Florian Fricke (l.) und Andreas Fricke stellen ihre eigenen Biere made in Olfen her. © Sebastian Reith
Hobbybrauer

Lecker Pils made in Olfen – Hafen 23 bringt neues Produkt auf den Markt

Große Brauereien müssen im Shutdown fässerweise Bier wegschütten, kleine Betriebe kommen mit Produktion oft nicht nach. Mittendrin die Olfener Braumanufaktur Hafen 23 mit einem neuen Angebot.

Das Geschäft boomt bei Florian Fricke und seinem Vater Andreas. Die Nachfrage nach ihren Bierkreationen ist viel größer als erwartet. „Es ist unheimlich gut gelaufen“, sagt Florian Fricke. Und jetzt geht bald das erste Pils der beiden an den Start. Weil die Kapazitäten aber bereits vorher „vorne und hinten nicht gereicht haben“, gibt es einen zweiten Braustandort. „Wir haben im vergangenen Sommer das Brau Atelier in Oelde als Partner gefunden.“

Doch es bleibt alles in eigener Hand. Florian und Andreas Fricke bringen auch bei den größeren Brauaktionen in Oelde ihre eigenen Zutaten komplett mit. Dazu gehört auch der Hopfen, teils selbst angebaut, teils gekauft. „Es gibt interessante Neuzüchtungen“, sagt Florian Fricke, der sich wie sein Vater als „Hobbybrauer“ sieht. Es geht den beiden um die Begeisterung für das Bier, um den Spaß an der Sache und um spannende Experimente. In der Regel mit einem so guten Ende.

Vater und Sohn haben schon mehr als 40 Biersorten gebraut

„Wir haben schon mehr als 40 Sorten gebraut“, berichtet Florian Fricke. Nur in einem Fall habe er eine Sorte als Fehlnote empfunden. „Einem Verwandten hat es aber gut geschmeckt.“ Dabei ist Fricke beim Grundantrieb für das zeitaufwendige Hobby. Vater wie Sohn sind weg vom immer gleich schmeckenden Standardbier. Wie aktuell viele Menschen in Deutschland experimentieren sie gerne. Und zwar mit großem Erfolg, der beim Start der kleinen Olfener Brauerei nicht absehbar und geplant war. Denn Florian Fricke hat noch ein anderes großes Hobby. Er spielt Fußball, ist Kapitän des FC Nordkirchen.

So sieht das Logo der Olfener Brauerei aus. © Florian Fricke © Florian Fricke

„Mein Vater war zu einem Geburtstag eingeladen, der mit einem Brauseminar verknüpft war.“ Sohn Florian war von den Erfahrungsberichten so sehr begeistert, dass er sich direkt auch für ein entsprechendes Seminar anmelden wollte. Weil die Kurse aber auf einen längeren Zeitraum ausgebucht waren, informierte er sich im Internet, kaufte Rohstoffe und einige wenige Ausrüstungsgegenstände. „Gebraut haben wir das erste Bier in der Küche in einem Einkochtopf.“

Getrunken haben sie aber nicht nur im engen Familienkreis, auch Freunde und Nachbarn durften kosten – und stellten die Jung-Brauer vor ein Problem. Die Nachfrage stieg und stieg. Weil jedoch Hobbybrauer maximal 200 Liter Bier im Jahr brauen dürfen, das zudem nicht das eigene Grundstück verlassen darf, haben Vater und Sohn ganz offiziell ein Nebengewerbe angemeldet. Ein Name war schnell gefunden – Hafen 23.

Olfener haben neue Vertriebswege aufgebaut

Allen Interessenten war damit schnell klar, wo es die ungewöhnlichen Bierkreationen gibt, in Olfen an der Hafenstraße 23. Längst gibt es weitere Vertriebswege. Das Bier made in Olfen gibt es beispielsweise bei Trinkgut Wilms und im Dorfladen Vinnum. Wer sich jedoch für ein Bier von Hafen 23 interessiert, muss dabei ein Stück weit flexibel sein. Es handelt sich oft um Kleinstmengen.

Florian Fricke berichtet von beispielsweise 70 Liter einer Sorte, die in Olfen gebraut werden. „Die Biergenießer kaufen oft auch nur eine einzige Flasche“, sagt der Hobbybrauer. Allerdings sind auch immer wieder 6er Kartons im Angebot.

Etwas anders ist die Situation bei den im Brau Atelier in Oelde gebrauten Bier. Hier entstehen in der deutlich größeren Anlage 1200 Liter einer Sorte. Geplant sind aktuell aber nur ein bis zwei Durchgänge im Jahr. „Es soll ein Hobby bleiben“, sagt Florian Fricke. Deshalb würden sein Vater und er auch immer nur geringe Mengen an Rohstoffen einkaufen.

Die Qualität der Produkte in Verbindung mit dem geringen Ausstoß hat natürlich ihren Preis. Bierliebhaber müssen mit 2 bis 2,50 Euro für eine kleine Flasche Bier rechnen. Die Halbliterflasche beginnt bei 3 Euro. Doch ähnlich wie bei Weinen scheint der Trend, zumindest in der Region, zu höherwertigen Produkten und größerer Vielfalt zu gehen. Eine Entwicklung, auf die größere Brauereien zumindest in der Form reagieren, dass sie neue Biere auf den Markt bringen.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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