Kamil Puzio hat mit seinem neuen Konzept die Ratsschänke in Olfen modernisiert. Aus der ehemaligen Kneipe hat er eine Mischung aus Restaurant, Kneipe und Bar gemacht. © Julian Preuß
Gastronomie

Ratsschänke Olfen mit neuem Konzept: Inhaber erklärt den Burger-Trend

Der Olfener Kamil Puzio (36) hat sich mit der Ratsschänke in Olfen selbstständig gemacht. Bekannt geworden ist er durch seine vielfältigen Burger-Kreationen. Mit dabei ist viel Verrücktes.

Am frühen Mittwochnachmittag herrscht in der Ratsschänke gegenüber dem Olfener Rathauses noch gähnende Leere. Erst ab 17 Uhr schließt Kamil Puzio die Türen für seine Gäste auf. Auch in der Küche startet dann der Hochbetrieb. Auf der Speisekarte stehen Klassiker wie Schnitzel, Currywurst oder Flammkuchen. Am beliebtesten sind allerdings die Burger, sagt Puzio. 70 Prozent seiner Gäste würden eine von etwa 12 Burger-Kreationen wählen.

Als der Vertrag seines Vorgängers ausgelaufen war und dieser ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht verlängert hatte, fragte die Stadt Olfen den gelernten Hotelfachmann, ob er die Ratsschänke nicht übernehmen wolle. „Dabei wollte ich mich eigentlich mit einem Food-Truck selbstständig machen“, sagt Puzio. Im Januar 2020 war es dann soweit: Die Übernahme der Ratsschänke war perfekt. Damals war das Coronavirus noch ganz weit weg.

Ratsschänke musste Eröffnung wegen Corona verschieben

Die eigentliche Eröffnung im April letzten Jahres musste wegen der sich rasch ausbreitenden Pandemie allerdings verschoben werden. Erst Mitte Mai 2020 öffnete Puzio zum ersten Mal die Türen der neuen Ratsschänke. Mit einem modernen Konzept brachte der 36-Jährige neues Leben in die Räumlichkeiten.

Von außen betrachtet besitzt die Ratsschänke in Olfen noch immer den Charme einer Eckkneipe.
Von außen betrachtet besitzt die Ratsschänke in Olfen noch immer den Charme einer Eckkneipe. © Julian Preuß © Julian Preuß

„Ich wollte weg von dem reinen Kneipenbetrieb“, sagt Puzio mit Blick auf das weitreichende Angebot. Neben den Gerichten auf der Speisekarte bietet er zudem Cocktails, verschiedene Biersorten und andere Getränke an. Bei großen Teilen der Stammkundschaft aus der alten Kneipe kam das Konzept jedoch nicht gut an. „Es kamen zunächst viele Ältere, die dann aber schnell fern blieben“, berichtet Puzio.

Doch bevor überhaupt Menschen in die Gastronomie hinein durften, verlangte der Corona-bedingte Lockdown viel Einfallsreichtum. Restaurants, Bars und Kneipen mussten lange schließen, damit sich das Coronavirus langsamer ausbreitet. Nur das Abholen von Speisen und Getränken war zu dieser Zeit erlaubt. Und so machte Puzio aus seiner Liebe zum Kochen eine Tugend: „Ich hatte während des Lockdowns viel Zeit. Und so habe ich viele unterschiedliche Burger to go kreiert.“

Steakhouse-Burger besteht aus teurem Roastbeef

Beinahe wöchentlich hat er neue Variationen angeboten. Als besonders verrückt bezeichnet Puzio beispielsweise den Steakhouse-Burger mit Roastbeef. „Zusammen mit Pommes hat er rund 25 Euro gekostet. Das ist natürlich eine Hausnummer“, erklärt der Hotelfachmann. Einige der Kreationen hat er für seine Gastronomie sogar fotografiert und großformatig auf Leinwände drucken lassen.

Ideen für neue Burger entwickelt Puzio oft zufällig. „Manchmal nehme ich einfach Reste aus dem Kühlschrank und schaue, was ich daraus machen kann. Oder ich nehme Anregungen von Kundinnen und Kunden auf“, erklärt er. Dabei folgt er oftmals einem Prinzip, was ihm beim Kochen seit Kindestagen begleitet: dem Ausprobieren.

„Meine Mama war arbeiten und hat das Essen vorbereitet. Das hat mir nicht geschmeckt und dann habe ich angefangen selber zu kochen“, erzählt Puzio von einem stetigen Lernprozess. So habe er beispielsweise erst herausfinden müssen, dass man Kartoffeln erst kochen sollte, bevor man sie zu Bratkartoffeln verarbeitet.

Inhaber besitzt kein Kochbuch

Kochen nach Vorlage – das gibt es bei Puzio immer noch nicht. Ein Kochbuch mit Rezepten besitzt er nicht. Schafft es ein neuer Burger auf die Speisekarte, dann ist das eine gemeinsame Entscheidung von Puzio und seinem mehrköpfigen Team aus Koch und Bedienungspersonal. Rund um die 125 Gramm schweren Burger-Pattys werden die Gäste in der Ratsschänke allerdings eine Zutat nicht vorfinden. Sesambrötchen sind für den den Inhaber ein No-Go. „Die erinnern mich immer an McDonalds“, sagt er.

Eine Besonderheit in der Olfener Ratsschänke: In der Mitte der drehbaren Bank ist eine Zapfanlage installiert, so dass sich eine Gruppe aus Gästen ihr eigenes Bier zapfen kann. © Julian Preuß © Julian Preuß

Der Olfener legt viel Wert auf Handgemachtes. Er kauft zwar Fleisch und mittlerweile auch Brötchen ein, aber beispielsweise Saucen und Brote kommen aus eigener Herstellung. „ Hier gibt es kaum etwas von der Stange. Meine Schwiegermutter backt Brote selbst. Letztens hat sie Rote Bete zum Einfärben genutzt“, fügt Puzio an, der seine Ausbildung im Schloss Restaurant Nordkirchen absolviert hat.

Nach seiner Ausbildung in Nordkirchen stieg Puzio im Schloss zum Restaurantleiter auf, arbeitete im Anschluss in der Hotelbranche und beim Cateringunternehmen Stolzenhoff. Eben um Eindrücke aus den verschiedenen Bereichen der Gastronomie zu sammeln, wie er sagt.

Bier-Tasting in der Ratsschänke steht an

Vielseitig, so sollen ebenfalls die Standbeine des Familienvaters in der Selbstständigkeit sein. Denn anders könne man derzeit als Gastronom nicht überleben, meint der Olfener mit Blick auf die Corona-Pandemie und ihre Folgen. So konzentriert sich Puzio nicht nur auf den Restaurant- und Barbetrieb der Ratsschänke. Dort hat er beispielsweise schon ein Whisky-Tasting ausgerichtet. Ein Bier-Tasting inklusive eines Vier-Gänge-Menüs folgt am 27. Oktober.

Wer zum Burger-Essen nicht in die Ratsschänke kommen möchte, kann sich die Ratsschänke auch in den eigenen Garten holen. Dann feuert Puzio eine Grillschale an, auf der er die Pattys grillt und die Burger direkt zusammensetzt. Denn die Nachfrage an Burgern sei ungebrochen. Auch deshalb hat sich das neue Konzept der Ratsschänke als erfolgreich herausgestellt.

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