Dr. Anne-Monika Spallek ist die Bundestagskandidatin für Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II. © Bündnis 90/Die Grünen
Bundestagswahl

Anne-Monika Spallek: Vom Pferde-Gestüt für die Grünen in den Bundestag

Dr. Anne-Monika Spallek tritt für die Grünen im Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II an. Früher war sie Unternehmensberaterin und verdiente viel Geld - bis zu einer besonderen Zugfahrt.

Seit 1999 ist Dr. Anne-Monika Spallek dort, wo sie immer sein wollte: Im Münsterland, genauer gesagt: Auf dem Gestüt Gerleve in Billerbeck. „Ich bin in Appelhülsen geboren, aber meine Familie zog sehr früh ins Ruhrgebiet, nach Bochum“, erzählt die 53-Jährige. Als Kind hat sie oft Reiterferien auf einem Ponyhof in Havixbeck verbracht. „Ab da wusste ich, dass ich irgendwann einmal ins Münsterland zurückziehen würde.“

Aber zunächst schlug sie einen anderen Weg ein. In Bochum studierte sie Mathematik, machte an der Ruhr-Universität ihren Abschluss und anschließend auch den Doktor. „Danach wurde ich Unternehmensberaterin und bin viel herumgereist.“ Die besten Hotels, First-Class-Flüge und komfortable Bahnreisen bestimmten ihren Alltag, in den Chefetagen großer Unternehmen gab sie Tipps und Expertisen für die weitere Geschäftsentwicklung. „Man hat sehr gut verdient“, sagt Anna-Monika Spallek rückblickend.

„Da wusste ich: So will ich leben“

Doch wirklich glücklich wurde sie in dem Job nicht. Dann kam die eine Zugfahrt, die alles veränderte: „Wir fuhren übers Land, ich blickte aus dem Fenster und sah einige Höfe und Tiere. Da wusste ich: So will ich leben.“ Rückblickend sei das der Moment gewesen, in dem sie entschieden habe, aus ihrem bisherigen Leben auszusteigen: „Bis es dann tatsächlich auch geklappt hat, dauerte es aber noch zwei Jahre. So von einem Moment auf den anderen, wie man sich das vielleicht vorstellt, funktioniert das nicht.“

Die Reiterin, die bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie auch Turniere geritten ist, wusste, was sie wollte: „Einen Hof mit Pferden.“ Mittlerweile hatte sie auch ihren heutigen Mann kennengelernt, der bereit war, mit ihr den Plan umzusetzen. „Er ist Software-Entwickler, in seiner Firma gab es bereits Video-Konferenzen, bevor sie durch Corona ein Massenphänomen geworden sind. Das machte die Entscheidung, ins Münsterland zu ziehen, natürlich einfacher.“

Nun gibt es im Münsterland viele Pferdehöfe, aber die stehen nicht unbedingt zum Verkauf. Dass Dr. Anne-Monika Spallek und ihr Mann auf dem Gestüt Gerleve landeten, war Zufall: „Ich hatte mir eine Fachzeitschrift für Pferdewirtschaft gekauft, und das war der erste Hof, der dort zum Verkauf angeboten wurde.“

Sie erinnert sich noch genau, als sie das erste Mal auf das Gelände in Billerbeck fuhren. „Wir wussten sofort: Das ist es.“ Und so wechselte das Gestüt Gerleve 1999 die Besitzer. Seitdem ist der Hof ein „Seniorenheim“ für Pferde, rund 40 Tiere sind hier zur Pflege. Trotz ihrer Vergangenheit als Unternehmensberaterin musste Anne-Monika Spallek einiges neu lernen: „Ein solcher Hof nimmt einen schon in Anspruch, vor allem, wenn man erstmal gar keine Ahnung von der Materie hat.“

Gesicht der Grünen im Münsterland

Mittlerweile ist das Gestüt Gerleve etabliert, genauso wie Dr. Anne-Monika Spallek das Gesicht der Grünen im Münsterland ist. Auch das ist nicht selbstverständlich. „Am Anfang war ich tatsächlich Mitglied bei der CDU.“ Da dort ein Mangel an Frauen in Führungspositionen herrsche, sei sie recht schnell in diverse Vorstände gewählt worden. „Ich habe aber festgestellt, dass ich in der CDU meine Vorstellung von Tierwohl niemals werden durchsetzen können.“

Und so erfolgte 2015 der Wechsel zu Bündnis 90/Die Grünen – zunächst in den Ortsverband Billerbeck, ein Jahr später in den Kreisverband Coesfeld. Seit 2017 ist sie Beisitzerin des Bezirksvorstandes Westfalen. „Wenn man wirklich etwas bewegen will, muss man in die höheren Ebenen wechseln“, beschreibt sie ihre Motivation. Folgerichtig steht sie nun vor der höchsten Ebene: dem Bundestag.

Nachdem Friedrich Ostendorff nicht mehr antritt, hat Dr. Anne-Monika Spallek als seine Nachfolgerin realistische Chancen, dank eines guten Listenplatzes das Münsterland in der kommenden Legislaturperiode in Berlin zu vertreten.

Nachfolge auf dem Gestüt geklärt

Allerdings würde das auch bedeuten, dass sich die Kandidatin seltener um ihr Gestüt und die Pferde kümmern könnte. „Ich würde auf keinen Fall nach Berlin ziehen, sondern hier wohnen bleiben und so oft wie möglich meinen Wahlkreis betreuen“, sagt die Politikerin. Pendeln werde sie mit der Bahn. „Ich mag schließlich Zugfahrten.“ Auch die Arbeit mit der Partei sei von Billerbeck aus kein Problem: „Die Videokonferenzen werden wir beibehalten. Die Pandemie hat gezeigt, dass es nicht immer zentraler Treffen bedarf. Ich denke, so können viele Entscheidungen auch leichter und vor allem schneller getroffen werden.“

Dennoch wird sie das Gestüt Gerleve definitiv nicht mehr so führen können, wie es bisher der Fall ist. „Meine Nichte wird übernehmen, ich lerne sie bereits an“, hat die 53-Jährige vorgesorgt, falls sie in den Bundestag einziehen sollte.

Bis zum 26. September stehen noch einige Wahlkampftermine auf dem Programm. Gegenwind gerade aus der konservativen Ecke ist im Münsterland immer zu erwarten. In diesem Wahlkampf kommt es jedoch zusätzlich zu Attacken auf Wahlplakate und Banner. „Es ist unfassbar, wie viele Plakate hier mutwillig zerstört werden.“ Täglich klingelt das Telefon, weil es neue Hinweise auf beschädigte oder zerstörte Plakate gibt. Davon lässt sich Dr. Anne-Monika Spallek jedoch nicht entmutigen: „Es gibt ja eine deutliche Tendenz in der Gesellschaft hin zu Nachhaltigkeit und ökologischem Bewusstsein.“ Und genau diese Tendenz soll die Pferde-Liebhaberin aus Billerbeck nach Berlin bringen.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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