Olfener beklagen starken Lärm - Geschäftsführung von Keller spricht von 34 Testtagen

hzPyro-Test im Video

„Lebensgefährlich“ ist aus Sicht von Frank-Ulrich Dyllus die Situation am ehemaligen Munitionsdepot. Die Firma Keller sieht sich hingegen zu Unrecht öffentlich diskreditiert. Was ist da los?

Olfen

, 19.12.2019, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Jahre waren Dr. Heinrich Habig und Frank-Ulrich Dyllus Nachbarn im Eckernkamp. Haben sich geholfen, haben gerne mal zusammen eine Tasse Kaffee getrunken. Alles könnte so schön sein hier in idyllischer Lage am Waldrand - wenn nur der Lärm nicht wäre.

„Wenn auf dem Gelände des früheren Munitionsdepots Qualitätsprüfungen stattfinden, hören wir das noch hier im Haus. Auch bei geschlossenem Fenster“, sagt Frank-Ulrich Dyllus. Habig und Dyllus sind mit ihrer Meinung nicht alleine.

In der Ratssitzung am Dienstag (17. Dezember) berichtete Bürgermeister Wilhelm Sendermann von Bürgern, die die Qualitätskontrollen auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände „intensiv und belastend wahrnehmen.“ Er sprach zudem von einem hochsensiblen Bereich. Das zulässige Abbrennen von Feuerwerkskörpern könne deshalb nicht „grenzenlos sein.“

Geschäftsführung von Keller: Tests sind vorgeschrieben

„Wir haben in 2019 an exakt 34 Tagen Tests zum Zwecke der Qualitätsprüfung durchgeführt und für den Testplatz auch eine Genehmigung der Bezirksregierung in Münster. In den Vorjahren war die Testhäufigkeit ähnlich“, sagt Christina Henkel aus der Geschäftsführung der Keller Pyro GmbH.

Die Testdurchläufe würden in der Regel zwischen zwei und drei Stunden pro Testtag dauern. „Ziel der Tests ist es, die Produkte auf ihre Qualität und Gebrauchstauglichkeit zu überprüfen, damit nur sichere Produkte in den Handel gelangen.“ Diese Tests seien auch gesetzlich vorgeschrieben.

Auch andere Firmen nutzen die Testanlagen in Olfen

Getestet hat dabei nach Aussage von Christina Henkel nicht nur die Keller Pyro GmbH. „Es gibt auch andere Firmen und sogar Behörden, die die Anlage mieten. Aufgrund des Wareneingangs vornehmlich in den letzten Monaten des Jahres“, sagt Christina Henkel. Testanlagen wie die in Olfen seien in Deutschland übrigens sehr selten. Eine Aussage, die auf den gesamten Komplex übertragbar ist.

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Nachdem die Bundeswehr im Hullerner Wald abgezogen war, stellte sich die Frage nach einer neuen Nutzung. Seit 2007 ist die Keller Pyro GmbH Eigentümer und Betreiber der Anlage. Ein nach Aussage von Christina Henkel unabhängiges Unternehmen von der Bochumer FKW Keller GmbH, deren Feuerwerkssparte im Jahr 2013 von der Firma Comet übernommen worden war.

Bei der Qualitätskontrolle geht es hauptsächlich um die klassische Pyro-Technik

Die Keller Pyro GmbH hatte von Anfang an zwei Geschäftsfelder: Einerseits vermietet sie an verschiedene Kunden Bunker und Hallen für die Lagerung von Feuerwerkskörpern. Ein Kunde war dabei auch die Firma Comet, die allerdings seit Anfang 2019 keine Flächen mehr gemietet hat.

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Der zweite Bereich war und ist die Qualitätskontrolle. „Hauptsächlich geht es dabei um klassische Pyro-Technik“, sagt Christina Henkel. Getestet werde aber auch die Pyro-Technik, die in Airbags oder Gurtstraffern verbaut ist.

Passionierter Reiter sieht eine Gefahr durch den Lärm

Frank-Ulrich Dyllus sieht in dem Testbetrieb hingegen eine Gefahr. „Seit 40 Jahren reite ich hier und kenne die Situation“, sagt der 77-Jährige. Für Reiter, die sich nicht so gut hier auskennen, könne es aus seiner Sicht hingegen lebensgefährlich werden. Der Olfener denkt dabei besonders an die Reitanlage Braun, die auch an der Hullerner Straße liegt.

„Nachbarn werden auf Wunsch vorab über anstehende Tests informiert“, sagt hingegen Christina Henkel. „Sie finden zudem hauptsächlich vormittags statt, wenn viele Menschen arbeiten müssen.“ In jedem Fall würden die Tests außerhalb der Ruhezeiten stattfinden.

Für Anlieger wie Frank-Ulrich Dyllus bleibt der Testbetrieb ein Ärgernis. Vor allem auch deshalb, weil seinerzeit bei den Planungen für einen Windpark auch ein Uhu gesichtet wurde. Mit der Folge, dass der Windpark am Ende nicht realisiert wurde.

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