Ein leer stehendes Stallgebäude für Zuchtsauen hat Christian und Martina Brömmelkamp aus Vinnum auf die Idee gebracht, neue Wege zu beschreiten mit ihrem landwirtschaftlichen Betrieb.

Vinnum

, 07.10.2018, 15:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir haben uns 2015 entschlossen, das alte Tennengebäude und die leer stehenden Stallungen zu Ferienwohnungen umzubauen“, erzählt Martina Brömmelkamp. „Wir haben uns gefragt: Warum nicht Urlaub auf dem Land anbieten?“ Ob sich das Unterfangen lohnen würde, wussten die beiden zunächst nicht.

Eineinhalb Jahre dauerte der Umbau, und heute befinden sich im ehemaligen Stallgebäude drei große Ferienwohnungen für acht bzw. neun Personen. „Zum Glück konnten wir viele tragende Wände erhalten, und auch der Dachstuhl aus massiver Eiche ist geblieben“, sagt Christian Brömmelkamp.

Die Wohnungen sind geräumig, mit großen Duschen und Badezimmern. Schaut man aus dem Fenster, sieht man Wiesen, Wald, die Böschung in Richtung Dortmund-Ems-Kanal. Pfingsten 2017 kommen die ersten Gäste. „Wir waren total überrascht, wie gut es funktioniert“, sagt Martina Brömmelkamp. „Viele kommen aus dem Ruhrgebiet. Aus Düsseldorf, Essen, Dortmund. Aber oft haben wir auch Monteure hier.“

Platz für Familientreffen

Familientreffen sind bei den großen Wohnungen ebenfalls gut möglich, zumal die Brömmelkamps auch einen großen Aufenthaltsraum mit Kicker und Tischtennisplatten besitzen. Und für die Kinder gibt es dann vor allem: die Tiere. „Wir haben selber zwei Mädchen und einen Jungen und wissen, wie wichtig der Umgang mit Tieren für Kinder ist“, sagt Martina Brömmelkamp.

Die kleinen Feriengäste können also mit den Katzen spielen oder die Kaninchen füttern. Es gibt einen Spielplatz, und zwei Pferde hat die Familie auch. „Eigentlich sind es ein Pferd und ein Pony“, stellt Martina Brömmelkamp vor. „Vivian ist ein deutsches Reitpony, und dann haben wir noch Riva.“

Christian und Martina Brömmelkamp haben aus einem Stall moderne Ferienwohnungen gemacht

Die rothaarige Riva und Pony Vivian stehen den Feriengästen unter Aufsicht gerne zum Reiten zur Verfügung.

Der elfjährige Sohn Jonathan hätte auch noch gerne Hühner auf dem Hof. „Abwarten“, sagt Christian Brömmelkamp und lacht. Und dann zeigt er den Knüller, der unter einem großen Scheunendach steht: ein kleines Golfauto. „Damit dürfen Kinder ab elf Jahren fahren, aber auch die Erwachsenen drehen hier gerne ihre Runden“, freut er sich.

Ferkel waren es, die früher auf dem Hof Brömmelkamp gezüchtet wurden. „Wir hatten hier 20 Sauen“, erzählt Christian Brömmelkamp. Der 46-jährige Energieelektroniker hält auch heute noch Mastschweine, allerdings im Nebenerwerb. Und Ferkel sind keine mehr dabei. „Nur 20 Sauen, das hat sich nicht gelohnt.“

Christian und Martina Brömmelkamp haben aus einem Stall moderne Ferienwohnungen gemacht

In dem kleinen Golfauto fahren Kinder und Erwachsene gern.

Christian Brömmelkamp und seine Frau Martina zeigen ihren Gästen, auch den Nutzern der Ferienwohnungen, gerne ihren Hof. Auch ein Blick in den Schweinestall ist auf Anfrage immer erlaubt. „Wir möchten ja, dass alle Leute sehen, wie es den Tieren geht“, sagt Martina.

Auch wenn die rund 700 Masttiere auf konventioneller Basis gehalten werden: Die Familie bemüht sich um eine möglichst artgerechte Haltung. „Wir halten unsere Schweine nach Kriterien der Initiative Tierwohl“, sagt Christian Brömmelkamp (siehe Infokasten).

Das bedeutet, dass die Schweine zum Beispiel mehr Platz im Stall bekommen, und dass sie Gegenstände zum Spielen und zur Beschäftigung haben. „Das können Kauhölzer sein, Scheuerbretter oder eben Stroh“, erzählt Martina Brömmelkamp.

Christian und Martina Brömmelkamp haben aus einem Stall moderne Ferienwohnungen gemacht

Auch reiten können die Feriengäste bei Brömmelkamps.

Die Initiative führt auch Kontrollen durch; einmal im Jahr gibt es angemeldeten Besuch, dazwischen auch unangemeldete Qualitätssicherungs-Kontrollen.

Im Stall nebenan hört man von draußen lautes Quieken. „Die bekommen gerade ihr Futter“, sagt Christian Brömmelkamp und lacht. Zu futtern gibt’s für die Tiere zum Teil Getreide, das auf den eigenen Feldern gewachsen ist: „Weizen, Gerste, Roggen, Mais“, zählt Christian Brömmelkamp auf.

Schwein mag Schoko

Damit es für die Schweine noch schmackhafter wird, kommen noch Reste aus der Lebensmittelindustrie hinzu: Das können Brot- und Backwaren sein oder auch Gemüsereste wie Kartoffelschalen. „Richtig gut schmeckt den Schweinen Schokolade“, erklärt Christian Brömmelkamp. Diesen Futtermix bekommen die Brömmelkamps dann von einem Lohnunternehmen geliefert.

Das Essen für die Schweine kommt per Sensorfütterung in den Trog. „Essen die Tiere langsamer, kommt auch weniger Futter. So gibt es immer genau die richtige Menge“, erklärt Brömmelkamp.

Als die Brömmelkamps für ein Foto in den Stall gehen, kommen die neugierigen Tiere sofort angelaufen. In der Mitte des Stalls steht eine Futterkrippe mit Stroh. Hier können sie knabbern – auch wenn sie gerade wohl mehr Appetit auf Martina Brömmelkamps Hosenbeine haben. Schokolade hin oder her.

www.ferienhof-broemmelkamp.de

Kriterien für die Initiative Tierwohl
  • Tierhalter, die wie die Brömmelkamps an der Initiative Tierwohl teilnehmen, müssen bestimmte Tierwohlkriterien umsetzen.
  • Diese wurden von Gesundheitsexperten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Tierschutz entwickelt und liegen alle über den gesetzlichen Standards.
  • Es gibt bestimmte Grundanforderungen und Pflichtkriterien, die jeder Tierhalter umsetzen muss. Schweinehaltende Betriebe können zusätzliche Wahlkriterien wählen.
  • Je nachdem, welche Kriterien der Tierhalter aussucht, erhält er ein bestimmtes Tierwohlentgelt. Mit diesem soll der Aufwand für die Umsetzung der Kriterien kompensiert werden.
  • Zu den Kriterien gehören unter anderem mehr Platz, Spielzeug, Scheuermöglichkeiten oder Tageslicht.
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