Eine Autofahrt von Olfen nach Haltern oder umgekehrt dauert nicht lange - mit dem Bus hingegen schon. Mit einem ganz anderen Fortbewegungsmittel könnte man aber tatsächlich viel Zeit sparen.

Olfen

, 19.08.2019, 14:32 Uhr / Lesedauer: 4 min

„In 50 Minuten, ernsthaft?“, denke ich, während ich in Datteln an einer Bushaltestelle stehe und gucke, wann der Bus nach Olfen kommt. Dass die Busanbindung zwischen Olfen und Haltern nicht sonderlich gut ist, konnte ich mir schon vorher denken - und hat auch schon die Stadt Olfen in ihrem Mobilitätskonzept von 2018 erkannt. Aber wie nervig die Pendlerroute zwischen den beiden Nachbarstädten wirklich ist, wird mir erst jetzt während meines Selbstversuchs bewusst.

Ich wollte wissen: Wie lange brauche ich von meiner Heimatstadt Haltern bis nach Olfen? Mit dem Auto bin ich immer etwa 25 Minuten unterwegs, bis ich am Leohaus, welches ich mir als Zielpunkt setze, vorbeifahre. 18 Kilometer habe ich dann hinter mir. Mit dem Bus sollten es einige mehr werden.

Verwirrende Angaben und ein gesparter Fußweg

Im Vorfeld war ich bereits intensiv damit beschäftigt, eine Route zu finden, die überhaupt praktikabel ist und mit der ich nicht den halben Vormittag brauchen würde. Nach einigem Ausprobieren hatte ich es nach einiger Zeit endlich geschafft, die passende und hoffentlich auch schnellste Route zu finden. Und die beinhaltete drei verschiedene Busse und eine Strecke, die mich von Haltern nach Datteln und dann erst nach Olfen führen sollte.

Um 8 Uhr morgens mache ich mich dann von zu Hause aus auf zur ersten Bushaltestelle an der Stadtmühle in Haltern. Der erste Bus, der mich ins Stadtzentrum bringt, ehe meine Reise so richtig losgehen kann, kommt auch direkt pünktlich. Die Fahrt zum Kärntner Platz dauert nur wenige Minuten.

Eigentlich soll ich sogar erst eine Haltestelle später aussteigen, am Halterner Bahnhof - das schlagen mir zumindest die Fahrplanauskünfte von „Fahrtwind“ und der Deutschen Bahn vor. Laut beiden Auskünften soll ich dann aber zum Kärntner Platz laufen. Für mich vollkommen unverständlich. Als Ortskundiger kenne ich die Haltestellen und spare mir den mehrminütigen Fußweg. Ortsfremde würden aber vermutlich weiter fahren als sie eigentlich müssten.

Eine Alternative wären je zwei Bus- und Bahnfahrten

Im Zentrum Halterns angekommen, warte ich einige Minuten, bis dann auch mein zweiter Bus, die Linie 288, pünktlich auftaucht. Leider, denke ich mir, bringt mich dieser Bus noch nicht auf direktem Weg nach Olfen. Im Mobilitätskonzept der Stadt Olfen wurde genau das als eine der Schwächen des öffentlichen Verkehrs in und um Olfen festgemacht. Von einer „schlechten beziehungsweise fehlenden ÖPNV-Anbindung an die Bahnhöfe Dülmen und Haltern“ ist dort die Rede.

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Als Alternative wird der Bahnhof Lüdinghausen genannt, über den man - mit einem Umweg über den Dülmener Bahnhof - auch nach Haltern kommen könne. Eine Stunde und dreizehn Minuten würde man mit dieser Verbindung brauchen. Neben zwei Zugfahrten müsste man noch je einmal mit einem Bus und einem Schnellbus fahren.

Eine Rundfahrt durch die umliegenden Dörfer

Das wäre eine wirklich gute Alternative, allerdings will ich nur die Busanbindung testen, weshalb ich mich im Vorfeld für eine längere Fahrt entscheiden muss. „Bis zur Redder Straße bitte“, sage ich zu dem Busfahrer. „Das ist ja schon Datteln“, antwortet der ganz überrascht. Anscheinend fahren nicht ganz so viele Menschen mit der 288 bis nach Datteln.

Es folgt eine fast halbstündige Fahrt, die einer Städte-Tour gleicht. Bossendorf, Flaesheim und Ahsen. Während meiner Fahrt kann ich mir all diese Orte genau angucken. Als wir am Kalksandsteinwerk in Flaesheim vorbeifahren, gucke ich zum wiederholten Male auf meine Uhr. Seit einer Dreiviertelstunde bin ich nun schon unterwegs. Wäre ich mit dem Auto gefahren, könnte ich jetzt schon mit der Arbeit beginnen.

Keine hundert Pendler laut Mobilitätskonzept

Und noch etwas ist ganz anders als beim Autofahren: Ich bin von deutlich mehr Leuten umgeben. Während hinter mir eine Frau steht und so laut telefoniert, dass ich das ganze Gespräch mithören kann, sitzt zwei Plätze rechts vor mir eine junge Dame, die sich noch schnell mithilfe ihres Smartphones als Spiegelersatz fertig schminkt, bevor sie kurz darauf aussteigt.

88 regelmäßige Pendler zwischen Olfen und Haltern gibt es laut dem Olfener Mobilitätskonzept. Das ergab zumindest eine Auswertung der Zahlen von IT.NRW. In dem Konzept wird als mögliche Starthaltestelle für einen Pendler-Bus die Haltestelle Oststraße genannt. Die Endstation wäre dann der Halterner Bahnhof. Die Kosten, so schätzen es die Ersteller des Konzepts, würden sich jährlich auf 468.000 Euro belaufen - bei 18 Fahrten an 260 Tagen.

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Pläne für eine direkte Anbindung zwischen Olfen und Haltern gebe es sogar schon, verrät Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Das Projekt alleine zu realisieren, sei aber wegen der nicht so hohen Pendlerzahl schwierig. Daher sei beim Kreis Coesfeld angeregt worden, eine solche Verbindung im Nahverkehrsplan einzubauen. Eine mögliche Buslinie würde dann in Ascheberg starten, über Lüdinghausen fahren und danach Olfen und Haltern verbinden.

Doch da es diese Verbindung noch nicht gibt, lande ich erst mal - etwas zu spät - um 9 Uhr in Datteln an der Redder Straße. Die kurze Verspätung ist allerdings nicht schlimm, denn nun erwartet mich die längste Wartezeit des Tages. Erst in 50 Minuten kommt der nächste Bus, der bis nach Olfen fährt. Für Pendler ist das doch eigentlich gar nicht machbar, denke ich.

Ein Spaziergang, um sich die Wartezeit zu vertreiben

Die 50 Minuten Wartezeit will ich sinnvoll nutzen. Dafür hatte ich mir extra meinen Laptop eingepackt - um schon mal etwas für die Arbeit zu machen, vielleicht sogar schon die ersten Sätze dieses Artikels zu schreiben. Aber ich verwerfe meinen Plan schnell wieder, als ich aus dem Bus aussteige. Eigentlich hatte ich auf eine Bank oder zumindest eine kleine Mauer gehofft, auf die ich mich setzen könnte.

Bus-Odyssee zwischen Olfen und Haltern: So ist der Alltag für Olfener Bus-Pendler

Um meine Wartezeit in Datteln wenigstens einigermaßen sinnvoll zu nutzen, laufe ich schon mal entlang der Bus-Route und überspringe einige Haltestellen. © Pascal Albert

Das war aber wohl etwas zu optimistisch. Um mir die Zeit zu vertreiben, laufe ich schon mal in die Richtung der nächsten Haltestellen. Dabei kann ich mir auch gleich noch ein bisschen Datteln angucken - allerdings wollte ich eigentlich keine Sightseeing-Tour machen, sondern einfach nur zur Arbeit fahren.

Letztendlich entscheide ich mich, meinen Spaziergang an der Bushaltestelle Münsterstraße zu beenden und auf die S91 zu warten. Eine gute halbe Stunde bin ich bis dorthin gelaufen. Vier Haltestellen habe ich dadurch übersprungen - der Schnellbus hätte dafür nur fünf Minuten gebraucht.

Es gibt eine schnellere und noch umweltfreundlichere Alternative

Mein letzter Bus kommt pünktlich um 9.53 Uhr. Nur zwölf Minuten später steige ich am Caritas-Wohnheim in Olfen wieder aus. Von da aus sind es nur noch wenige Gehminuten bis zum Leohaus. Später stelle ich fest, dass ich eigentlich noch drei Haltestellen hätte weiterfahren können. Dann wäre ich erst am Hallenbad ausgestiegen. Damit hätte ich mir aber nur einen kleinen Fußweg gespart.

Letztendlich habe ich etwas mehr als zwei Stunden gebraucht, um mit dem Bus von zu Hause bis zum Olfener Leohaus zu kommen. Mit dem Auto wären es vielleicht 25 Minuten gewesen. Von Olfen nach Haltern hätte es genauso lange gedauert. Ich habe eine Strecke von 27 Kilometern - neun mehr als mit dem Auto - zurückgelegt. Lässt man die erste Busfahrt ins Halterner Stadtzentrum weg und betrachtet nur die Fahrt von dort zum Leohaus, sind es immer noch etwas mehr als 90 Minuten.

Eine gute Alternative wäre übrigens das Fahrrad gewesen, stelle ich im Nachhinein fest. Das ist sogar noch einmal deutlich umweltfreundlicher als die Fahrt mit dem Bus und ich wäre sogar schon nach rund 50 Minuten in Olfen angekommen.

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