Olfener Physiotherapie-Praxis befürchtet wirtschaftliche Katastrophe

hzCorona-Krise

Als Jens Oberschewen und Benedikt Weidig im Herbst 2019 den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben, waren die Perspektiven gut. Doch die Corona-Krise setzt der Olfener Praxis zu.

Olfen

, 31.03.2020, 10:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verunsicherung ist bei vielen Bürgern groß: Kann und soll ich weiter in die Physiotherapie-Praxis gehen? Erlaubt ist es jedenfalls. Die Bundesregierung hat am 22. März 2020 erklärt, dass physiotherapeutische Praxen zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung geöffnet bleiben.

Die Realität sieht jedoch anders aus. „Wir haben einen Patienteneinbruch von 60 bis 80 Prozent“, sagt Inhaber Jens Overschewen. In den meisten Fällen seien dabei die Patienten von sich aus aktiv geworden und hätten Termine abgesagt. Viele hätten Angst, weil sie zur Risikogruppe gehören.

Praxis hat Kurzarbeit angemeldet und Rettungsgeld beantragt

In Einzelfällen sei auch die Praxis auf Patienten zugegangen - etwa bei Menschen, die Sauerstoff benötigen. Jens Overschewen spricht angesichts der Folgen der Corona-Pandemie von einer wirtschaftlichen Katastrophe. Mit erheblichen Folgen für insgesamt fünf Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte.

Die Kurse der OIfener Praxis Rau sind zunächst einmal bis zum 19. April (Ende der Osterferien) ersatzlos gestrichen. Angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Situation hat die Praxis Kurzarbeit angemeldet. „Zudem haben wir Rettungsgeld beantragt.“ Im Gegensatz zu Ärzten bekommen Therapeuten ausgefallene Termine nicht entschädigt.

Andere Regelung bei Betrieben für Massage und Fitness-Training

Noch könne man allerdings die Praxis an der Bilholtstraße 19 aufhalten, betont der Inhaber. Wie viele andere Kolleginnen und Kollegen bundesweit freuen sich auch Jens Oberschewen und Benedikt Weidig auch deshalb über alle Patienten, die aktuell ihre Behandlung fortsetzen.

Den NRW-Verband wissen sie auf ihrer Seite: „Sollten die Praxen aus finanziellen Gründen schließen müssen, wird dies auch bei uns nicht nur jetzt in der Krise, sondern auf Dauer massive Versorgungsprobleme bringen, was am Ende allen Patienten schadet, weil es Heilungsprozesse verzögert oder unmöglich macht“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung.

Verband fordert Unterstützung von Krankenkassen

Der Verband fordert finanzielle Soforthilfen von der Gesetzlichen Krankenversicherung in Form von Ausgleichszahlungen. „Wenn wir keine Leistung erbringen können, entstehen den Krankenkassen keine Kosten. Ganz im Gegenteil: Sie profitieren finanziell von dieser Situation, denn die Kosten für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie sind im Haushaltsplan der Krankenkassen bereits eingeplant.

Es bringt sie also nicht in finanzielle Schwierigkeiten, den Heilmittelerbringern eine Soforthilfe auszuzahlen, um deren Umsatzeinbußen auszugleichen. Für die Krankenkassen ist das ein Nullsummenspiel. Den Heilmittelerbringern rettet das aber deren Existenz – und darauf kommt es im Moment mehr denn je an.“

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