Parallel zur Landwirtschaftsmesse Grüne Woche steht am Samstag auch die Demonstration „Wir haben es satt“ an. Auch Umweltschützer aus Olfen werden dabei sein. Das sind ihre Gründe.

Olfen

, 16.01.2020, 19:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Feldroboter in Aktion, Tierschauen und auch ganz besondere Ernährungstrends, wie Insekten auf dem Teller. All das sind Bestandteile der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin, die am Freitag beginnt (17. bis 26. Januar). Unter anderem werden dort auch Landwirte über ihre Arbeit reden.

Bereits seit 2011 gehört zur Grünen Woche aber auch, dass ein Aktionsbündnis, ebenfalls aus Landwirten, aber vor allen Dingen aus Umwelt- und Naturschützern, während der Grünen Woche zu einer Demonstration ruft: „Wir haben es satt“ heißt sie. „Agrarwende anpacken, Klima schützen“, ist in diesem Jahr das Motto.

Olfener BUND ist bei der Demo dabei

Zu denjenigen, die am Samstag in Berlin demonstrieren werden, gehören auch Elisabeth Hatebur und Marion Höft-Tombrink vom Olfener Ortsverein des BUND. Sie haben ihr Ticket für die Fahrt mit anderen BUND-Mitgliedern aus dem Kreis Coesfeld bereits gekauft und auch die Schilder für die Demonstration bereits vorbereitet.

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„Die Demo richtet sich nicht gegen die Bauern, sondern gegen die Landwirtschaftspolitik“, macht Elisabeth Hatebur klar. Oder anders gesagt: „Wir sind für die Bauern - die wissen es nur nicht.“

Subventionen anders verteilen

Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass Hatebur und Höft-Tombrink dafür sind, dass Subventionen gezielter eingesetzt werden. 2018 zahlte die EU 6,6 Milliarden Euro bei 326.000 Empfängern in der gesamten EU. In Deutschland sind das für Landwirte 280 Euro pro Hektar. Wer mehr Fläche besitzt, bekommt dementsprechend mehr Geld als solche Landwirte, die nur wenig Fläche besitzen.

„Stattdessen brauchen wir vor allen Dingen Geld für Bauernhöfe, die die Tiere vernünftig halten“, sagt Hatebur. So würden zum einen die kleineren Familienbetriebe unterstützt, etwas gegen das Hofsterben getan und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Qualität der Lebensmittel besser werde - zum Beispiel durch weniger Antibiotika. Ursprünglich wurden die Agrarsubventionen in den 1050er-Jahren eingeführt. Um sicherzugehen, dass genug Lebensmittel im Nachkriegs-Europa zur Verfügung gestellt werden können.

Umweltschützer aus Olfen bei Demo: „Wir sind für die Bauern - sie wissen es nur nicht“

Seit einigen Jahren sind BUND-Mitglieder aus dem Kreis Coesfeld bei der "Wir haben es satt"-Demonstration dabei. Diese Aufnahme stammt aus 2019 © BUND

„Besonders wichtig ist uns auch, das Insektensterben zu stoppen“, sagt Elisabeth Hatebur. Feldlerchen und Kiebitze hätte sie früher noch zur Genüge bei Feldspaziergängen mit ihrem Großvater gesehen. Heute sind sie schon eher eine Seltenheit, wie auch Vogelzählungen des NABU in der Vergangenheit gezeigt haben. Der Olfener BUND setzt sich daher unter anderem dafür ein, dass es Einfuhrverbote für Gülle, zum Beispiel aus den Niederlanden gibt und auch, Gifte, die die Artenvielfalt zerstören nicht mehr eingesetzt werden.

Grüne Woche wird politischer

Die Grüne Woche selbst wird in diesem Jahr deutlich politischer werden. Neben den 1800 Ausstellern aus Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Gartenbau werden auch die Aktivisten von Fridays for Future ausstellen. Hinzu kommt die aufgeheizte Stimmung bei den Bauern.

Mit großen (Traktor)-Protesten in Bonn und Berlin und grünen Kreuzen am Wegesrand machten sie in den vergangenem Monaten ebenfalls ihrem Ärger gegen die Politik Luft und demonstrierten gegen schärfere Verordnungen zum Beispiel bei den Themen Nitrat und Tierschutz. „Alles was im Moment nicht okay ist, wird den Landwirten angelastet“, brachte zum Beispiel der Olfener Ortslandwirt Bernhard Brüse die aktuelle Stimmung auf den Punkt. Dabei wolle man eigentlich den Austausch mit den Verbrauchern, sagte er.

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Damit die Landwirte überhaupt in die Lage versetzt werden, artgerechte, klimafreundliche Lebensmittel zu produzieren, müssten aber auch die Verbraucher das ihrige Tun, finden Elisabeth Hatebur und Marion Höft-Tombrink: „Für mich ist der Kernpunkt, dass man die Menschen dazu bringt, dass sie mehr Geld für Lebensmittel ausgeben“, sagt Hatebur.

Den Karren aus dem Dreck ziehen

In eine ähnliche Kerbe hauen auch die Grünen in Olfen: „Wichtig wäre, dass die Landwirte sehen, es gibt einen Schulterschluss“, sagt Katja Meyer, Sprecherin der Grünen in Olfen. Nicht jeder konventionelle Landwirt könne oder solle zum Biolandwirt werden. Nicht jeder habe die Flächen oder auch die finanziellen Mittel dazu. Sie sieht allerdings auch die Landwirte in der Verantwortung zu handeln. Landwirte sollten sich stärker gegen Groß-Konzerne positionieren und die Zusammenarbeit boykottieren, wenn es nicht möglich sei zu anständigen Bedingungen zu liefern.

Umweltschützer aus Olfen bei Demo: „Wir sind für die Bauern - sie wissen es nur nicht“

Katja Meyer, Sprecherin der Grünen Olfen © Arndt Brede

Nicht allein die Politik sei verantwortlich, auch, wenn sie einige Stellschrauben habe, wie das verteilen der Subventionen, findet Meyer. Der Bauern-Verband habe in der Vergangenheit zu sehr „mit den Mächtigen gekuschelt“, wie sie sagt und dabei vor allen Dingen den Großbetrieben, statt den kleinen Betrieben geholfen.

Kommentar von Redakteurin Sabine Geschwinder: Nicht den schwarzen Peter weiterreichen Umweltschützer und Bauern, sind sich oftmals nicht grün. Und doch sind sie sich doch eigentlich in der Sache einig: Alle wollen, dass es den Tieren und der Natur gut geht. Mehr Zeit für die Tiere, qualitativ hochwertigeres Fleisch oder Getreide. Das möchten Tierschützer, das möchten immer mehr Verbraucher und Bauern haben sicherlich auch nichts dagegen, solch höherwertigeren Lebensmittel herzustellen. Aber, wenn sich alle einig sind, wo ist dann das Problem? Vielleicht liegt es daran, dass jeder den schwarzen Peter weiter reichen will. Die Verbraucher sollen es regeln, die Politik, die Landwirte, die Industrie. Irgendwer soll es machen. Und nichts passiert. Viel besser wäre doch dies: Jeder entscheidet sich, ein Teil der Lösung zu sein, statt das Problem weiterzuschieben. Aber die Konsequenz muss sein: Lebensmittel zu Spottpreisen darf es nicht mehr geben.
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