Keine Prämien für Sanitäter - neue Schule soll schnelle Hilfe in der Not sicherstellen

hzNeue Rettungsschule

Ablösegelder für Fußball-Profis sind längst „normal“. Jetzt gibt es auch einen „Markt“ für Notfallsanitäter. Der DRK-Kreisverband Coesfeld macht es wie der BVB. Selbst Talente ausbilden.

Olfen

, 22.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

130 Frauen und Männer arbeiten aktuell in den verschiedensten DRK-Rettungswachen des Kreises. Rücken an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zu medizinischen Notfällen aus. „Wenn der bereits beschlossene neue Bedarfsplan Rettungsdienst des Kreises Coesfeld umgesetzt werden sollen, benötigen wir 50 weitere Mitarbeiter“, sagt DRK-Kreisvorstand Christoph Schlütermann. Eine Mammutaufgabe.

Der Markt für die hoch qualifizierten Notfallsanitäter ist quasi leer gefegt. Auch deshalb, weil sich die Betreiber der Rettungsdienste in den vergangenen Jahren bei der Ausbildung zurückgehalten haben. Längst habe der Kampf um die besten Köpfe ungewöhnliche Formen angenommen, sagen DRK-Kreisvorstand Christoph Schlütermann und sein Präsident Konrad Püning. Beide berichten von Abwerbungsprämien von rund 1000 Euro und anderen Vergünstigungen für Notfallsanitäter - wenn sie sich für einen neuen Arbeitgeber entscheiden.

DRK-Kreisverband Lünen hat zuletzt deutlich weniger ausgebildet

„Notfallsanitäter haben wir noch nicht ausgebildet“, räumt Matthias Stiller, Vorstand DRK-Kreisverband Lünen, ein. „Früher haben wir bis zu zwölf Rettungssanitäter ausgebildet“, sagt Matthias Stiller. Doch der „liebe Streit ums Geld“ hat zur Kehrtwende geführt. Es habe lange Zeit einen Streit mit den Krankenkassen über die Finanzierung der Ausbildung gegeben, sagt Stiller.

Er freut sich, dass neben dem Kreis-DRK auch die Feuerwehr Lünen das Angebot der neuen Schule nutzt. DRK und Feuerwehr teilen sich die Aufgabe des Rettungswesens in Lünen und sind deshalb immer im engen Austausch. Das DRK ist zudem in Selm tätig.

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„Jeder zusätzliche Rettungswagen bedeutet einen weiteren Bedarf von zehn neuen Köpfen“, sagt Christoph Schlütermann. Und angesichts der geplanten Aufstockung im Kreis Coesfeld muss allein der Kreisverband 50 zusätzliche Sanitäter einstellen. Der Schlüssel zum Erfolg soll eine „eigene“ Rettungsschule sein, die am 2. September in Coesfeld in den neuen Räumen des Kreisverbandes an der Bahnhofstraße an den Start geht.

Landesverband in Münster lobt die besondere Kooperation

Genau genommen ist es keine Schule der Kreisverbands. „Träger ist der Landesverband Westfalen-Lippe in Münster“, sagt Christoph Schlütermann. „Wir sind Kooperationspartner“, erklärt Monika van der Beek“, Leitung des Instituts für Bildung und Kommunikation im Landesverband und damit auch verantwortlich für die Rettungsschule. Die Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Coesfeld bezeichnet sie als „Musterbeispiel, wie es gehen kann.“ Zumal die Voraussetzungen in Coesfeld „optimal sind“.

Keine Prämien für Sanitäter - neue Schule soll schnelle Hilfe in der Not sicherstellen

Helle Räume, modernste Technik. Wenn die Rettungsschule startet, kommen auch modernste Medien zum Einsatz. Über die neuen Möglichkeiten im Anbau freuen sich Kreisvorstand Christoph Schlütermann und DRK-Präsident Konrad Püning. © Thomas Aschwer

Im rund 2,1 Millionen Euro teuren Anbau des Kreisverbandes gibt es im Erdgeschoss modernste Schulungsräume. Im Keller entsteht noch ein ganz besonderer Übungsraum - ein Rettungswagen (RTW) ohne Räder. Hier wird 1:1 die Situation in einem RTW nachgebaut, damit die künftigen Notfallsanitäter jeden Handgriff immer wieder üben können, damit er später im Einsatz auch perfekt sitzt.

Angehende Rettungssanitäter haben hervorragende Berufsaussichten

Profitieren werden von der intensiven Ausbildung die Menschen in den Städten Selm und Olfen ebenso wie auch in der Gemeinde Nordkirchen. Die Schüler der Rettungsschule haben zwar keine schriftliche Übernahmegarantie. Aber angesichts des großen Bedarfs müssen sich die angehenden Rettungssanitäter keine Gedanken um ihre beruflichen Zukunft machen.

Der Kreisverband Coesfeld erhofft sich von der Ausbildung im eigenen Gebäude neben dem intensiven Gespräch über Lehrinhalte eine stärkere Anbindung der Azubis zum Kreisverband. Dass das alleine nicht reicht, um die Notfallsanitäter zu binden, ist allerdings auch Kreisvorstand Schlütermann bewusst. Deshalb gibt es beispielsweise besondere Sport- und Gesundheits-Angebote für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst.

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