Sie sind klein, haben Streifen – und einen großen Beschützer: Die Emu-Küken im Gut Eversum

hzEmu-Küken

Noch nicht mal eine Woche alt sind die Emu-Küken, die jetzt im Tier- und Freizeitpark Gut Eversum aus dem Ei geschlüpft sind. Kleine Ausflüge wagen sie aber schon.

Olfen

, 27.05.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beim Küken-Foto-Termin im Gut Eversum macht Tierparkleiter Philipp Radtke schon zu Beginn klar, wer hier das Sagen hat: „Also wenn der Vater auf denen draufsitzt, kriegen wir die nicht zu sehen.“

Und am Gehege angekommen, zeigt sich: Der 28-Jährige hat Recht. Denn der Emu-Vati, der in einer Ecke auf dem Boden hockt, macht sich auffällig schwer und plustert sich auf, als wir in seine Nähe kommen. Küken? Nicht zu sehen.

Emu-Küken sehen aus wie Frischlinge

Doch dann streckt sich auf einmal ein winziger Kopf aus Papas Bauchfedern. Kurz darauf taucht hinter dem Rücken des gigantischen Beschützers ein zweiter Kükenkopf auf. Vati ist nicht amüsiert, als die zwei kleinen, gestreiften Federlinge ihm entwischen. Aber er kann nicht weg – schließlich muss er ja noch die beiden anderen Küken beschützen.

Sie sind klein, haben Streifen – und einen großen Beschützer: Die Emu-Küken im Gut Eversum

Emu-Küken sehen ein wenig aus wie Frischlinge. © Martina Niehaus

Sind die süß! Die Emu-Küken sehen ein wenig aus wie Frischlinge, mit gestreiftem Fell – äh, Federn. „Das dient der Tarnung“, erklärt Philipp Radtke. Und sie sind auch fast so groß wie Babyschweine. Frisch geschlüpfte Junge erreichen nämlich eine Körperhöhe von bis zu 25 Zentimetern. Die flotten Flitzer machen sich vom Acker und spazieren am Gehege entlang.

Emu-Mutti zeigt kein gesteigertes Interesse an ihrem Nachwuchs

Unterwegs treffen sie ihre Mutter – die hat allerdings kein gesteigertes Interesse an ihrem Nachwuchs. Radtke erklärt, warum: „In der freien Natur sind bei den Emus die Männchen für den Nachwuchs zuständig. Die Weibchen legen nur die Eier, die Männchen brüten sie aus und kümmern sich um die Küken. In der Zeit paart sich das Weibchen dann auch gerne mit einem anderen Männchen.“

Klingt nach einer sehr modernen Beziehung. Die Gelegenheit zum „Fremdgehen“ hat das Emu-Weibchen im Gut Eversum allerdings nicht – hier gibt es nur den einen Mann. Und die Kinder eben. Aber um die kümmert sich die Gute ja leider nicht.

„Wir sind ganz froh, dass sie sie nicht beachtet“, erklärt Philipp Radtke dazu. „Es ist schon vorgekommen, dass Emu-Weibchen in Tierparks dem Nachwuchs gegenüber aggressiv wurden. Richtige Rabenmütter.“ Doch aggressiv sieht das Weibchen eigentlich nicht aus. Eher gelangweilt.

Strafende Blicke vom Emu-Vater

Inzwischen haben die Küken zwei Meter am Zaun zurückgelegt. Zeit für eine kleine Pause, denkt sich das eine. Das andere ist aktiver; es möchte spielen. Doch der Bruder (oder die Schwester, wer weiß das schon?) will partout nicht aufstehen. Ärgerlich. Nach mehreren Versuchen gibt das Küken auf und beide kehren zum Papa zurück.

Der scheint froh zu sein, dass die beiden Ausreißer wieder da sind. Und wirft mir vorsichtshalber strafende Blicke zu. Nicht, dass ich Lust hätte, zu nahe heranzugehen. Vatis Schnabel sieht hart und spitz aus. Und auch Philipp Radtke bestätigt, dass seine Emus schon mal zwicken können. „Früher liefen sie frei zwischen den Besuchern herum, aber dann wurden sie manchmal zickig und wollten picken“, erzählt er. Deshalb trennt ein Holzzaun Familie Emu vom Rest der Tierwelt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Emus auf Gut Eversum

27.05.2019
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Versteckspiel mit Papa: Zwei Emuküken versuchen, dem gestrengen Vater zu entkommen. Die anderen beiden bleiben unter ihm versteckt© Martina Niehaus
Puh, geschafft! Papa hat eine Sekunde nicht aufgepasst!© Martina Niehaus
Wie frisch vom Friseur: Emu-Mutti ist vor allem schön. Kinderhüten ist Männersache.© Martina Niehaus
Kenne ich euch? Die Emu-Mutter interessiert sich nicht sonderlich für ihren Nachwuchs.© Martina Niehaus
Drei Schritte gelaufen - schon braucht der kleine Bruder eine Pause.© Martina Niehaus
Steh auf, ich will spielen!© Martina Niehaus
Oder muss ich dir Beine machen?© Martina Niehaus
Ich kann dir auch auf den Kopf spucken...© Martina Niehaus
Jetzt reicht`s mir aber...© Martina Niehaus
Dann geh ich halt zurück zu Papa.© Martina Niehaus
Ich...bin...euer...VATER!© Martina Niehaus
Irgendwann werden die Emu-Küken genauso hübsch wie ihre Mutter.© Martina Niehaus
Philipp Radtke vom Tierpark Gut Eversum zeigt ein Körbchen mit ausgeblasenen Emu-Eiern. Denn der erste Brutversuch hatte leider nicht geklappt.© Martina Niehaus

Die direkten Nachbarn der australischen Laufvögel sind übrigens die fünf Totenkopfäffchen. Eines von ihnen kommt immer mal wieder neugierig näher, wird aber vom bösen Blick des Emu-Papas in Schach gehalten. „Ich glaube, dass Totenkopfäffchen in freier Wildbahn auch junge Vögel fressen“, sagt Radtke und lacht. „Aber diese hier sind ihnen eine Nummer zu groß.“

Emu-Eier aus dem ersten Gelege können gekauft werden.

Tierpark-Besucher können noch etwa drei Monate das gestreifte Kükenkleid bewundern – danach ändert sich die Farbe nämlich. Wer die Küken sehen möchte, sollte nur ihrem Vater nicht zu nahe kommen.

Sie sind klein, haben Streifen – und einen großen Beschützer: Die Emu-Küken im Gut Eversum

Philipp Radtke vom Tierpark Gut Eversum zeigt ein Körbchen mit ausgeblasenen Emu-Eiern. Denn der erste Brutversuch hatte leider nicht geklappt. © Martina Niehaus

Und wer sich beeilt, kann im Shop des Tierparks Eversum noch eines von fünf ausgeblasenen Emu-Eiern ergattern. Die Eier sind groß und schwarz-grün; sie erinnern ein wenig an eine Avocado. Philipp Radtke: „Die Tiere hatten schon einmal Eier gelegt, da war es aber noch zu kalt. Deshalb haben wir die Eier ausgeblasen. Man kann sie kaufen.“ Fünf Euro kostet ein Emu-Ei.

Gut Eversum

Eintritt und Kinderflohmarkt

  • Der Tier- und Freizeitpark Gut Eversum an der Eversumer Str. 77 ist von montags bis samstags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.
  • Am 2. Juni gibt es dort einen Kinderflohmarkt. Wer Kleidung oder Spielsachen verkaufen möchte, darf das kostenlos tun; es gibt keine Standgebühren. An diesem Tag haben die Kinder freien Eintritt; nur die Erwachsenen müssen zahlen.
  • Der Eintritt beträgt für Erwachsene 8 Euro. Kinder (bis einschl. 15 Jahre) zahlen 6 Euro. Kinder unter 90 Zentimetern dürfen umsonst in den Park. Für Hunde zahlt man einen Euro.
  • Hunde müssen im Park unbedingt angeleint werden – allein in ihrem eigenen Interesse, sollten sie Emu-Vati begegnen.
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