Es klingt bedrohlich: Mitteleuropa befindet sich in der gravierendsten Dürre seit 1766. Was bedeutet das für die Zukunft? Die Stadt Olfen stellt sich dieser Thematik.

Olfen

, 27.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Olfen hat sich in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Stefan Greiving, Leiter des Instituts für Raumplanung an der TU Dortmund, erfolgreich um Fördermittel aus dem „Förderprogramm für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ des Bundesumweltministeriums beworben. Mit einem entsprechenden Forschungsprojekt soll es gelingen, eine Anpassungsstrategie für Olfen zu entwickeln.

Dass Mitteleuropa in einer gravierenden Dürre steckt, meint nicht irgendwer. „Das ist eine Aussage des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Halle-Leipzig“, berichtete Professor Dr. Stefan Greiving am Dienstagabend in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses Olfen. Er stellte das Projekt vor, das die Stadt Olfen und die Technische Universität (TU) Dortmund als Partner verantworten.

Häufigere Dürreperioden

Der Satz der Experten ergibt den Anlass für das Forschungsprojekt. Und weitere Sätze machen deutlich, dass es notwendig ist, sich der Thematik zu stellen: Die Dürre habe Auswirkungen auf Land- und Forstwirtschaft, Natur und Umwelt, öffentliche und private Grünflächen und Trinkwasserversorgung, sagt Greiving. Und: Der Klimawandel lasse Dürreperioden in Mitteleuropa bis 2100 siebenmal häufiger erwarten.

Macht es angesichts der Trockenheit überhaupt noch Sinn, Mais anzupflanzen? Diese und andere Fragen soll ein Forschungsprojekt zur Trockenheit beantworten helfen.

Macht es angesichts der Trockenheit überhaupt noch Sinn, Mais anzupflanzen? Diese und andere Fragen soll ein Forschungsprojekt zur Trockenheit beantworten helfen. © Arndt Brede

So seien die Jahre 2018 und 2019 auch in Olfen von langen Trockenperioden geprägt gewesen. Und 2020 gehe es ja damit weiter. Laut Prognosen werden langanhaltende Trockenperioden als Folge des Klimawandels zukünftig wahrscheinlich häufiger auftreten. „Im Rahmen des Forschungsprojekts ANFO (Anpassungsstrategien zum Umgang mit den Folgen von Trockenheit in Olfen) sollen Erfordernisse und Handlungsmöglichkeiten zum Umgang mit Trockenheit und ihren Folgen zum Beispiel im Bereich der Stadt- und Landschaftsplanung, Grünflächenbewirtschaftung, Land- und Forstwirtschaft und Trinkwasserversorgung identifiziert werden.“ So steht es in der Projektbeschreibung.

Was heißt das konkret? Antworten hat Stefan Greiving: In den vergangenen elf Jahren seien die Frühjahre deutlich trockener gewesen, als sie es nach dem langjährigen Durchschnitt eigentlich hätten sein dürfen. „Das hat zu einer immer bedrohlicher werdenden Absenkung des Grundwasserspiegels geführt.“ In den entscheidenden Bodenschichten bemerke man Trockenheit, die nicht nur für die Landwirtschaft und die Wälder, sondern auch für die Trinkwasserversorgung zunehmend bedrohlich werde.

Gesamtkonzeption für Olfen

Es gehe um eine Gesamtkonzeption für ganz Olfen. Unter anderem mit folgenden Themenschwerpunkten:

  • Bauleitplanung: Wie kann Trockenheit in der Gestaltungsplanung neuer Baugebiete in den Bereichen Entwässerungsplanung, Gestaltung öffentlicher und privater Grünflächen einfließen?
  • Städtische Grünflächenbewirtschaftung: Wie sollten öffentliche Grünflächen gestaltet sein, um sich an längere Trockenperioden anzupassen?Wie lassen sich die zunehmenden Bewässerungsanforderungen möglichst kosteneffizent und ressourcenschonend umsetzen?
  • Land- und Forstwirtschaft: Welche Sorten und Bewirtschaftungsformen sind erforderlich, um mit längeren Trockenperioden umzugehen? Wie kann Wasser für Bewässerungszwecke gespeichert werden?
  • Trinkwasserversorgung: Anpassung an Engpässe in der Wasserversorgung.

Die Projektbeteiligten werden jetzt Informationen und Wissen sammeln. Sie werten unter anderem Boden- und Standort- sowie hydrogeologische Karten aus.

Diese Erkenntnisse müssen sich zum Beispiel eben auch in neuen Strategien für die Grünflächengestaltung niederschlagen, sagt Greiving: „Viele Baumarten, die Flachwurzler sind, sind nicht unbedingt empfehlenswert. In einigen Projekten wird mittlerweile mit Baumrigolen gearbeitet.“ Mit Systemen also, in denen Bäume eigene Wasserspeicher bekommen. Es gehe auch darum, herauszufinden, welche Baumarten unter den derzeitigen und künftigen klimatischen Bedingungen zum Beispiel in Neubaugebieten gepflanzt werden können. Und welche Arten künftig in Bebauungsplänen festgesetzt werden sollen.

Für die Landwirtschaft werde sich die Frage stellen, welche Getreidesorten künftig angepflanzt werden sollten. So sei zum Beispiel Mais anfällig gegen Trockenheit.

Das Forschungsprojekt werde sich auch des Wissens der lokalen, also Olfener Akteure bedienen, sagt der Professor. So seien unter anderem Landwirte für den 3. September zu einem Gespräch eingeladen, um zu erzählen, welche Erfahrungen sie mit der Trockenheit gemacht haben.

Bürger einbinden

Denkbar seien aber auch Spaziergänge mit interessierten Bürgern, um mal zu erleben, wie sich die Umwelt verändert hat.

Das auf drei Jahre angesetzte Projekt wird zu 75 Prozent gefördert. Die Fördersumme für die Stadt Olfen beträgt rund 81.000 Euro.

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