Pfarrer für Olfen: Ulrich Franke (61) startet in Olfen noch einmal durch

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Ulrich Franke ist 61 Jahr alt und startet noch einmal durch - als neuer Pfarrer von Olfen. Am Sonntag, 15.12., wird er in das Amt eingeführt, das er sich gewünscht hat.

Olfen

, 13.12.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Jackenkragen ist hochgeschlagen, die Strickmütze tief ins Gesicht gezogen: Wer Ulrich Franke nur auf Fotos gesehen hat, wird in dem Mann, der mit langen Schritten über den Kirchplatz durch den Regen eilt, nicht auf Anhieb den neuen Pfarrer der Olfener Kirchengemeinde erkennen.

Wer mit ihm ins Gespräch kommt - und das ist leicht, sogar an einem grauen nassen Dezembertag -, ahnt aber sofort: Das ist jemand, der sich für sein Gegenüber interessiert: egal, ob es einer der Gottesdienstbesucher ist oder jemand, der schon seit Kindertagen keinen Schritt mehr in eine Kirche gesetzt hat.

Pfarrer will über den Tellerrand hinaus blicken

Franke setzt sich in eine der Bänke in der leeren Kirche St. Vitus: nicht ganz nach vorne, sondern irgendwo ins Mittelschiff. Am Sonntag während des Gottesdienstes zu seiner Amtseinführung (15.12, 10.30 Uhr), wird es hier überall voll sein. Voller als sonst an einem dritten Advent. Aber genau das will der gebürtige Münsteraner vermeiden: „Dass wir immer darauf schauen, was sich heute angeblich zum Negativen verändert hat.“ Wer das tue, übersehe Entscheidendes.

Dass es „viele Aufbrüche gibt“, „viele gute Initiativen“. Die wolle er in den Blick nehmen. Dafür sei es nötig, auch über den Tellerrand hinaus zu schauen. „Ich möchte auch ins Gespräch kommen mit Menschen, die sich von der Kirche abgewendet haben oder nie etwas mit ihr zu tun hatten“. Gerne auch mit solchen, die einen anderen Glauben haben. Brücken zu schlagen, das ist dem Mann, der die vergangenen 25 Jahre in Dorsten gelebt und gearbeitet hat, wichtig.

Die Gemeindefusion war Kräfte zehrend

In Dorsten hatte Franke die Gemeindefusion erlebt: aus vier katholischen Gemeinden wurde vor zehn Jahren eine große Gemeinde mit ihm an der Spitze. Eine Kräfte zehrende Erfahrung, wie er rückblickend sagt. Plötzlich habe er sich in der Rolle eines Managers erlebt, „dabei möchte ich vor allem Hirte sein: Pastor“ - für ihn der Anlass, beim Bistum um eine Versetzung gebeten zu haben in eine etwas kleinere Gemeinde. Das Angebot kam schnell: Olfen.

Dort sind es auch Managementaufgaben, die er erfüllen muss als Chef von rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Im Mittelpunkt steht für ihn aber etwas anderes. Der Pfarrer sei nach seiner Auffassung, „derjenige, der Glauben verkündet, der das möglichst auch einigermaßen vorleben soll, und der mit anderen eine Gemeinde gestaltet und mit Leben erfüllt“. Die Basis dafür, sagt er, sei ein „tiefes Vertrauensverhältnis“.

Umzugskisten stehen noch im Pfarrhaus

Ulrich Franke steht auf: zurück durch den Regen ins benachbarte Pfarrhaus aus dem späten 19. Jahrhundert. So schön, sagt er, als er die Tür zu dem zweigeschossigen Backsteinbau aufschließt, habe er noch nie gewohnt. Über die knarrenden Dielen geht es die Holztreppe hoch ins Obergeschoss: seinen Wohnbereich. „Umzugskisten“, gesteht er und lacht, „kann ich nicht mehr sehen“.

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Vor einem Sessel lehnt seine Gitarre, die Musikanlage ist schon installiert - „am liebsten höre ich Klassik, vor allem Bach, und Jazz, im Radio ist aber auch 1live einprogrammiert“ - und im Nebenraum werden gerade Bücherregale aufgebaut für seine Bibliothek: viele hundert Bände. Franke, der Sohn eines Malermeisters, ist gerade angekommen in seinem neuen Zuhause. Die katholische Kirche hat sich etwa zeitgleich erst auf den Weg gemacht.

Skeptischer Blick auf den synodalen Weg

„Ach“, sagt Franke, „der synodale Weg“. Am ersten Advent begann der auf zwei Jahre festgelegte Prozess, in dem Laienvertreter und Bischöfe miteinander ins Gespräch kommen sollen. Ziel ist es, die seit den zahlreichen Missbrauchsskandalen anhaltende Vertrauenskrise in der katholischen Kirche zu beheben. Reformkräfte befürchten, dass kaum etwas erreicht werden wird, konservative Kreise, dass viel zu viel passieren könne.

Franke ist skeptisch. Seine Meinung sei „eigentlich unmaßgeblich. Ich bin nur ein Feld-, Wald- und Wiesen-Pfarrer und kein Sprachrohr für offizielle Kirchenmeinung“. Aber er wünscht sich echte Aufbruchsstimmung, so wie damals beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Wichtig sei es, „wieder einen Weg zur Lebenswelt der Menschen zu finden“. Dazu gehöre es auch, die Rolle der Frau in den Blick zu nehmen.

Diese Rolle sollten Frauen in der Kirche spielen

Frauen seien die Hauptgestalterinnen des gemeindlichen Lebens. Sie spielten eine zentrale Rolle bei der Glaubensweitergabe. Für Franke steht fest: „Frauen muss es möglich sein, eine amtliche Aufgabe in der Kirche zu bekommen.“ Das sei aber nur seine persönliche Meinung, „andere sehen das anders“.

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Mit ihnen und allen anderen will er ins Gespräch kommen. Der Anfang ist gemacht während der ersten Spaziergänge durch die Stadt: „Ich war beim ökumenischen Mittagstisch, in der Schule und im Kindergarten.“ Den Nikolausabend hat er mit dem Kirchenchor verbracht. Und im Rathaus war er auch schon. Und alle weiteren haben Gelegenheit, ihn am Sonntag kennenzulernen während der Festmesse.

Hat er seine Predigt schon geschrieben? Franke lächelt. „Ein paar Stichworte habe ich mir gemacht.“ Aber ob er sich daran hält, wenn er mit dem Funkmikro zu den Gottessdienstbesuchern spricht, ist noch offen. Es werde um Ressourcen gehen, verrät er, die in den Menschen schlummern, „manchmal, ohne dass sie es selbst merken“.

Der Gottesdienst zur Amtseinführng beginnt am Sonntag, 15. Dezember, um 10.30 Uhr in der Kirche St. Vitus.
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