Von dem Kirchturm der katholische Kirche St. Vitus in Olfen hängt ab Samstag eine große Regenbogenflagge, die für Offenheit, Toleranz und die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren stehen soll. © Foto Thomas Aschwer
Kirche in Olfen

Keine Segnung für homosexuelle Paare: „Das geht gar nicht!“

Mit einer Regenbogenflagge an den Kirchen setzt Olfen bald ein Zeichen: Für die Segnung homosexuelle Paare und für mehr Offenheit und Toleranz in der Kirche. Dabei sind sich alle einig.

Menschen aktiv ausgrenzen und diskriminieren. Das geht für viele gar nicht. Doch als Vincent Eichhorn aus Olfen von dem aktuellen Schreiben aus dem Vatikan gehört hatte, hat er genau das gesehen. Denn darin verbietet die Glaubenskongregation ausdrücklich die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare – es entspräche nicht dem Willen Gottes.

„Es ist heftig, dass in der Kirche Motorräder und Pferde gesegnet werden können, aber nicht zwei sich liebende Menschen. Das geht gar nicht“, erklärt Eichhorn, der in Olfen ebenfalls Messdiener ist. Aus anderen Gemeinden hatte er bereits gehört, dass die Kirchen dort Regenbogenflaggen als Zeichen gegen die Aussage des Vatikans aufhängen. „Da wollte ich in meiner Gemeinde auch.“

Eine Regenbogenflagge für mehr Toleranz und Vielfalt

Die Regenbogenflagge ist eines der zentralen Symbole queeren Community. Dieser fühlen sich all diejenigen zugehörig, die nicht heterosexuell leben, die also zum Beispiel schwul, lesbisch, oder auch bi- oder transsexuell sind. Die Regenbogenflagge steht dabei besonders für Vielfalt und Toleranz und setzt ein Zeichen gegen Diskriminierung. „Ich fand die Idee und die Aussagekraft der Regenbogenflagge gut“, so Eichhorn.

Mit seiner Umsetzungsidee für Olfen fand er überall viel Unterstützung. „Ich finde es super, dass sich junge Menschen so in unserer Gemeinde engagieren und sich für andere einsetzen, das ist total toll“, erzählt Helga Eckmann, die Vorsitzende des Pfarreirats. Außerdem sei die Sache dahinter wichtig: „Ich bin auch der Meinung, dass die Kirche sich weiterentwickelt hat.“

Pfarrer Ulrich Franke unterstützt Aktion

Es sei etwas natürliches, zwei Menschen zu segnen, die sich lieben. Eckmann weiß, dass es vielleicht einige geben wird, die das anders sehen, aber sie sagt auch: „Was in Olfen möglich ist, sollten wir hier auch machen“. Bei der Entscheidung, ob die Flagge aufgehängt wird, hatte letztendlich Pfarrer Ulrich Franke das letzte Wort. Und auch der war dabei.

Er findet es gut, dass Messdienerinnen und Messdienern zu solchen Themen Stellung beziehen und damit zeigen, dass ihnen die Kirche am Herzen liegt. „Außerdem finde ich es wichtig, dass Themen wie Homosexualität und Sexualität im Allgemeinen in der Kirche diskutiert und besonders auch weiterentwickelt werden“, so Franke. Auch er ist – wie viele andere Seelsorger in der Vergangenheit schon geäußert hatten – für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

Ab Samstag, 15 Uhr, hängt deswegen in Olfen und Vinnum jeweils an der St. Vitus Kirche und an der St. Marien Kirche die Regenbogenflagge. „In Olfen hängt die Flagge sogar ganz oben am Kirchturm, was ich cool und einen mutigen Schritt finde“, erzählt Vincent Eichhorn. Denn dort hängen normalerweise nur die Kirchenfahnen für kirchliche Feste und sie ist zudem für jeden gut sichtbar.

Miteinander ins Gespräch kommen

Über die Offenheit des Pfarreirates und des Pfarrers war Eichhorn zunächst überrascht, dann habe er sich gefreut. Ihm sei es auch wichtig gewesen, mit dem Pfarreirat und dem Pfarrer ins Gespräch zu kommen und hatte deswegen ein Online-Treffen vereinbart, um über die Thematik zu reden. Auch dies verlief für alle Seiten sehr positiv.

„Wir zeigen mit der Regenbogenflagge, dass wir nicht gut finden, was die katholische Kirche im Vatikan zu der Segnung sagt“, erklärt Eichhorn weiter. Diese Ansicht hat er mit der Messdienerleiterrunde und der Pfarreirat St. Vitus und St. Marien auch in einem Schreiben an die Gemeinde niedergeschrieben.

Darin heißt es: „FÜR Offenheit und Toleranz; FÜR Menschlichkeit und Nächstenliebe; FÜR die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in unserer Gemeinde und der gesamten katholischen Kirche“. Ab Samstag können alle Gemeindemitglieder in den Kirchen darunter unterschreiben.

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Ich liebe es, auch die unscheinbarsten Geschichten zum Leben zu erwecken – deswegen studiere ich Journalistik an der TU Dortmund und bin begeisterte Lokalreporterin, immer einer interessanten Geschichte auf der Spur.
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