Hans und Sofie Piller legten auf ihrer Fahrradreise vom Allgäu nach Stockholm auf dem Hof der Wieschhofschule in Olfen eine Pause ein. © Julian Preuß
Fahrradfahren

3500 Kilometer: Ehepaar aus dem Allgäu pausiert bei Fahrradtour in Olfen

Radtour extrem: Auf dem Weg nach Skandinavien legten Sofie (65) und Hans (65) Piller eine Pause in Olfen ein. Doch richtige Abenteuer beginnen für das Ehepaar erst außerhalb Europas.

Als Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zusammen mit Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann und einigen Lokalpolitikern das Blockheizkraftwerk an der Wieschhofschule besichtigen möchte, begegnet die Gruppe zufällig Sofie und Hans Piller.

Reisende breiten Klamotten zum Trocknen aus

„Wir befinden uns grade auf der Durchreise und haben unsere Sachen hier zum Trocknen auslegt“, ruft Hans Piller der Gruppe entschuldigend und mit bayerischem Akzent zu. Dabei deutet er auf eine Zeltplane, Handtücher, T-Shirts und Schlafsäcke, die ausgebreitet auf dem Schulhof liegen. Ehefrau Sofie beißt derweil in ein Brötchen. Zwei Fahrräder, behangen mit regenfesten Taschen, stehen in Reichweite.

Die Politiker setzen ihren Weg fort. Sofie und Hans Piller bleiben indes noch eine Weile sitzen. Sie stärken sich mit Spiegeleiern, zubereitet auf einem Gaskocher. Seit zwei Wochen sind die beiden mit dem Fahrrad unterwegs. Etwa 1300 Kilometer haben sie schon hinter sich gebracht.

Gestartet sind Sofie und Hans Piller im Allgäu, in einem Ort nahe Füssen, der circa 30 Kilometer nördlich der österreichischen Grenze liegt. Das Ziel: Stockholm. Von Bayern sind sie entlang der Mosel, über Luxemburg bis nach Olfen gefahren. Als nächstes möchten sie Station in Münster machen.

Radreise nach Skandinavien: 3500 Kilometer in acht Wochen

Über Bremen, Hamburg und Oslo soll es schließlich bis zur schwedischen Hauptstadt gehen. Von da aus machen sie sich durch Mecklenburg-Vorpommern, über Berlin und Dresden auf in die bayerische Heimat. Sechs bis acht Wochen haben sie für die etwa 3500 Kilometer eingeplant.

Keine leichte Aufgabe mit Rädern, die bepackt um die 50 Kilogramm wiegen. Aus diesem Grund meidet das Ehepaar so gut es geht Radwege. „Wir sind keine Radwegefahrer“, sagt Sofie Piller. „Meist gibt es dort viele Steigungen, besonders an der Mosel. Und wir wollten nicht so viele Höhenmeter machen, weil wir unsere Räder dort auf den Radwegen stellenweise schieben müssten“, sagt Piller. Daher fahren die Pillers bevorzugt auf Landstraßen, manchmal sogar auf Autobahnen. Dann allerdings nicht in Deutschland.

Das Ehepaar hat bereits zehntausende Kilometer per Fahrrad zurückgelegt. „1981 haben wir unsere erste Fahrt nach Sizilien gemacht. 2008 ging es nach Kairo, 2012 nach Moskau und 2015 nach Gibraltar“, zählt Sofie Piller einen Teil der bereisten Länder auf. Mit dem Flugzeug ging es wieder zurück. Auf ihren Fahrten durchquerten sie ebenfalls Länder, die nicht in den klassischen Reisekatalogen auftauchen.

Hohe Gastfreundschaft in arabischen Ländern

Doch grade dort, in arabischen Staaten wie dem Iran oder Syrien, hätten sie besonders positive Erfahrungen gemacht. „Landschaftlich war Marokko bislang am schönsten. Die Gastfreundschaft in Syrien, dem Iran oder der Türkei findet man aber nirgendwo anders auf der Welt“, sagt Hans Piller.

Obwohl sie schon zahlreiche Reisen unternommen haben, konnten sie ihr großes Ziel noch nicht realisieren: eine Fahrt nach China. Ob sie jemals das bevölkerungsreichste Land der Welt mit dem Fahrrad erreichen, ist besonders seit Ausbruch der Corona-Pandemie fraglich. „Uns läuft die Zeit davon“, sagt Sofie Piller.

Trotz der vielen Auslandserfahrungen birgt jede Reise ein gewisses Risiko. Daheim sorgt sich die Tochter – die zu Hause im Allgäu auf Haus und Blumen aufpasst – besonders bei Fahrten durch vermeintliche Krisengebiete um das Wohl ihrer Eltern. Passiert sei glücklicherweise noch nichts. „Und wenn wir vom Rad gefallen sind, dann immer in Deutschland“, sagt Sofie Piller mit einem Lachen.

Pillers nehmen gerne Fernreisende auf

Die Erfahrungen, die Pillers auf ihren Reisen gemacht haben, beeinflussen den Alltag der Pensionäre. „Wann immer wir Fernreisende sehen, nehmen wir sie bei uns auf“, sagt Hans Piller. Er weiß, welche Strapazen zu einer solchen Reise gehören.

Das Ehepaar schläft meist in einem Zelt auf Campingplätzen. Dort gibt es dann auch die Möglichkeit, sich zu duschen. Ist kein Campingplatz in der Nähe, stellen sie ihr Zelt bei fremden Menschen auf dem Grundstück auf – natürlich nicht, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Denn wildes Campen im Wald ist in vielen Teilen Deutschlands verboten. Wo sie am Abend in der Nähe von Münster übernachten, wissen sie noch nicht.

„Manchmal können wir uns nur die Zähne putzen oder eine Katzenwäsche machen. Wir haben nur jeweils drei Liter Wasser dabei und das muss auch noch für das Abendessen reichen“, sagt Sofie Piller, die ihren Mann mit 17 Jahren kennenlernte. Bei rund 90 gefahrenen Kilometern am Tag sei ein Abend ohne Dusche keine Freude, bleibt aber in Erinnerung.

Ihre Erlebnisse teilt das Ehepaar Piller bei Vorträgen in der Heimat. In Volkshochschulen oder Gemeindesälen berichten sie von ihren Reisen. Dabei zeigen sie nicht nur Fotos. Hans Piller hat eine Actioncam an seinem Lenker befestigt und hält die Touren per Video fest. Vielleicht zeigen sie bald das Video der Tour nach Stockholm. Und vielleicht berichten sie auch von ihrem Zwischenstopp in Olfen, wo sie zufällig dem Bürgermeister, der Bundesumweltministerin und einem neugierigen Reporter begegnet sind.

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