Däne gibt Gas: 50 Kilometer Leerrohre in Olfen verlegt und fast keine Schäden

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Menschen rund um den Globus verbinden will - und kann das Internet. In Teilen funktioniert das auch ohne Netz schon beim Ausbau. Gut zu beobachten ist das gerade in Olfen.

Olfen

, 22.02.2020, 14:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Peter Hansen (53) hat schon in vielen Ländern gearbeitet. Aktuell ist Olfen sein Einsatzort. Mit seinem schwedischen Spezialfahrzeug (Huddig) verlegt der 53-jährige Däne in Olfen Kilometer um Kilometer Leerrohre für neue Glasfaserkabel. Ein faszinierendes Schauspiel. Der Boden vibriert heftig in der langen Hauseinfahrt am Wittkampweg in Vinnum.

Peter Hansen bekommt davon wenig mit in seiner Fahrerkabine. Hoch konzentriert zieht er mit seinem „Monster-Schlepper“ in einem Zug eine rund ein Meter tiefe und nur wenige Zentimeter breite Furche in den Acker, verlegt das Leerrohr und darüber eine gelb-schwarze Folie, die auf das später darunter liegende Glasfaserkabel verweist.

„Fahrer und Spezialgerät bilden eine geniale Einheit“

Nur wenige Minuten später rollt ein Minibagger über die Furche, verfestigt damit den Boden. Manfred Casper, Geschäftsführer der Olfenkom, ist begeistert. Hansen sitze bereits seit seinem 14. Lebensjahr auf einem derartigen Gerät. „Längst bilden Fahrer und Gerät eine geniale Einheit.“ Für Casper ist das „ungleiche Team“ ein Glücksfall.

Graben ziehen, Leerrohr verlegen und darüber noch eine "Warnfolie" - eine Super-Maschine macht das in einem einzigen Schritt mögich.

Graben ziehen, Leerrohr verlegen und darüber noch eine "Warnfolie" - eine Super-Maschine macht das in einem einzigen Schritt mögich. © Thomas Aschwer

Nach mehr als 50 Kilometer verlegten Rohren sind die Kollateralschäden absolut überschaubar. In zwei Fällen sei eine Telekomleitung beschädigt worden, in einem weiteren Fall wurde eine private Wasserleitung getroffen. „Die Leitung war aber in keinem Plan eingezeichnet“, sagt Casper und zieht den Hut vor Peter Hansen.

Leitungen liegen bis zu 1,40 Meter unter der Oberfläche

Im Gegensatz zu den Geräten, die die eigens gegründeten Buddelvereine in den Nachbarorten verwendet haben, kommt Hansen mit seinem Spezialfahrzeug deutlich schneller voran. Der Pflug gräbt sich auf Olfener Gebiet bis zu 1,40 Meter tief in die Erde. Die Tiefe sei aber nur bei Spargelfeldern notwendig, sagt Casper.

Ansonsten liegen die Leitungen meist 80 bis 100 Zentimeter unter der Oberfläche.

Da der Pflug bis zu 4 Meter zur Seite verschwenkt werden kann, sind Leitplanken oder Leitpfosten an den Straßenrändern absolut kein Probleme bei der Rohr-Verlegung. Nur bei Straßenquerungen muss die „Supermaschine“ passen.

„Bei Kreis- und Bundesstraßen bohren wir, bei landwirtschaftlichen Straßen kommen Erdraketen zum Einsatz“, sagt Casper und verweist auf gesetzliche Vorgaben.

Olfenkom will Anschlüsse bis Ende April/Anfang Mai realisieren

Während Hansen seine Arbeit bald beendet hat und weiterzieht, hat Olfenkom noch viel tun. An Weiberfastnacht ist der 20. Anschluss im Außenbereich fertiggestellt worden. Viele weitere folgen. Genau 224 Objekte mit insgesamt 333 Anschlüssen realisiert Olfenkom bis voraussichtlich Ende April/Anfang Mai.

Zu tun bleibt auch danach mehr als genug. Ein Blick auf die Internetseite des NRW-Wirtschaftsministeriums zeigt, wie groß der Nachholbedarf in Olfen ist. Danach belegt Olfen beim Breitbandausbau im Kreis Coesfeld abgeschlagen den letzten Platz.

Der Spezialpflug zieht nur eine schmale Furche, die direkt wieder verschlossen wird.

Der Spezialpflug zieht nur eine schmale Furche, die direkt wieder verschlossen wird. © Thomas Aschwer

Während in der Gemeinde Nordkirchen 91 Prozent der Haushalte eine Anschlussqualität von 1000 Mbit/S und mehr haben, liegt der Wert in Olfen bei 0 Prozent. „Das stimmt nicht“, sagt der Olfenkom-Geschäftsführer und sieht Aktualisierungsbedarf bei der Online-Karte. Beispielhaft verweist er auf das Baugebiet Ächterheide, wo genau diese Möglichkeit bestehe.

Olfenkom plant eine Erschließung Olfen in den nächsten drei Jahren

Allerdings räumt Manfred Casper ein, dass es für Quoten wie in Ascheberg, Lüdinghausen oder Nordkirchen noch geraume Zeit dauern wird. Erklärtes Ziel sei eine komplette Erschließung Olfens innerhalb der nächsten drei Jahre. Wenn die Bürger mitmachen.

Rund 50 Prozent der Haushalte in einem Wohngebiet müssten sich für einen Glasfaseranschluss entscheiden, „damit es für die Olfenkom wirtschaftlich darstellbar ist“. Wie schwierig das sein kann, ist gerade erst im Außenbereich deutlich geworden.

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