In den Einsatzfahrzeugen liegt Schutzausrüstung für Einsätze unter Corona-Bedingungen bereit. Karsten Nieländer hält ein Paket Schutzbrillen in den Händen. © Julian Preuß
Feuerwehr

Olfens Freiwillige Feuerwehr improvisiert: Online statt Gerätehaus

Corona schränkt die Freiwillige Feuerwehr in Olfen ein. Praktische Übungen darf sie aktuell nicht durchführen. Doch die letzten Einsätze liefen reibungslos ab - dank Improvisationstalent.

In den Räumlichkeiten der Freiwilligen Feuerwehr in Olfen herrscht derzeit gähnende Leere. Einzig Oliver Lechel, hauptamtlicher Gerätewart der Feuerwehren Olfen und Lüdinghausen, bereitet die Ausrüstung vor. Alle Gerätschaften müssen sich funktionstüchtig an ihrem Platz befinden, wenn es zum nächsten Einsatz geht. Zu mehr als 100 kleineren und größeren Einsätze fuhren die ehrenamtlichen Feuerwehrleute im vergangenen Jahr aus – und das unter der Belastung der Corona-Pandemie, die einen normalen Feuerwehralltag unmöglich macht.

Lechel: „Wir möchten ein Vorbild für die Bevölkerung sein“

„Wir möchten ein Vorbild für die Bevölkerung sein. Deshalb halten wir alle Vorgaben auch ein“, sagt Lechel. Das bedeutet ebenfalls, dass ein Großteil der Arbeit nun an ihm und einigen wenigen Personen haften bleibt und nicht mehr auf vielen Schultern verteilt werden kann. Um die Gefahr einer Corona-Infektion so gering wie möglich zu halten, arbeiten nur noch Personen aus einem Haushalt im Gerätehaus zusammen.

Alles am richtigen Platz: Das Einsatzfahrzeug ist mit mehr als 1000 Teilen bestückt. Karsten Nieländer und der hauptamtliche Gerätewart Oliver Lechel (von links) überprüfen den Zustand des Materials.
Alles am richtigen Platz: Das Einsatzfahrzeug ist mit mehr als 1000 Teilen bestückt. Karsten Nieländer und der hauptamtliche Gerätewart Oliver Lechel (von links) überprüfen den Zustand des Materials. © Julian Preuß © Julian Preuß

„Man sieht die Kameraden nur noch bei den Einsätzen“, sagt Karsten Nieländer, der sich seit seinem 14. Lebensjahr bei der Olfener Feuerwehr engagiert. Das Kameradschaftliche fällt der Pandemiesituation zum Opfer. Das Feuerwehrfest, Ehrungen und Jubilarfeiern mussten verschoben werden. „Das kann man nachholen und zu einem späteren Zeitpunkt feiern“, findet Nieländer.

Kritischer beurteilen die beiden Feuerwehrleute, dass sie mit ihren Kameradinnen und Kameraden derzeit keine praktischen Übungen durchführen dürfen. Denn für die Freiwilligen Feuerwehren gelten die gleichen Regeln wie im Familienleben: Treffen mit mehreren Personen aus verschiedenen Haushalten sind untersagt.

„Bis Ende Oktober haben wir die Übungen in Kleingruppen von maximal zehn Personen durchgeführt“, erinnert sich Nieländer. Vorausgesetzt war das negative Ergebnis eines Schnelltestes. Bei der Gruppenzusammenstellung achteten die Verantwortlichen darauf, so wenig verschiedene Haushalte wie möglich miteinander zu vermischen.

Feuerwehr Olfen steigt auf digitales Lernen um

Nun heißt es: Theorie pauken per Videokonferenz, anstatt anfassen und ausprobieren im Gerätehaus. „Einmal pro Woche wird ein Vortrag vorbereitet, der dann einen Themenschwerpunkt theoretisch behandelt“, erklärt Nieländer. So erläutert Lechel beispielsweise den Umgang mit Schläuchen, Verteilern oder anderen Gerätschaften. Praxiserfahrungen können die Kameradinnen und Kameraden nur im Ernstfall bei Einsätzen sammeln.

„Umso wichtiger sind für uns daher die Nachbesprechungen der Einsätze“, sagt Nieländer. Auch dabei tauschen die Feuerwehrleute das Gerätehaus gegen den digitalen Besprechungsraum. So könne man durchgehen, was die Einsatzkräfte gut gemacht haben und was sie verbessern können. „Außerdem erklären wir, warum wir in bestimmten Situationen nicht anders vorgegangen sind. Das sorgt ebenfalls für einen hohen Lerneffekt bei den Feuerwehrleuten“, ergänzt Lechel.

Bislang seien trotz der fehlenden praktischen Übungen alle Einsätze reibungslos abgelaufen – „nahezu lehrbuchmäßig“, meint Nieländer. Lechel führt das auf eine gute Ausbildung vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie zurück. „Das zeigt, dass die Kameraden viele Inhalte mitgenommen und gleichzeitig behalten haben“, sagt er. Leistungsabfälle während der Einsätze gab es somit bislang nicht.

Und obwohl auf die 90 aktiven Kräfte der Löschzüge Olfen und Vinnum im Ernstfall Schwerstarbeit zukommt, gelten während der Einsätze die höchstmöglichen Infektionsschutzstandards. „Wir tragen innerhalb der Wache und auf dem Hof nur noch FFP2-Masken. Gleiches gilt, wenn wir uns in unseren acht Fahrzeugen befinden“, erläutert Lechel.

FFP2-Masken begleiten die Feuerwehrleute auch im Einsatz

Die Feuerwehrleute tragen somit auch im Einsatz und unter körperlicher Anstrengung eine Maske, um sich und andere Personen vor einer Corona-Infektion zu schützen. Beklagt habe sich darüber noch niemand. „Bei sommerlichen Temperaturen kann es natürlich passieren, dass die Masken schnell durchschwitzen. Es wird herausfordernd, damit umzugehen“, sagt Lechel.

Für jeden Insassen liegen zudem eine FFP3-Maske, eine Schutzbrille, ein paar Einmalhandschuhe und ein Schutzanzug in den Fahrzeugen bereit. „So stellen wir sicher, dass wir auch dann helfen können, wenn eine Corona-Infektion vorliegt“, meint Lechel.

Die Aufrüstung der Schutzmechanismen geht auf die vielen Corona-Fälle im St.-Vitus-Stift Olfen zurück. Ende 2020 und Anfang 2021 kämpfte die Senioreneinrichtung mit zahlreichen Infektionen und wurde für die Außenwelt geschlossen. „Schließlich gehört es zu unseren Aufgaben, dort im Ernstfall trotz der Ansteckungsgefahr hinzufahren und den Menschen vor Ort zu helfen“, sagt Lechel.

Es gebe einige Mitglieder die aus privaten und beruflichen Gründen schon eine Corona-Schutzimpfung erhalten hätten. Als Unterstützende Einheit des Rettungsdienstes bekamen kürzlich etwa 25 Angehörige der „First-Responder“-Gruppe die Impfung. Damit erhielt etwa die Hälfte der aktiven Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr in Olfen mindestens die Erstimpfung.

Der Rest wartet noch auf einen Piks. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren befinden sich in der Impfreihenfolge erst in Gruppe drei der Personen mit „erhöhter Priorität“. Lechel hofft, dass die Masseninfektion bei der Freiwilligen Feuerwehr auf der Insel Borkum den Prozess beschleunigt.

Die Einsatzkräfte versuchen auch innerhalb der Löschfahrzeuge Abstand einzuhalten. „Die Kameradinnen und Kameraden lassen jeweils einen Sitz zwischen sich frei. Es fahren dann nur sechs anstatt neun Personen mit, sofern kein Menschenleben in Gefahr ist“, führt Nieländer aus.

Im Gerätehaus des Löschzuges Olfen warten acht Feuerwehrfahrzeuge auf die nächste Einsatzfahrt.
Im Gerätehaus des Löschzuges Olfen warten acht Feuerwehrfahrzeuge auf die nächste Einsatzfahrt.

Einen Vorteil hätten die Folgen der Pandemie allerdings. Der Freiwilligen Feuerwehr stünden mehr Freiwillige zur Verfügung. „Viele befinden sich im Homeoffice und die Jüngeren studieren oft zu Hause“, beschreibt Nieländer, der als Hausmeister arbeitet. Dementsprechend einfacher sei es, den Arbeitsplatz für einen Notfall zu verlassen. Gleichzeitig seien die Wege zur Wache kürzer.

Lechel – neben seiner Tätigkeit als hauptamtlicher Gerätewart ebenfalls stellvertretender Jugendfeuerwehrwart – freut sich darüber, dass die Nachwuchskräfte sich weiterhin engagieren möchten. 16 Mitglieder zählt die Jugendfeuerwehr in Olfen. Damit sei die Kapazitätsgrenze fast erreicht.

Das Versprechen: „Es fährt immer ein Fahrzeug zur Einsatzstelle“

Lechel und Nieländer hoffen, den Jüngsten bald wieder mehr Möglichkeiten für ein Engagement zu bieten. „Sobald wir wieder dürfen, nimmt auch die Jugendfeuerwehr ihren Betrieb auf“, verspricht Nieländer. Bis dahin gilt es, zumindest die Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten.

Die Hygienevorkehrungen sollen verhindern, dass große Teile der beiden Löschzüge durch eine Corona-Infektion außer Gefecht gesetzt werden. „Sollte trotzdem eine kleine Gruppe von uns ausfallen, könnten wir das kompensieren“, sagt Nieländer und ergänzt: „Es fährt immer ein Fahrzeug zur Einsatzstelle, um den Menschen in Olfen zu helfen.“

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