Olfen macht Rechnung auf: Niedrige Steuersätze plus große Flächen gleich neue Jobs

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Die landwirtschaftlich genutzte Fläche an der B235 ist mit 18 Hektar so groß wie 20 Fußballfelder. Ein Acker, von dem die Bürger mit neuer Nutzung doppelt und dreifach profitieren sollen.

Olfen

, 15.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Christopher Schmalenbeck - bei der Stadt zuständig für Stadtplanung und Wirtschaftsförderung - ist kein Freund großer Ankündigungen. Keine forsche Ansage über die Ansiedlung neuer Firmen. Kein Versprechen über neue Jobs in der Steverstadt. Nur so viel: Die Stadt befinde sich in guten Gesprächen über Firmenansiedlungen. Dabei hat sie ein ganz starkes Argument.

Olfen gehört zu den 20 Städten in NRW mit besonders niedrigen Steuersätzen

„Olfen gehört zu den 20 Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen mit dem niedrigsten Steuersatz“, sagt Schmalenbeck. Es soll ein wichtiges Argument bei der Ansiedlung neuer Firmen sein. Beim gut gefüllten Gewerbegebiet Olfen Ost I mit einer Größe von 11 Hektar gingen 70 Prozent der veräußerten Grundstücke an Auswärtige.

Auf möglichst viele Zuzüge hofft die Stadtverwaltung auch beim neuen, deutlich größeren Gewerbegebiet Kreisverkehr Vinnumer Landweg und dem Autohaus Stever. Neben der Gewerbesteuer will die Stadt mit einem weiteren Argument punkten. „Wir können große Flächen und auch kleinere Parzellen anbieten“, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann.

Er nennt zwei zentrale Aspekte für die lange vorbereitete Ausweisung des Gewerbegebietes: „Es geht um zusätzliche Steuereinnahmen. Und ganz besonders um neue Jobs.“ Wie erfolgreich allerdings die Stadt in diesem Punkt in Olfen Ost I war, kann die Verwaltung auch auf Nachfrage nicht sagen.

Große Hallenflächen und wenige Jobs sind für Olfen kein Lösungsansatz

Logistikunternehmen, die große Flächen benötigen und nur wenige Mitarbeiter einstellen, sind für Schmalenbeck und Sendermann deshalb eher uninteressant. Das dürfte aus Sicht des Bürgermeisters auf Gegenseitigkeit beruhen. „Diese Unternehmen siedeln sich in der Nähe von Autobahnen an.“

Olfen macht Rechnung auf: Niedrige Steuersätze plus große Flächen gleich neue Jobs

Der erste Teil des Gewerbegebietes ist weitgehend vergeben. Aktuell errichtet die Firma Karaloon eine zweite Halle. © Thomas Aschwer

Nach Olfen kommen Firmen mit anderen Ansätzen. Wie der weltweit agierende Ballonlieferant Karaloon, der erst 2014 sein Gebäude im angrenzenden Gewerbegebiet eröffnet hat und derzeit eine zweite große Halle errichtet.

85.000 Quadratmeter auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Hüning

Unternehmen, die ebenfalls viel Platz benötigen, haben innerhalb des Stadtgebietes eine echte Alternative. Die Stadt kann Flächen auf dem riesigen Gelände der früheren Ziegelei Hüning in Vinnum anbieten. Insgesamt 85.000 Quadratmeter kann die Stadt verkaufen.

Allerdings muss die Verwaltung ein Problem einräumen: Für das Hüning-Gelände gibt es aktuell keinen Bebauungsplan. Dass hier dennoch große Hallen gebaut werden konnten, ist die Folge einer besonderen Situation. „Die Ziegeleien wurden dort errichtet, wo es Tonvorkommen gab“, sagt Bürgermeister Sendermann. „Deshalb konnten Baugenehmigungen erteilt werden.“

Noch gibt es keine konkreten Pläne für das Vinnumer Areal

Bei einer Folgenutzung gelten aber ganz andere Voraussetzungen. „Die Aufstellung eines Bebauungsplanes müsste folgen“, sagt Christopher Schmalenbeck von der Stadtverwaltung. Allerdings sei es wichtig, erst einmal Vorstellungen für eine künftige Nutzung zu haben.

„Wem könnte die Fläche nützlich sein“, so die entscheidende Frage. Die Stadt sieht sich bei dem Thema allerdings nicht unter Zeitdruck. Priorität habe bei der Vermarktung eindeutig das neue Gewerbegebiet Olfen Ost II, so der Bürgermeister. Er merkt zudem an, dass die Hallen in Vinnum „teilweise noch in Nutzung sind“.

In Olfen Ost II gibt es dieses Problem nicht. Bis Herbst ist sie Eigentümerin aller Flächen in dem Gebiet. Bis Ende des Jahres soll auch die Erschließung abgeschlossen sein. Interessierte Firmen können sich also schon mal „warmlaufen“.

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