Was bedeuten Kästchen an den Uniform von Polizeibeamten im Kreis Coesfeld?

Polizei

Es sind kleine Kästchen an den Uniformen: Bodycams. Sie sehen und hören, was sich bei Einsätzen abspielt und können im Zweifel vor Gericht als Beweismittel dienen. Aber es gibt auch Regeln.

Olfen, Nordkirchen

, 20.11.2019, 15:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Was bedeuten Kästchen an den Uniform von Polizeibeamten im Kreis Coesfeld?

Unter der Schulter (im Bild r.) trägt der Beamte die Bodycam-Kamera. © Polizei COE

Im Oktober haben sie die Westen bekommen mit speziellen Halterungen und Hüllen. Einen Monat später folgten jetzt auch die ersten Geräte, die dort hineingesteckt werden. Bodycams - kleine Kameras, die auch Streifenpolizisten im Kreis Coesfeld tragen.

Innenminister stattet die gesamte Polizei in NRW aus

Die Polizei im Kreis Coesfeld ist vergleichsweise früh dran. Innenminister Herbert Reul hatte im September 2019 angekündigt, die Geräte für die Polizei NRW flächendeckend anzuschaffen: rund 9000 Kameras bis Ende 2020. Die ersten Geräte für den Kreis Coesfeld, zu dem auch Olfen und Nordkirchen gehören, sind Mitte November angekommen. „Seit dieser Woche sind die ersten Einsatzkräfte in der Handhabung der Bodycam beschult worden und setzen diese ein“, teilt die Pressestelle der Polizei Coesfeld am Mittwoch (20.11.) mit.

Das zum Einsatz kommende Modell ist klein und handlich, wiegt 146 Gramm und damit etwa so viel wie ein handelsübliches Smartphone. Auf dem 2-Zoll-Farb-LCD-Monitor ist für jeden sichtbar, was genau gefilmt wird. Aufgenommen wird in HD-Qualität mit Bild und Ton.

Polizeisprecherin: Einsatz darf nicht willkürlich erfolgen

„Der Einsatz der Kamera darf nicht willkürlich erfolgen, sondern ist an das Vorliegen einer Gefahr gekoppelt“, betont Britta Venker, Sprecherin der Polizei im Kreis. Die Beamtinnen und Beamten könnten in solchen brenzligen Situationen entscheiden, den Aufzeichnungsknopf zu drücken - nachdem sie das den Betroffenen mitgeteilt haben, wie Venker ergänzt. Außerdem kennzeichnet ein leuchtendes rotes Licht an der Kamera, dass sie läuft.

Weniger Gewalt gegen Beamte ist das Ziel

Minister Reul erhofft sich davon eine deeskalierende Wirkung während des Einsatzes. Die Idee: Wer weiß, dass alles, war er oder sie in einer bestimmten Situation tut, in Wort und Bild festgehalten wird, werde sein Handeln noch einmal überdenken. Es gibt aber noch eine Wirkung.

Mit Bodycams kann die Rechtmäßigkeit von Polizeiaktionen im Nachhinein überprüft werden: ein Schutz für die Polizeikräfte, aber auch für ihr jeweiliges Gegenüber.

Im Februar 2019 erklärte das Düsseldorfer Landgericht Aufnahmen aus der Bodycam-Kamera einer Polizistin als Beweis vor Gericht für verwertbar.

„Gewalt gegen Polizisten war in der vergangenen Zeit bereits Thema“, so Venker. Die Polizei erhoffe sich durch den Einsatz der Kameras, Angriffe und Gewalt gegen Polizeibeamte zu reduzieren.

Auch im Ausland tragen Polizisten Kameras

Die Idee, die kleinen Kameras am Körper zu tragen, ist nicht neu: Body-Cams werden seit 2005 von einzelnen Polizeieinheiten in Großbritannien verwendet, zuvor wurden sie bereits in Dänemark getestet.

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