Renaturierung der Lippe in Olfen beginnt 2018

Fragen und Antworten

In diesen Tagen beginnt der nächste Abschnitt des naturnahen Umbaus der Lippe auf Dattelner Seite. Was die Dattelner Nachbarn jetzt bereits erleben werden, erwartet die Olfener 2018. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem 15-Millionen-Euro-Projekt zusammengestellt.

OLFEN/DATTELN

, 13.03.2017, 10:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf einem nur 500 Meter langen Lippeabschnitt zwischen Gut Eversum und Haus Vogelsang hat der Lippeverband bereits 2016 den Fluss renaturiert – und auch eine neue Insel angelegt.

Auf einem nur 500 Meter langen Lippeabschnitt zwischen Gut Eversum und Haus Vogelsang hat der Lippeverband bereits 2016 den Fluss renaturiert – und auch eine neue Insel angelegt.

Warum überhaupt wird an der Lippe gebaggert und gebaut?

Das Projekt heißt „Lippe – Fluss- und Auenentwicklung Haus Vogelsang“. Der Lippeverband will den Fluss in den nächsten zwei Jahren mitsamt seiner Auen naturnah umgestalten. Das Plangebiet umfasst sechs Kilometer: mit den Wiesen links und rechts eine Fläche von 30 Hektar, wie Michael Steinbach, Sprecher des Lippeverbandes sagt.

Ist die Lippe denn dort in einem so schlechten Zustand?

Nein, verglichen mit anderen Abschnitten des von der Quelle (Bad Lippspringe) bis zur Mündung in den Rhein bei Wesel 220 Kilometer langen Flusses gilt die Lippe bei Olfen sogar als gut. „Sie ist dort nah an ihrem natürlichen Lauf“, sagt Steinbach mit Verweis auf die Schlingen. Dennoch: Es gibt auch Probleme. Durch Begradigung und Deichbau andernorts habe der Fluss eine unnatürlich hohe Fließgeschwindigkeit bekommen. Die Folge: Die Lippe, die ursprünglich ein gemütlich dahin fließender, breiter Flachlandfluss war, grub sich tief in den Boden. Der Experte spricht von Tiefenerosion. „Das führt zu einer Verarmung in der Wasserlebenswelt“, so Steinbach.

Wie will der Lippeverband den Fluss zurück zur Natur bringen?

Er will rechts und links des eigentlichen Flusses Boden abtragen. Das Ziel: Die zurzeit tief dahinschießende Lippe soll sich zu beiden Seiten breit ausdehnen können. „Wir wollen auch einige Altarme wieder anschließen“, so Steinbach. Sand- und Kiesdünen, die gar nicht mehr zu finden sind, werden neu geschaffen. Dadurch solle wieder ein Lippestrand entstehen – hoffentlich bald wieder Brutplatz von Flussregenpfeifern und anderen bedrohten Tieren. „Wir setzen durch die Bodenmodellierung den Rahmen, den Feinschliff macht die Natur selbst.“

Kann man sich schon irgendwo anschauen, wie es einmal aussehen soll?

Ja, zwischen Gut Eversum und Haus Vogelsang. Auf einer Länge von gerade einmal 500 Metern hat der Lippeverband dort bereits 2016 ein Teilstück renaturiert. Der Fluss ist teilweise bis zu 65 Meter breit, und eine neue Insel lädt Vögel zum Brüten ein.

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Werden auch noch andere Bereiche der Lippe renaturiert?

Auf jeden Fall. Der Lippeverband selbst ist für einen 123 Kilometer langen Abschnitt des Flusses zuständig. Bislang sind nur zwei Kilometer im Mündungsbereich fertig. Das Mammutprojekt wird den Verband noch mindestens zehn Jahre lang beschäftigen: insgesamt 430 Einzelmaßnahmen mit einem Gesamtinvestitionsaufwand von 120 Millionen Euro. Im Jahr 2027 muss die europäische Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt sein. Sie fordert einen guten ökologischen Zustands der Flüsse in der EU.

Zurück nach Datteln und Olfen: Wie viel Erdreich wird dort bewegt werden?

530.000 Kubikmeter Sand, Lehm und Mutterboden. Einen Teil schichten die Bauarbeiter nur um. Steinbach schlüsselt die Zahl auf: „323.000 Kubikmeter werden abgefahren: auf Dattelner Seite 174.000 Kubikmeter, auf Olfener Seite 149.000.“

Welche Transportstrecken nehmen die Baufahrzeuge 2018 in Olfen?

Das war bereits im September Thema im Olfener Ausschuss. Die LKW werden von der Baustelle an der Lippe über die Straßen Zum Krähenbusch und Hohe Lüchte zur Eversumer Straße fahren. Im Bereich des Schnittpunkts der Kreisstraße 9n und der Eversumer Straße werden sie auf die Eversumer Straße in Richtung Ahsen abbiegen. Zehn Ausweichbuchten werden dafür angelegt werden, um Begegnungsverkehr mit anderen Autos möglich zu machen. Die Kosten dafür und für mögliche Fahrbahnschäden übernimmt der Lippeverband.

Wie erfolgt der Transport auf Dattelner Seite?

Über die Hullerner Straße in Richtung Haltern. Vor Flaesheim wird der Boden an der ehemaligen Verladestelle der Quarzwerke am Wesel-Dattel-Kanal aufs Schiff umgeladen.

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