Lippe-Renaturierung ist abgeschlossen: Baukosten deutlich unterschritten

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Noch sieht die neue Lippeschleife in Ahsen aus wie ein überdimensionaler Sandkasten, durch den sich die rund 20 Meter breite Lippe schlängelt. Aber die Perspektiven sind großartig.

von Uwe Wallkötter

Ahsen

, 04.06.2019, 13:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon heute können Besucher erahnen, welch ein herrliches, idyllisches Fleckchen Erde dort entsteht, wenn sich die Natur nach den Bauarbeiten in vier bis fünf Jahren das Areal zurückgeholt hat. Der Lippeverband hatte am Montag zum offiziellen Abschluss der Lippe-Renaturierung am Haus Vogelsang in den Hofladen Tenkhoff eingeladen. Und dort gab es gleich mehrere gute Nachrichten zu verkünden.

Baukosten um 1,3 Millionen Euro unterschritten

Zum einen sind nach Angaben von Lippeverbandschef Prof. Dr. Uli Paetzel die Baukosten um 1,3 Mio. Euro unterschritten worden. Kalkuliert worden war das Projekt mit 15 Mio. Euro, die Schlussrechnung liegt bei 13,7 Mio. Euro. Das liegt daran, dass der Lippeverband durch gutes Bodenmanagement innerhalb des Geländes Kosten reduzieren konnte. Mehr als 540.000 Kubikmeter Boden wurden dort auf insgesamt 60 Hektar Fläche bewegt. Finanziert wurde das Vorhaben durch das Land NRW. Die zweite positive Nachricht: Der naturnah umgestaltete, entfesselte Fluss ist nicht nur ein Gewinn für die Natur, sondern auch für die Menschen.

Zwei neue Flussstrände sind neu entstanden

Sie sollen von der Maßnahme profitieren und die „neue“ Lippe erleben und genießen. In dem Areal werden einige Punkte ausgeschildert sein, an denen die Bürger Zugang zur Lippe haben werden. Darunter sind auch zwei Flussstrände, einer auf Olfener, der andere auf Dattelner Seite.

Das sind allerdings keine klassischen Badestrände. An den sandigen Ufern, die in dieser Form ursprünglich zu einem natürlichen Flachlandfluss gehören, soll die Natur sich ohne menschliche Störung ausweiten. Zehn Jahre lang begleitet ein Monitoring die Entwicklung am Haus Vogelsang. Und schon jetzt zeigt sich, wie schnell die Natur auf diese Renaturierung reagiert hat. Rund 90 Uferschwalbenpärchen haben sich an den neuen Steilufern bereits angesiedelt.

Steinige Uferbegrenzungen beseitigt, Lebensräume geschaffen

In den zurückliegenden drei Jahren hat der Lippeverband am Haus Vogelsang das Gesicht der Lippe auf rund sechs Kilometern verändert, der Fluss ist jetzt breiter und flacher. Steinige Uferbegrenzungen wurden beseitigt und eine riesige Auenlandschaft geschaffen.

Die so erreichte verbesserte Gewässerstruktur ermöglicht es, dass neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen werden. Neben der Renatuierung am Haus Vogelsang laufen zwei weitere Projekte: Der Neubau der Lippedeiche in Haltern-Lippramsdorf und Marl auf rund fünf Kilometer Länge ist vor allem erforderlich, um den Hochwasserschutz langfristig sicherzustellen. Zudem schließt sich ein kleineres Renaturierungsprojekt östlich an das Projektgebiet Haus Vogelsang an.

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