Die Stadt Olfen möchte der Natur mehr Platz einräumen und setzt darauf, dass das Jakobskreuzkraut ohne menschliches Eingreifen zurückgeht. © dpa-tmn
Giftpflanze

Jakobskreuzkraut in Olfen: Stadt lässt Giftpflanze weiter wachsen

In der Steveraue blüht das Jakobskreuzkraut. Die Stadt Olfen vertraut darauf, dass die Giftpflanze von alleine zurückgeht. Das soll nun wissenschaftlich bewiesen werden.

Die gelben Pflanzen des Jakobskreuzkrauts säumen die neuen Flächen links und rechts von der Birkenallee. Das teilte Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann auf seiner Facebookseite mit. Gleichzeitig gab er bekannt, wie die Stadt Olfen mit der Giftpflanze umgehen wird: Sie soll stehen bleiben, denn auf anderen Flächen an der Kökelsumer Straße und Steverstraße sei sie sukzessive zurückgegangen.

Tiere können an Jakobskreuzkraut sterben

Die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes an sich sei zunächst erstmal nicht gefährlich. Allerdings sei die Pflanze giftig und solle daher nicht an Tiere verfüttert werden, rät die Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen (NRW). Für Pferde sei eine tägliche Dosis der Pflanze von 40 bis 80 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht (14 bis 20 Kilogramm der Pflanze bei einem 350 Kilogramm schweren Islandpferd oder zwei bis vier Kilogramm getrocknet im Heu) tödlich.

Weniger gefährlich ist die Pflanze für Rinder. 140 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht sind für diese Tiere tödlich. Schafe sterben bei zwei Kilogramm und Ziegen bei 1,25 bis vier Kilogramm der Pflanze pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Werte gibt die Landwirtschaftskammer auf ihrer Homepage an.

Die Kammer rät aus diesem Grund dazu, die Samenbildung und somit die Verbreitung zu verhindern. Bei einzeln auftretenden Pflanzen könne dies durch Ausstechen geschehen. Bei flächendeckendem Auftreten sollten Landwirte die Weideflächen möglichst spät vor Blühbeginn der Pflanze mähen. Die Landwirtschaftskammer empfiehlt eine Nutzung der Flächen als Mähweide. Sie erklärt: „Das heißt, dass regelmäßig zwischen Mahd und Weide gewechselt wird.“

Sendermann: „Wir müssen der Natur Raum geben“

Sendermann setzt darauf, dass die Giftpflanze langfristig und ohne menschliches Eingreifen verschwindet. Er argumentierte gegenüber dieser Redaktion: „Wir müssen der Natur Raum geben und sie nicht bekämpfen, wenn sie nicht nach unseren Wünschen funktioniert.“ Außerdem, so sagte er, sei ihm kein Fall bekannt, bei dem ein Tier in Olfen an dem Kraut verendet ist. „Die Tiere fressen das Jakobskreuzkraut nicht“, schrieb er zudem bei Facebook.

Die Stadt bemerke ein langsames Vergehen der Pflanze. Bestätigen soll diese Beobachtung nun ein wissenschaftliches Monitoring. Über die Dauer von einem Jahr überwacht das Planungsbüro Koenzen die Entwicklung des Jakobskreuzkrauts. Die Datenerfassung habe bereits begonnen. Das Büro aus Hilden hat sich unter anderem auf deren Auswertung spezialisiert. Es habe der Stadt ebenfalls zum Abwarten geraten.

Auch der Naturschutzbund (Nabu) in NRW plädiert auf seiner Internetseite dafür, das Jakobskreuzkraut an einigen Stellen stehen zu lassen. Auf Brachen oder an Straßenrändern störe es niemanden, heißt es. Auch dieser Meinung schließt sich die Stadt Olfen an.

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