Corona-Strafen in Olfen: 250 Euro für verbotenen Besuch auf der Skateanlage

Coronavirus

Olfener Ordnungskräfte haben zwei Volljährige auf der wegen Corona geschlossenen Skateanlage angetroffen und zur Kasse gebeten. Die Folge: ein Bußgeld von je 250 Euro - und eine Diskussion.

Olfen

, 25.03.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wilhelm Sendermann lässt in Olfen durchgreifen bei Verstößen gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr.

Wilhelm Sendermann lässt in Olfen durchgreifen bei Verstößen gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr. © Theo Wolters

Seit Montag (23. 3.) gilt bundesweit das Kontaktverbot: Öffentliche Ansammlungen von mehr als zwei Personen sind verboten, es sei denn, es handelt sich um Menschen, die zusammen wohnen. Zur Umsetzung hat die Landesregierung einen Straf- und Bußgeldkatalog veröffentlicht, der empfindliche Strafen vorsieht von mindestens 200 Euro. Mitarbeiter der Stadt Olfen haben sie bereits in zwei Fällen verhängt - und damit im Netz eine breite Diskussion ausgelöst.

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„Das muss doch nicht sein!“, hat Bürgermeister Wilhelm Sendermann am Dienstagnachmittag auf Facebook geschrieben. Kurz zuvor hatten Ordnungskräfte zwei Erwachsene auf der Skateanlage angetroffen, die ebenso wie alle Spielplätze geschlossen ist. Das kam den beiden teuer zu stehen.

Bürgermeister appelliert, Egoismus zurückzustellen

Sie mussten ein Bußgeld von jeweils 250 Euro zahlen. „Uns macht das auch keinen Spaß“, postete Sendermann und verwies auf die „Verantwortung für unsere alten und kranken Mitbürger“: „In dieser Zeit sollten wir zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger zusammen halten und unsere egoistischen Züge einfach mal zurück stellen.“

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Ministerpräsident Armin Laschet hatte es zwei Tage zuvor noch drastischer ausgedrückt: „Die Lage ist ernst. Es geht um Leben und Tod. Null Toleranz gilt auch gegenüber Rechtsbrechern im Kampf gegen das Coronavirus.“

Hätte eine Verwarnung gereicht?

Alle würden da zustimmen, sagt Olfens Bürgermeister Sendermann am Mittwoch im Gespräch mit der Redaktion, wenn dann tatsächlich Strafen verhängt würden - „davon habe ich aus den anderen Städten und Gemeinden auch noch nichts gehört“ - dann sei die Aufregung groß.

„Eine Verwarnung wäre ausreichend gewesen“, meinte ein Nutzer auf Facebook. Von „Bauernopfer“ ist die Rede. „250 Euro tun weh. Man beachte, dass viele gerade auf Sparflamme fahren“, schrieb ein weiterer und mahnte Solidarität an, statt „Kids zu jagen“ wie Schwerverbrecher. In der Mehrheit der 70 Kommentare unter Sendermanns Beitrag findet sich allerdings Zustimmung.

Das sagt die Verordnung des Landes

Die Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus lasse auch gar kein „Mal-ein-Auge-Zudrücken“ zu, sagt Sendermann im Gespräch mit der Redaktion. Paragraf 14 besagt, dass die „zuständigen Behörden gehalten (sind), die Bestimmungen dieser Verordnung energisch, konsequent und, wo nötig, mit Zwangsmitteln durchzusetzen.“

In der aktuellen Olfener Diskussion werde teilweise versucht, Vergehen zu bagatellisieren. Das Besuchsverbot im Altenheim sei eine wirklich schmerzliche Einschränkung, „Eine Zeit lang nicht skaten zu dürfen, um die Ausbreitung einer lebensbedrohlichen Pandemie zu verhindern, ist nicht schön aber zumutbar.“

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