Karfreitag vor 75 Jahren: Als US-Truppen die Stadt Olfen befreiten

hzStadtgeschichte

„Karfreitag. Er wird allen Olfenern unvergesslich bleiben“, schrieb der Olfener Pfarrer Gerhard Harrier vor 75 Jahren in seine Pfarrchronik. Und dokumentierte damit ein Stück Stadtgeschichte.

Olfen

, 10.04.2020, 15:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Karfreitag im Jahr 1945, also vor 75 Jahren, nahmen US-Truppen im Kampf gegen das Regime der Nationalsozialisten die Stadt Olfen ein.

Der Arbeitskreis Geschichte des Heimatvereins Olfen hat zu diesem geschichtsträchtigen Datum in die Archive geschaut und hat dazu Aufzeichnungen von Gerhard Harrier in der Pfarrchronik gefunden. Harrier (1883 bis 1960) war von 1936 bis 1958 Pfarrer der St. Vitus-Gemeinde in Olfen.

Versteckt im Pastorat

„Karfreitag. Er wird allen Olfenern unvergesslich bleiben“, beginnt der Pfarrer seine Eintragung. „Frühmorgens hörte man schon, dass feindliche Panzerspitzen aus der Richtung Haltern im Anrollen seien.“ Der Pfarrer ging daraufhin in die Kirche und sagte den etwa 50 bis 100 Anwesenden, dass die Gottesdienste ausfielen. Lange Zeit hört er dann nichts mehr.

Während die Olfener in ihren Kellern Schutz vor den Artilleriegeschossen suchten, saß auch der Pfarrer seinen Angaben in der Pfarrchronik zufolge von morgens um neun Uhr bis nachmittags um fünf Uhr im Keller des Pastorats. „Man konnte sich kaum aus dem Keller wagen“, schreibt er. „Als der Kaplan und ich gegen 5 Uhr die Nase aus dem Keller steckten, sahen wir fünf amerikanische Soldaten oben auf dem Kanaldamm. Sie kommen auf das Pastorat zu, gehen an uns vorbei und verschwinden auf dem Kirchplatz. Das war uns ein sicheres Zeichen, dass die Hauptgefahr vorüber war.“

Der Olfener Pfarrer Gerhard Harrier

Der Olfener Pfarrer Gerhard Harrier © Repro: Theo Wolters

US-Soldaten warteten auf freiwillige Übergabe der Stadt

Was war unterdessen geschehen? „Die Panzer waren von der Füchtelner Mühle her gekommen und standen in langen Reihen hintereinander auf der Chaussee“, schreibt der Pfarrer. „Sie warteten, ob nicht ein Bevollmächtigter, etwa der Bürgermeister, käme, um die Stadt kampflos zu übergeben. Bürgersleute von Olfen schicken zu dem Bürgermeister, er möge doch die Stadt übergeben.“ Der Bürgermeister suchte Rat beim Kommandanten, der mit etwa 80 Soldaten am Kanaldamm stationiert ist. Eine Übergabe käme nicht in Frage, sagte der Kommandant. Er habe Befehl, die Stadt zu verteidigen.

Allerdings: „Seit den Mittagsstunden sieht man zum Ärger des Kommandanten und einiger uneinsichtiger Nazianhänger an fast allen Häusern die weiße Fahne wehen“, schreibt der Pfarrer. Bürger baten die amerikanischen Truppen, ob sie noch warten könnten, bevor sie das Feuer eröffneten und baten erneut, den Bürgermeister, die Stadt zu übergeben. „Ohne Erfolg“, wie der Pfarrer schreibt.

Tödliche Ausgangssperre

Als dann die amerikanischen Panzer ausschwärmten, eröffnete der Kommandant von Olfen mit seinen 80 Mann das Feuer. Später zog sich der Kommandant mit seiner Besatzung nach Schloss Sandfort zurück, gegen 6 Uhr abends rollten dann die Panzer in Olfen ein.

„Abends wurden viele Wohnungen für das Militär beschlagnahmt“, schreibt der Pfarrer weiter. Die Häuser mussten vollständig evakuiert werden. Auf Schloss Sandfort wurde bis in die späten Abendstunden weitergekämpft. „Bei diesen Kämpfen wurden drei Wohnhäuser ein Raub der Flammen und das Schloss selber arg zugerichtet“, schreibt der Pfarrer. Damals herrschten vom US-Militär auferlegte Ausgangssperren. Die Strafe für die Missachtung war der Tod: „Abends wurde von den Besatzungstruppen ein alter Invalide bei Tenkhoff an der Rauschenburg erschossen, weil er sich gegen die Anordnung der Militär-Regierung noch um 10 Uhr draußen herumtrieb“, schreibt der Pfarrer. Krieg, Zerstörung, Tod. Pfarrer Harrier schließt allerdings mit einem Satz, der ihm als Geistlichen am Karfreitag offenbar besonders wichtig war: „Jeglicher Gottesdienst in der Kirche musste natürlich unterbleiben.“

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