Diskussion um Kontaktverbot in Olfen: Bürger schwärzen Gruppen an

hzCorona-Regeln

Eine Gruppe Jugendlicher sitzt in der Sonne und ignoriert das Kontaktverbot. Ist es richtig, sie bei der Polizei zu melden? Auch das Ordnungsamt bekommt derzeit Hinweise. Nicht immer zu Recht.

Olfen

, 13.04.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sechs Jugendliche, die zusammen am Hafen an der Alten Fahrt sitzen, und so gegen das Kontaktverbot in der Corona-Krise verstoßen: Daran hat sich bei Facebook eine hitzige Diskussion in einer Olfener Gruppe entzündet. Sollte man die Polizei rufen? Wir haben bei der Polizei und der Stadt nachgefragt, wie oft in Olfen Verstöße gegen die aktuell geltenden Kontaktregeln gemeldet werden.

Fast 120 Kommentare hat der Eintrag in der Gruppe „Du bist Olfener, wenn...“ bei Facebook. „Ich würde die Polizei oder das Ordnungsamt anrufen. Es gibt halt immer welche, die meinen, sich nicht an die Regeln halten zu müssen“, schreibt eine Nutzerin. „Ihr schwärzt euch jetzt echt gegenseitig an? Ich kann es nicht glauben“, hält eine andere dagegen.

Polizei erhält immer wieder Hinweise

Lieber die Jugendlichen selbst ansprechen auf ihr Fehlverhalten, raten andere Olfener. Gleich die Polizei zu rufen sei doch nicht nötig. Einige, die sich an der Diskussion beteiligen, sind der Meinung, wenn sie sich an die Regeln halten, sollten doch alle so vernünftig sein, um die Krise schnell zu überstehen.

Inzwischen verzeichnet die Polizei tatsächlich „immer und überall wieder“ Meldungen über das Fehlverhalten von Menschen, die sich trotz Kontaktverbot mit mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit treffen, sagt Britta Venker, Pressesprecherin der Polizei im Kreis Coesfeld. Erster Ansprechpartner sei aber nicht die Polizei, sondern das örtliche Ordnungsamt.

„Das wird ernst genommen“

Die Polizei gebe die Meldungen aber weiter. „Das wird schon ernst genommen, und das wird auch kontrolliert“, sagt Venker. Auch aus Olfen kämen inzwischen vereinzelt Meldungen, etwa eine am Tag. Dabei melden die Bürger bei dem warmen Wetter zum Beispiel Gruppen, die sich am Kanal träfen.

Zunächst würden diese Personen dann aufgefordert, den Ort zu verlassen. Wer dem nicht nachkommt, begehe eine Straftat und müsse eine Strafe zahlen, sagt die Polizeisprecherin. „Die meisten haben den Ernst der Lage aber erkannt“, sagt Venker. Der Großteil der Leute halte sich an die Regeln, halte Abstand und vermeide Versammlungen draußen. Darüber sei die Polizei im Kreis Coesfeld glücklich.

Tatsächlich bekommt auch das Ordnungsamt in Olfen immer wieder Anrufe von Bürgern, die verbotene Ansammlungen von mehr als zwei Personen melden wollen. Dann kontrollieren die Mitarbeiter auch, ob an den Vorwürfen etwas dran sei, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann gegenüber der Redaktion. Doch es habe sich herausgestellt, dass die Wahrnehmungen da unterschiedlich ausfallen, so Sendermann. Viele Meldungen stellten sich als falsch heraus. Etwa wenn sich drei Personen in einem privaten Garten träfen. Das ist nicht verboten.

Trotzdem warnt der Bürgermeister, die Olfener müssten sich weiterhin mit Disziplin an die Kontaktverbote halten, damit keine kritischen Situationen wie in anderen Ländern entstehen, die bislang schwerer von der Corona-Krise betroffen sind.

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Die Grünflächen zu sperren, wie es andere Städte jetzt tun, daran denkt die Stadt Olfen nicht. „Die Gesellschaft in Olfen geht sehr ordentlich mit den Gefahren um“, sagt Wilhelm Sendermann. Die Beobachtungen und Kontrollen des Ordnungsamtes hätten ergeben, dass sich die allermeisten Menschen an die Verbote und Schutzmaßnahmen hielten, so der Bürgermeister. Da mache es keinen Sinn, die Alte Fahrt oder den Stadtpark zu sperren, um Ansammlungen zu verhindern.

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