An der Wolfhelmgesamtschule sind offenbar Schüler mit Kreislaufproblemen in ärztlicher Betreuung. © Thomas Aschwer
Kettenreaktion

21 junge Gesamtschüler bekommen Kreislaufprobleme – Großeinsatz in Olfen

An der Gesamtschule Olfen sind 21 Schülerinnen und Schüler vom Rettungsdienst betreut worden, nachdem sie unter Kreislaufproblemen litten. Mittlerweile steht die Ursache fest.

Insgesamt 21 Schülerinnen und Schüler, vornehmlich aus dem fünften und sechsten Jahrgang der Wolfhelm-Gesamtschule in Olfen, sind am Donnerstag, 17. Juni, von Rettungskräften betreut worden. 15 von ihnen hatten hyperventiliert und hatten in der Folge Kreislaufprobleme bekommen. Die große Hitze am Donnerstag, die zunächst als Grund vermutet worden war, war jedoch nicht der Auslöser.

Die gute Nachricht: Allem Anschein nach gab es aber keine medizinisch lebensbedrohliche Situation. Gleichwohl hat der Rettungsdienst des Kreises Coesfeld starke Kräfte zusammengezogen. „Drei Schüler wurden ins Krankenhaus gebracht“, teilte am Abend Uli Tückmantel, Pressesprecher der Bezirksregierung Münster, auf Anfrage mit. „Am Ende konnten meines Wissens nach aber alle Kinder nach Hause zurückkehren.“

Fünf Rettungswagen vor Ort

Nach ersten Informationen waren drei Notärzte, fünf Rettungswagen und zahlreiche ehrenamtliche Helfer des DRK vor Ort, um sich um die Kinder zu kümmern. Insgesamt seien letztendlich 41 Rettungskräfte im Einsatz gewesen, teilte Michael Hofmann vom Rettungsdienst des Kreises Coesfeld der Redaktion mit. Dabei sei es unter anderem auch um einen Flüssigkeitsausgleich gegangen. Mittlerweile hatten sich auch Eltern zur Gesamtschule begeben, um sich um ihre Kinder zu kümmern.

Aber was hat denn nun die Probleme der Kinder ausgelöst? Wie Uli Tückmantel erklärt, gab es eine Verkettung unglücklicher Umstände: „In der Nähe hat es einen Fahrradunfall gegeben, weswegen ein Rettungshubschrauber über der Gesamtschule kreiste.“ Genau in dem Moment hielten sich die Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenhof auf. Dort hatten sie kurz zuvor mitbekommen, dass eine Schülerin der Jahrgangsstufe 11 Kreislaufprobleme hatte.

„Die Schule hat bei der Hitze absolut richtig reagiert und den Rettungswagen gerufen“, so Uli Tückmantel. Auch diesen Einsatz bekamen die jungen Kinder hautnah mit. Am Abend bestätigte sich dann die Vermutung, die schon Michael Hofmann geäußert hatte: „Das Ganze hat sich rumgesprochen und hochgepusht. Es war wohl eine psychische Kettenreaktion.“

Die 10- und 11-jährigen Kinder hätten plötzlich hyperventiliert und über Atemnot geklagt. „Diese Reaktion auf das Erlebte ist nicht unüblich“, sagt Uli Tückmantel. „Dafür muss es aber nicht 35 Grad heiß sein, das kann auch bei kälteren Temperaturen passieren.“ Der anwesende Arzt habe der Gesamtschule bescheinigt, dass die Notfälle nicht in Zusammenhang mit der Hitze an diesem Tag stehen würden. „Im Gegenteil, die Schule hat stets korrekt gehandelt“, sagt auch die Bezirksregierung.

Vorsorglich im Krankenhaus

Diese Feststellung ist wichtig, denn in den Sozialen Netzwerken breitete sich schnell die Version aus, die Kinder seien aufgrund der Hitze kollabiert – postwendend wurde Kritik an der Schulleitung laut. „Das, was dort geschrieben und behauptet wurde, stimmt nicht“, stellt Uli Tückmantel klar. Am Abend veröffentlichte Schulleiter Dr. Jerome Biehle einen Brief an die Eltern auf der Homepage: „Herzliche Bitte: Lassen Sie sich nicht von verzerrenden Darstellungen oder Fotos in den sozialen Medien verunsichern. Wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie uns jederzeit gerne an.“

Ein Großteil der Kinder konnte nach einer ersten medizinischen Versorgung mit den Eltern nach Hause gehen. Während die Rettungskräfte sich um die Kinder kümmerten, regelte die Polizei das Geschehen rund um den Schulhof. Bis auf wenige Ausnahmen hätten die anwesenden Eltern Verständnis für die Maßnahmen gezeigt, sagt Michael Hofmann. Wie die Kreispolizei Coesfeld am späten Nachmittag mitteilte, hat ein Elternteil offenbar nach der Rettungsaktion eine Anzeige gestellt. Der genaue Inhalt dieser Anzeige und gegen wen sie sich exakt richtet, ist noch nicht bekannt.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version hatten wir den Sachstand der ersten Einschätzung vor Ort wiedergegeben, dass nämlich die Hitze der Grund für die Kreislaufprobleme gewesen sei. Anfragen unserer Redaktion sowohl bei der Schule als auch bei der Stadt Olfen blieben unbeantwortet.Zudem hatten wir geschrieben, der Einsatz sei am Mittwoch. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

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Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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