Olfen will iPads für alle Schüler - ohne Zuzahlung der Eltern

hzNeues Medienkonzept

Um diese Entscheidung zu treffen, haben Lokalpolitiker die Corona-Pause unterbrochen: Alle Kinder und Jugendlichen, die in Olfen zur Schule gehen, werden iPads bekommen - ohne Zuzahlung.

Olfen

, 21.04.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Zuschauer sitzen hinten im Saal, einer davon trägt Mundschutz. Den 15 Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung ist dagegen auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches anzusehen - nur dass jeweils ein Tisch zwischen Ihnen frei ist. Vorne am Treppennaufgang steht ein Biertisch, auf dem eine Flasche Desinfektionsmittel neben einem Stapel Papierhandtüchern liegt: Kommunalpolitik in Zeiten von Corona.

Entscheidung für 1700 Schülerinnen und Schüler

Es handele sich um eine Art Notsitzung, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Nur wirklich dringliche Fragen gelte es zu besprechen. Und die Medienentwicklungsplanung für die Schulen der Stadt gehöre dazu. Es geht darum, jetzt die Weichen zu stellen, damit alle rund 1700 Schülerinnen und Schüler sowie 100 Lehrerinnen und Lehrer - der Schulstandort Datteln ist da nicht mitgezählt - bis 2023 eine einheitlich gute Ausstattung mit digitaler Technik erhalten: mit iPads.

Die ersten Geräte sollen bereits im nächsten Schuljahr zum Einsatz kommen, weitere in denn beiden Folgejahren. Dabei geht es nicht nur darum, Schüler und Lehrer auszustatten. Die Geräte brauchen auch pädagogisch geeignete Software, die Lehrkräfte Weiterbildungsangebote. Außerdem steht der Aufbau eines IT-Konzepts an. Wartung und Support gilt es, dauerhaft in feste Hände zu geben.

„Notebook-Schule“ hat sich einen Namen gemacht

Dabei fängt Olfen aber nicht bei Null an, wie Anna Finke, die Projektleiterin bei der Stadtverwaltung, betont. Andere Städte würden Olfen beneiden. Die Wolfhelm-Gesamtschule habe sich einen Namen gemacht als „Notebook-Schule“: alle Schülerinnen und Schüler verfügen über ein Notebook - ein Standard, hinter den die Stadt nicht zurückfallen wolle, im Gegenteil.

Das ist laut des druckfrischen Medienentwicklungskonzepts 2020/21-2025/26 auch mit Blick auf die Schulwahl der Eltern wichtig. Olfen, so steht da, sei „in einer Konkurrenzsituation zu den Schulen in den Nachbarkommunen.“

Die Ausstattung mit iPads biete viele Vorteile, so Finke - technische („weniger Wartung, größere Stabilität“) wie auch pädagogische, so Finke. Dass sich Kinder auf ihr Gerät Spiele laden, sei künftig nicht mehr machbar.

Der Appstore wird gesperrt sein

„Der Appstore ist dann gesperrt.“ Mit der Stadt als Eigentümerin der Geräte lasse sich das das konsequenter durchsetze als mit den bisherigen Leasing-Modellen, die den Eltern zwölf Euro Euro Monat kosteten. Leasing hat aus Sicht der Stadt noch einen weiteren Nachteil. Dann kann sie nicht mit Finanzspritzen von Land und Bund rechnen.

Für Grundschulkinder kostet ein iPad 267,75 Euro, für Wolfhelmschüler das für mehr Anwendungen offene iPad Air 387,85 Euro. Hinzu kommen noch Schutzhüllen und anderes Zubehör wie Stifte und Präsentationstechnik.

Der Abschreibungszeitraum beträgt bei den Geräten für die Grundschüler fünf Jahre und bei denen für die ältere sechs Jahre. Ob solche Geräte nicht schon nach drei Jahren als uralt gelten würde, will ein Ausschussmitglied wissen. „Nein“, entgegnet Sendermann. Außerdem gelte es, den Kids Verantwortung für die Geräte vermitteln.

Finke: Bei laufenden Kosten sogar Einsparungen

Betrachte man die Entwicklung der laufenden, Kosten, so Finke, komme das neue iPad-Modell sogar etwas günstiger davon als die Notebook-Lösung. Zur Anschaffung muss die Stadt allerdings erst einmal tief in die gut gefüllte Stadtkasse greifen.

Unterm Strich lässt sich die Stadt die Umsetzung des Medienkonzepts mehr als 1,4 Millionen Euro kosten. Dafür gibt es aber auch Zuschüsse vom Digitalpakt Schule.

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