüber sehr freundlich.“
Sarah Wiggerink

Bis die Wiggerinks auf Oskar stießen. Damals, 2014, lebte er schon in einer Pflegefamilie in Beckum. Beim ersten Besuch zeigte sich gleich, dass die Chemie zwischen Oskar und dem Paar stimmte. „Oskar ist Menschen gegenüber total aufgeschlossen und auch Kindern gegenüber sehr freundlich“, sagt Sarah Wiggerink. Gerade der letzte Punkt ist besonders wichtig für die beiden geworden, denn mittlerweile haben die Wiggerinks zwei kleine Kinder.

Sind Straßenhunde wie Oskar also grundsätzlich auch als Familienhunde geeignet? Das sei von Hund zu Hund unterschiedlich, sagt die Sprecherin des Tierschutzbundes, „da unter anderem auch immer wieder Auslandshunde nach Deutschland gebracht werden, die hierzulande mit den von ihnen verlangten Umständen eindeutig überfordert sind.“

Häufig gutes Sozialverhalten von Hunden aus dem Ausland

Das häufig gute Sozialverhalten der Auslandshunde mit Artgenossen - Ausnahmen gebe es aber auch hier immer - vor dem Hintergrund der heutigen Haltungsansprüche, wie Hundeparks, Hundetreffs, Hunde bei der Arbeit, und so weiter, könne durchaus Grund für einen Anstieg der Auslandsadoptionen sein, so Anna-Laura Knorpp weiter. Genaue Zahlen gibt es dazu allerdings nicht.

Wichtig ist, sich über den Verein, der den Hund vermittelt, genau zu informieren. Bevor man sich einen Hund im Internet aussucht, gibt es laut Deutschem Tierschutzbund einige Möglichkeiten zu prüfen, ob der Verein seriös ist, oder nicht. So lasse sich grundsätzlich prüfen, ob ein Verein, der seinen Sitz in Deutschland hat, auch wirklich gemeinnützig arbeitet, beispielsweise über das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen.

Verein sollte nachhaltige Arbeit vor Ort leisten

Bei Organisationen aus dem Ausland hingegen sei das schwieriger zu sagen. „Ansonsten empfehlen wir, dass man darauf achten sollte, dass der Verein nachhaltige Arbeit vor Ort leistet. Das heißt, Kastrationsaktionen von Straßentieren und Tieren aus Privathaushalten sowie Aufklärungsarbeit vor Ort, um die Situation der Tiere langfristig zu verbessern. Denn das alleinige Vermitteln von Tieren aus dem Ausland hilft den verbleibenden Tieren vor Ort leider kaum. Hierfür sind langfristig Kastrationsprojekte und Aufklärung notwendig“, erklärt die Pressesprecherin des Tierschutzbundes.

Worauf Tierfreunde achten sollten, bevor sie einen Straßenhund bei sich aufnehmen

Der Mischlingsrüde Oskar lebt seit fünf Jahren bei Familie Wiggerink in Südkirchen. Er lebte zuvor in Ungarn auf der Straße und landete sogar in einer Tötungsstation. © Karim Laouari

Wer sich dazu entschieden hat, einen ehemaligen Straßenhund bei sich aufzunehmen, sollte laut Deutschem Tierschutzbund folgende Punkte beachten:

  • Gültige Tollwutimpfung, daher auch kein Import von Hunden und Katzen aus dem Ausland unter 15 Wochen, Impfung darf nicht vor Kennzeichnung des Tieres erfolgt sein
  • Kennzeichnung mittels Transponder und Festhalten der Nummer im EU-Heimtierausweis
  • EU-Heimtierausweis
  • Die Tiere müssen via TRACES gemeldet sein und Dokument mitführen
  • Erlaubnis der zuständigen Behörde nach § 11 Abs.1 Satz 1 Nr. 5 TierSchG
  • Klinische Untersuchung des Tieres 48 Stunden vor „Versand“ durch ermächtigten Tierarzt mit Eintrag in EU-Heimtierausweis
  • Gesundheitsbescheinigung (Nachweis einer gültigen Tollwutimpfung) durch amtlichen Tierarzt (in TRACES vermerkt)

Zudem sollte darauf geachtet werden, dass das Tier auch gegen die anderen gängigen Infektionskrankheiten geimpft wurde, beim Hund zusätzlich zu Tollwut also gegen Staupe, Parvovirose, Hepatitis contagiosa und Leptospirose.

Tier unbedingt auf Krankheiten testen

Außerdem sollte das Tier vor der Einreise auf Mittelmeerkrankheiten getestet werden, „wobei ein einmaliges negatives Testresultat nicht mit Sicherheit bedeutet, dass das Tier auch wirklich nicht infiziert ist“, erklärt die Sprecherin des Tierschutzbundes.

Eine eingehende Beratung, Vorkontrolle und ein ausführliches Gespräch seien ebenfalls wichtig, um vorab alles zu klären. „Deshalb ist eine Vermittlung über ein Tierheim oder eine Pflegestelle eindeutig einer Direktvermittlung vorzuziehen. Und auch nach der Vermittlung sollte der Verein dem neuen Besitzer jederzeit für Rückfragen zur Verfügung stehen und eine Nachkontrolle durchführen“, so der Tierschutzbund.

Schock über schwere Krankheit

Bei Oskar zum Beispiel zeigte sich erst später, dass er an einer ausgesprochen tückischen Krankheit leidet. 2015 wurden bei dem Mischlingsrüden Herzwürmer entdeckt. Eine Krankheit, die tödlich ausgehen kann, wenn sie nicht behandelt wird.

Der Schock über die Diagnose war bei Familie Wiggerink entsprechend groß. Sie informierten den Tierschutzverein, der Oskar vermittelt hatte, über die Erkrankung. Eine Operation war am Ende nicht nötig, Oskar reagierte sehr gut auf eine Tablettenkur. Überwunden ist die Krankheit auch heute noch nicht, aber Sarah Wiggerink sagt: „Oskar ist so fit wie noch nie.“

Projekt des Tierschutzbundes in der Ukraine Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt die Methode „Fangen, Kastrieren und Freilassen“, zum Beispiel mit einem Straßenhundeprojekt in der Ukraine. 2005 eröffnete der Deutsche Tierschutzbund ein Tierschutz- und Kastrationszentrum in Odessa. Seitdem seien dort mehr als 50.000 Tiere medizinisch behandelt worden, viele davon kastriert.
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