Der Olfener Clemens Blau wird hier von Fahrer Rudi Niermann zum Impfzentrum nach Dülmen begleitet. © Maria Niermann
Fahrdienst

Geben und Nehmen in der Coronakrise: Impf-Fahrdienst in Olfen

Die einen freuen sich darüber, dass sie eine Begleitung zum Impftermin haben, die anderen freut es, dass sie eine Möglichkeit haben in dieser Pandemie zu helfen. In Olfen ist das Realität.

Der Olfener Impf-Fahrdienst, organisiert von den Landfrauen und dem Verein MiO, ist ein Gewinn für beide Seiten. Seit Beginn der Impfungen am 8. März haben die beiden Verbände einen Fahrdienst zum Impfzentrum des Kreises Coesfeld nach Dülmen eingerichtet.

Maria Sebbel, Sprecherin der Landfrauen, und Doris Sendermann vom Verein MiO (Miteinander in Olfen) hatten die Idee, über 80-jährigen Olfenern, die eine Einladung zur Coroana-Impfung bekommen würden, zu unterstützen. Sicherlich würde nicht jeder Betroffene mal eben zum Impfzentrum nach Dülmen fahren können oder mal eben einen Termin machen können, telefonisch oder online. Viele Impfwillige, aber längst nicht alle, hatten Familienmitglieder, Nachbarn und Bekannte zur Unterstützung an ihrer Seite haben. Aber das hat nun mal nicht jeder.

Es geht auch um Begleitung

An dieser Stelle traten Landfrauen und MiO auf den Plan. In erster Linie sollte es um die Fahrt zum Impfzentrum nach Dülmen gehen. Dieses liegt rund 21 Kilometer entfernt, für Autofahrer zwar sehr gut erreichbar, aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es schon eine Herausforderung. „Heute wissen wir, dass es den über 80-Jährigen auch nicht nur um die reine Fahrt geht, es geht auch um die Begleitung ins Zentrum. Dort ist zwar alles perfekt organisiert, trotzdem fühlen sich die Impfwilligen mit einem Menschen an ihrer Seite sicherer. Nach so vielen Diskussionen haben viele auch einfach Angst vor der Impfung.“

Nach dieser Idee der beiden Organisationen, informierte die Stadtverwaltung Olfen im Januar rund 950 Olfener über ihre Zulassung zur Impfung und über das Hilfsangebot von Landfrauen und MiO.

„Tja, und dann ging es auch direkt los“, berichten Maria Sebbel und Doris Sendermann übereinstimmend. Insgesamt haben bzw. werden beide Vereine für rund neunzig über 80-Jährige die Fahrten übernehmen und das natürlich auch für die Zweitimpfung. Das heißt: Rund zehn Prozent der impfberechtigen Olfener haben bzw. werden den Fahrdienst der beiden Organisationen in Anspruch nehmen. Bei den Bitten um Hilfe ging es aber nicht nur um die Fahrten. Viele Anrufer baten auch um Unterstützung bei der Absprache des Impftermins, fahren wollten diese selber. Als in den ersten Tagen die Telefonleitungen immer wieder besetzt waren, fühlten sich viele Senioren überfordert – sie sorgten sich um ihre Impfung – und baten um Unterstützung. Auch die Online-Terminvergabe war für viele eine zu hohe Hürde. So entwickelten die Frauen eine Routine beim Vereinbaren von Terminen. Sie bestätigen, dass die Plattform der Kassenärztlichen Vereinigung für die Impfvergabe nicht optimal war. Trotz aller Routine sei die Terminvereinbarung schon sehr kompliziert und nervenaufreibend gewesen. Nur ein kleines Detail: „Wir mussten so aufpassen“, sagt Maria Sebbel. „Bei der Terminbestätigung erhält man lediglich einen zehnstelligen Code aus Buchstaben und Ziffern, keinen Namen. Da durfte uns natürlich keine Verwechslung, kein Zahlendreher, gar nichts passieren.“

Fragen geklärt

Die Frauen wurden auch ein ums andere Mal einfach um Klärung von Fragen gebeten: Wenn jemand im März diesen Jahres 80 Jahre alt wird – ist er dann impfberechtigt oder gehört er weiterhin zu den unter 80-Jährigen? „Auch dann haben wir im Zentrum angerufen und diese und auch andere eingehende Fragen geklärt“, berichten die beiden.

Wie bereitwillig die Vereinsmitglieder sind, in dieser Krise zu helfen, haben die Initiatorinnen bei der Rekrutierung der Fahrerinnen und Fahrer erfahren. Maria Sebbel: „Ich hab unser Vorstandsteam gefragt. Viele waren sofort bereit Fahrten zu übernehmen. Andere Mitglieder und Olfener haben sich aufgrund des Zeitungsartikels bei uns gemeldet und ihre Bereitschaft erklärt.“ Ähnlich erging es Doris Sendermann. „Nein, an Fahrer*innen fehlt es überhaupt nicht“, so die MiO-Verantwortliche. MiO hatte im vergangenen Jahr, zu Beginn der Pandemie, Unterstützung bei Einkäufen, Behördengängen etc. angeboten. Aus diesem Helferpool ergaben sich nun auch die Fahrer*innen.

Positive Rückmeldungen

Die Organisatoren stellen auch fest, dass die insgesamt etwa einstündige Autofahrt, und der Aufenthalt in Dülmen, und das gleiche dann für die Zweitimpfung, auch Gelegenheit zum Gespräch, zum Kennenlernen, zum Austausch für beide Seiten ist. Auch das kann in Zeiten von Isolation ja durchaus positiv sein. Von Fahrern und Senioren kämen viele positive Rückmeldungen. Die Impfwilligen sind sehr dankbar und beeindruckt über das ehrenamtliche Engagement, den Fahrer*innen macht die Fahrt auch Freude. „Viele wollen einfach auch dabei helfen, dass es vorwärts geht, sie wollen einen Beitrag leisten“, so Doris Sendermann. Inzwischen haben die „Impfpaten“, so nennt Maria Sebbel die Fahrer*innen, auch die Möglichkeit, sich vor jeder Fahrt testen zu lassen, was zu weiterer Sicherheit führt.

Das Impfzentrum in Dülmen in den Hallen der ehemaligen Automanufaktur Wiesmann bietet in der Wartezeit ein besondere Umgebung.
Das Impfzentrum in Dülmen in den Hallen der ehemaligen Automanufaktur Wiesmann bietet in der Wartezeit ein besondere Umgebung. © Maria Niermann © Maria Niermann

Und wie sieht die finanzielle Seite aus? Die Fahrten werden ja schließlich mit dem Privat-PkW gemacht? Wer bezahlt das? „Die Stadtverwaltung zahlt 15 Cent pro gefahrenen Kilometer und stellt für Fahrer und Senior jeweils eine FFP2 Maske zur Verfügung“, sagt Doris Sendermann. Aber die Fahrer wollen dieses Geld nicht, sie sehen die Fahrt als ehrenamtlichen Einsatz. Mancher Senior möchte auch unbedingt die Fahrt zahlen, lässt sich davon auch keinesfalls abbringen. „Diese Gelder haben wir bisher gesammelt. Wir müssen mal schauen, was wir damit machen. Entweder geht es in die Kassen der beiden Vereine, oder aber…wir machen irgendwann, wenn die Pandemie es zulässt, eine kleine Danke-Schön-Veranstaltung für alle ehrenamtlichen Helfer“, überlegen Maria Sebbel und Doris Sendermann.

Bei den Impfterminen der unter 80-Jährigen klinken sich die Landfrauen aus dem Fahrdienst aus. „Wir glauben, dass dann die Nachfrage nicht mehr hoch sein wird, zumal dann ja auch die Partner gleichzeitig impfberechtigt sein werden. Der Bedarf wird sinken“, meint Maria Sebbel. MiO wird weiter ansprechbar sein.

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