Kraftakt gegen Corona: Bodybuilder aus Olfen erlebt Pandemie in USA

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Muskeln und Fitness sind sein sein Leben. Und sein Geschäft. Dass in seiner Wahlheimat Kalifornien Fitnessclubs gerade pleite gehen wegen Corona, trifft Gunter Schlierkamp dennoch kaum.

Olfen

, 05.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gunter Schlierkamp (50) ist ein starker Typ: langjähriger Bodybuilder, Fitnesstrainer, Filmdarsteller - und Körper-Double des unglaublichen Hulk in der gleichnamigen Hollywood-Verfilmung. Seit fast 25 Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Olfener in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat. Dort greift eine Gefahr um sich, der auch mit Hulks Superkräften nicht beizukommen wäre. Die kalifornische Regierung setzt im Kampf gegen das Corona-Virus auf etwas anderes.

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Star der Bodybuilding-Szene erlebt Corona-Zeit in den USA

Seit Mitte Juli gibt es wieder einen weitgehenden Lockdown: Alle Restaurants mussten ihre Innenbereiche schließen. Bars und Kinos mussten dicht machen. In 30 der am meisten betroffenen Landkreise des Westküstenstaates, darunter auch Los Angeles, wurden zudem Kirchen, Einkaufszentren und Friseure geschlossen. Und Fitnessclubs. Davon betroffen ist Gunter Schlierkamp nur indirekt. Während große Fitness-Club-Ketten in finanzieller Schieflage sind oder schon schließen mussten, steht der muskulöse Münsterländer weiter auf der Sonnenseite im Sonnenstaat: eine glückliche Fügung, die sich erst gar nicht so anfühlte.

Fitness zu Hause: jetzt eine gefragte Marktlücke

„Das war im vergangenen Jahr“, sagt Schlierkamp im Video-Gespräch. Damals hätten sich er und seine Frau, selbst Fitness-Trainerin, entschlossen, ihren eigenen, langjährig betriebenen Fitnessclub, ihr „Gym“, wie Schlierkamp sagt, zu schließen. Wegen der hohen Miete. Wegen der Konkurrenz der großen Ketten, die mit Dumping-Preisen warben. „Wir wollten uns ganz auf unser zweites wirtschaftliches Standbein konzentrieren“: die Entwicklung und den Vertrieb von Fitnessgeräten für den Heimbedarf: genau das, was jetzt in der Phase des zweiten Lockdown mehr denn je gefragt ist.

So sieht Gunter Schlierkamp heute aus - ein Screenshot aus dem Video-Interview.

So sieht Gunter Schlierkamp heute aus - ein Screenshot aus dem Video-Interview. © Screenshot

Ob in den großen Supermarktketten oder auf Amazon: Teilweise seien die mobilen, leicht erschwinglichen Trainingsgeräte ausverkauft gewesen. Gunter Schlierkamp lächelt, während er das erzählt. „Ich bin zufrieden“, sagt er. Nicht nur geschäftlich.

Abgeschiedener Wohnort schützt vor Ansteckung

In seinem Haus an der Küste wohnt er abgeschieden für den Geschmack vieler Großstädter. „Wir mögen es aber genau so“, sagt der gebürtige Olfener, dessen drei Geschwister in Olfen und Selm leben. Und wenn er „Wir“ sagt meint er seine Frau und ihren gemeinsamen Sohn Jake. Sich in den Trubel zu stürzen, liege ihnen einfach nicht - ganz unabhängig von Corona.

„Wir haben ein großes Grundstück und sind gerne draußen.“ Masken brauche man da nicht zu tragen, anders als in öffentlichen Einrichtungen und Supermärkten. Wer dort ohne Mund- und Nasenschutz angetroffen wird, muss inzwischen mit einer saftigen Geldstrafe rechnen. Vor Kurzem hatte Präsident Trump dagegen noch nichts von Masken wissen wollen und ihr Tragen für Humbug erklärt.

Zahl der Neuinfektionen steigt rapide

Kalifornien war zu Beginn der Pandemie ein Musterschüler in der Bekämpfung des Virus: auch dank eines strengen Lockdowns. Die Lockerung der Beschränkungen ab Juni ließ die Zahl der Neuinfektionen wieder rapide steigen. 10.000 pro Tag zusätzlich. „Hier wird aber inzwischen auch deutlich mehr getestet als früher“, nennt Schlierkamp einen Grund, den Präsident Trump - „jemand, der oft nicht nachdenkt, wenn er etwas sagt“ - auch angeführt hatte.

Persönlich kennt Gunter Schlierkamp keinen Corona-Patienten. Und auch keinen der mehr als 150.000 Menschen, die bislang in den USA an Covid 19 starben. Dafür aber viele Menschen, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen. Ein nationaler Shutdown, wie ihn Experten angesichts der steigenden Zahlen in den USA fordern, wäre eine Katastrophe. Ein weiteres Umsichgreifen der Krankheit aber ebenfalls. Darum hat er einen Tipp: „Am besten, man hält sich fit.“

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