Die Kanalbrücke bei Vinnum ist überprüft worden. © Arndt Brede
Kanalbrücke

Kanalbrücke bei Vinnum überprüft – droht die nächste Sperrung?

Einen Tag lang ist die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal bei Vinnum überprüft worden. Die Menschen rund um Vinnum sind, was Brücken betrifft, sensibilisiert. Wie lautet das Ergebnis?

Wenn die Vinnumer das Wort „Brücke“ hören, denken sie wohl in der Regel an die Brücke über die Lippe auf dem Weg Richtung Waltrop. Sie wissen, dass diese Brücke marode ist und durch eine neue ersetzt werden soll. Jenseits von 2022 könnten die Baumaßnahmen beginnen. Die Folge werden kilometerweite Umwege sein.

Aber rund um Vinnum gibt es ja noch eine Brücke. Die kleine Schwester der Lippebrücke führt von Vinnum nach Nord-Westen Richtung Olfen über den Dortmund-Ems-Kanal. Und jene kleine Brücke war im August gesperrt, weil das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle sie hat überprüfen lassen.

Einen Tag lang war die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal, die Vinnum mit Olfen verbindet, gesperrt. Der Verkehr musste großräumig umgeleitet werden. Für die Betroffenen vielleicht nicht ganz so glücklich. Aber die Sperrung trägt dazu bei, dass sie auch künftig möglichst ohne Einschränkungen über die Brücke fahren können. Denn am Montag, 23. August, hat die Hauptuntersuchung angestanden, wie Uwe Rosenthal, kommissarischer Außenbezirksleiter Lüdinghausen beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle, auf Anfrage mitteilt.

So etwas wie der Brücken-TÜV

„Das war keine außergewöhnliche Prüfung“, sagt Uwe Rosenthal. Also keine Prüfung aus aktuellem Anlass, etwa, weil irgendetwas kaputt ist. „Das war so etwas wie ein Brücken-TÜV.“ Ein Auto müsse alle zwei Jahre zur TÜV-Untersuchung und Brücken müssen alle sechs Jahre quasi zum TÜV.

Eine solche Hauptprüfung sieht laut Rosenthal so aus: Ein großer Hubsteiger werde eingesetzt, um von einem Schiff aus die Brücke von unten zu überprüfen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle habe dazu ein externes Büro beauftragt. Ein Prüfingenieur sei deshalb vor Ort gewesen.

Zusätzlich sei ein Lastwagen auf der Brücke platziert worden und sei auch drüber gefahren. Grund: „Diese Brücken haben alle eine gewisse Gewichtsklasse und deswegen war der LKW im Einsatz. Deshalb war auch die Fahrbahn gesperrt.“ Der Lastwagen war also der Belastungstest für die Kanalbrücke, „um zu gucken, wie tragfähig diese Brücke ist“.

Keine zusätzlichen Einschränkungen

Und? Ist die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal noch tragfähig? Oder drohen Sperrungen? „Ich war selber an dem Tag vor Ort“, sagt Mark Benthaus, Bauingenieur und beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle zuständig für die Unterhaltung der Brücken. „Es hat sich nichts verändert.“ Heißt: Es wird keine zusätzlichen Einschränkungen geben. Die Brücke ist sowieso schon für Fahrzeuge über 12 Tonnen gesperrt und das Tempolimit liegt bei 20 km/h.

Bei den Trägern der Brücke hätten sich keine starken Verformungen oder Rissbildungen ergeben, führt Benthaus aus. „Alles im grünen Bereich.“ Eine gute Nachricht für alle Pendler.

Wie alt ist die Brücke eigentlich? „Sie ist Baujahr 1958“, antwortet Mark Benthaus. Sie habe eine Stützweite – also von Lager, auf dem sie ruht, zum Lager gegenüber – 61,80 Metern. Es handele sich um eine Stahl-Spannbeton-Brücke. Spielt das Alter der Brücke eine Rolle bei der Bewertung, wie lange sie noch im Einsatz sein kann? „Klar ist, dass solch eine Brücke irgendwann zu gegebener Zeit ersetzt werden muss“, erläutert der Bauingenieur. „Wir sehen dazu aber noch keine Notwendigkeit.“ Zumindest nicht in den nächsten Jahren.

Und auch das ist eine gute Nachricht für alle, die die Brücke nutzen. Und für alle, die befürchtet haben mögen, dass der schlimmste Fall eintreten könnte. Nämlich, dass zeitgleich die Lippe-Brücke bei Vinnum und die Kanalbrücke bei Vinnum gesperrt und neu gebaut werden müssen.

Prüfungen auch zwischendurch

„Eine solche Brücke hat eine theoretische Nutzbarkeit von circa 80 Jahren“, berichtet Mark Benthaus. Jedoch komme es immer auf den Einzelfall an. Damit aber nichts Überraschendes passiert, es zu Schäden kommt, die die Standsicherheit der Brücke nicht mehr gewährleisten, und eine Brückensperrung nötig machen, schauen sich Fachleute die Brücke nicht nur alle sechs Jahre an, wie Benthaus ausführt. Jährlich gebe es visuelle Prüfungen und alle drei Jahre kommt auch wieder ein Schiff zum Einsatz, um die Brücke etwas intensiver zu prüfen, „aber ohne Belastungstest“, sagt Mark Benthaus.

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Redaktion Selm
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