Franz-Josef und Fabian Schulte im Busch sind Wahlhelfer in dritter und vierter Generation. Vom Großvater kennen sie so manche Anekdote - wie die von der feucht-fröhlichen Stimmzählung.

Olfen

, 26.05.2019, 12:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon mein Vater und mein Großvater sind immer als Wahlhelfer angefordert worden“, erzählt Franz-Josef Schulte im Busch (68). Er ist in Olfen Wahlvorsteher, sein Sohn Fabian (29) ist stellvertretender Wahlvorsteher. Beide wissen: Ein Wahlsonntag ist lang.

Wahlhelfer müssen früh aufstehen

Denn wenn um acht Uhr die Wahllokale in Olfen öffnen, haben die Wahlhelfer schon stundenlang alles vorbereitet. Haben die Sitzordnung im Wahllokal geklärt, die Kabinen und Urnen aufgestellt. Haben kontrolliert, ob rund um das Wahllokal nicht etwa noch Parteienwerbung hängt, und ob auch genug Parkplätze zur Verfügung stehen.

Und auch während der Wahl gibt es viel zu tun. „Wir helfen, wenn jemand seine Lesebrille vergessen hat oder nicht richtig laufen kann“, erklärt Franz-Josef Schulte im Busch. Außerdem kontrollieren die Wahlhelfer zwischendurch immer mal wieder die Kabinen. „Es kommt schon vor, dass Leute Sprüche da reinschreiben oder etwas beschmieren. Hab ich alles schon erlebt“, sagt Schulte im Busch.

„Mama, warum machst du dein Kreuz bei den Grünen?“

Erlebt hat er in seinen knapp 40 Jahren als Wahlhelfer ohnehin schon so einiges. „Manchmal kommen die Leute und sagen: ,Oje, ich hab mein Kreuz an der falschen Stelle gemacht. Was soll ich tun?‘ Dann müssen wir den Wahlzettel vor den Augen des Wählers zerreißen und ihm einen neuen geben. Das wird auch vermerkt.“

Lachend erinnert er sich an die Geschichte mit dem älteren Herrn, der brav seinen Wahlberechtigungsschein mitbrachte. „Nur war das der von der Wahl davor. Der Mann hat die Scheine alle zu Hause gesammelt.“

Oft käme es auch vor, dass die Wahlberechtigten ihren Schein gar nicht richtig lesen und dann im falschen Wahllokal antreten. „Das ändert sich nämlich manchmal. Aber dann müssen wir sie in ihr Lokal schicken.“

Zahlen zur Olfener Europawahl
  • 10.500 Wahlberechtigte gibt es in Olfen.
  • 8 Wahllokale gibt es - allerdings nicht in Gaststätten, sondern unter anderem in Pfarrheimen und Schulen.
  • 2 Briefwahlvorstände kümmern sich um die Briefwähler
  • 80 Wahlhelfer sind engagiert - pro Wahllokal acht Helfer, die aber in Schichten in Vierergruppen arbeiten.
  • Von 8 bis 18 Uhr sind die Wahllokale geöffnet.

Gibt es größere Probleme, rufen die Wahlhelfer im Rathaus an. „Da können die meisten Dinge schnell geklärt werden“, sagt Franz-Josef Schulte im Busch.

Vor allem sind es aber die lustigen Vorkommnisse, die im Gedächtnis bleiben. Wie der Verrat des Wahlgeheimnisses zum Beispiel. „Oft ist es so, wenn Mütter mit ihren Kindern in der Kabine sind, und wir hören dann: ,Mama, warum hast du da bei den Grünen ein Kreuz gemacht?‘ Das ist schon witzig.“

Kein Geschimpfe: Manchmal muss man die Wähler auch ermahnen

Beide hoffen auf eine große Wahlbeteiligung - mindestens 50 Prozent wünschen sie sich. Fabian Schulte im Busch sagt dazu: „Der Spruch ist zwar aus dem Radio, aber ich finde, er stimmt: Man sollte nicht den anderen die Wahl überlassen.“ Und sein Vater ergänzt: „Wer nicht wählen geht, der darf auch nicht mitreden.“

Obwohl die Helfer sich gut verstehen und Spaß haben, nehmen Vater und Sohn ihre Berufung sehr ernst. Sie helfen den Wählern, müssen aber auch schon mal jemanden ermahnen. Zum Beispiel wenn in der Wahlkabine laut auf die eine oder andere Partei geschimpft wird.

„Ich halte das Amt des Wahlhelfers für ein Ehrenamt, aber auch für eine Pflicht“, sagt Franz-Josef Schulte im Busch. „Und während der Wahl und beim anschließenden Zählen müssen wir hellwach und konzentriert bleiben.“

Oh-oh: „Bring mal den Wahlhelfern lang-kurz-lang-kurz!“

Konzentrationsprobleme - die hat es in den älteren Generationen durchaus schon mal gegeben. Damals, als Olfen noch 36 Gaststätten hatte. Und viele davon bei Bedarf in Wahllokale umfunktioniert wurden. „Mein Vater Ludwig hat mir das erzählt. Die Olfener kamen zum Wählen, und wollten den Wahlhelfern was Gutes tun. Dann hieß es: ,Bring mal den Wahlhelfern lang-kurz-lang-kurz. Also Bier und Schnaps“, sagt Schulte im Busch und grinst.

Diese zugegeben gemütlich klingende Tradition habe in einem Wahljahr damit geendet, dass die Wahlhelfer in der Gaststätte „Lohmann“ am Abend nicht mehr in der Lage waren, die Stimmen auszuzählen. „Die waren so schicker, da musste dann Verstärkung aus dem Rathaus kommen.“

Umtrunk ja - aber erst nach der Stimmzählung

Bier und Schnaps gibt es an diesem Sonntag nicht - dafür aber Kaffee, Mineralwasser und Kekse. „Zwischendurch kommt auch unser Bürgermeister und bewirtet uns mit Süßigkeiten“, freut sich Franz-Josef Schulte im Busch. Überhaupt - die Zusammenarbeit mit der Stadt klappe immer super.

Und wenn dann am Abend die Stimmen gezählt sind, lädt Wilhelm Sendermann auch alle Wahlhelfer zum Umtrunk ins Bürgerhaus ein. Ob es dann auch lang-kurz lang-kurz für die Wahlhelfer gibt? Franz-Josef Schulte im Busch lacht: „Abwarten!“

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