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Stolperschuhe und Menschenrechte: Kai Tölle (37) will von Olfen aus die Welt verbessern

hzAktionsbündnis

Kai Tölle will mit seinem Aktionsbündnis Stolperschuhe feste Wurzeln in Olfen schlagen und etwas in der Welt bewirken. Eine politische Partei vertritt er nicht – nur eins ist ihm wichtig.

Olfen

, 09.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Eine ruhige Straße in Olfen. Friedlich, möchte man sagen. Ein unscheinbares Haus. Genauso unscheinbar der Bewohner der ersten Etage. Ein ganz normaler Typ in einer ganz normalen Wohnung. Garderobe, Küchentisch, Katzenbaum. Auf den ersten Eindruck deutet wenig darauf hin, dass sich hier jemand für den Frieden und Menschenrechte einsetzt. Kein Hippie mit Rastazöpfen – um Klischees zu bedienen. Keine Friedenssymbole, die den Blick auf die Wände versperren. Nur ein Adventskalender hängt da im Wohnzimmer noch über der Tapete.

Kai Tölle, Gründer des Aktionsbündnisses Stolperschuhe, lebt hier mit seiner 14-jährigen Tochter. Der alleinerziehende Vater organisierte zu Ostern im vergangenen Jahr bereits die Stolperschuhe-Aktion auf dem Olfener Marktplatz. Dort stellte er alte Militärstiefel auf, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen. „Stolperschuhe“ ist seit Oktober vergangenen Jahres eine eingetragene Marke. Als nächstes steht die Vereinsgründung auf dem Plan. Das mache es einfacher, Spenden zu sammeln. Am 5. Januar fand das erste offizielle Treffen des Aktionsbündnisses statt, an dem unter anderem auch Bürgermeister Wilhelm Sendermann teilnahm.

„Olfen ist weit vorne“

Ausgerechnet von Olfen aus möchte Kai Tölle etwas in der Welt bewegen. Vom kleinen Olfen aus kann man doch ohnehin nichts erreichen. Oder? „Das ist so nicht ganz richtig“, widerspricht Tölle. „Ich denke, Olfen ist keine arme Stadt. Außerdem ist Olfen, glaube ich, vom sozialen und solidarischen Gedanken her, schon sehr weit vorne.“ Die Reaktionen fallen hauptsächlich positiv aus, sagt der 37-Jährige. Abwertende Bezeichnungen als „Gutmensch“ oder „Linksgrün-Versiffter“ hätte er schon lange nicht mehr erlebt.

„Gesellschaftspolitisch habe ich keine wirkliche Richtung“, sagt Kai Tölle. Er sei kein Parteimitglied. Er sei lieber ein „freier Mensch“ – frei handelnd, frei denkend. Tölle: „Ich gebe mir selber vor, was ich zu tun und zu lassen habe.“ Er habe dabei nur die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen im Kopf und nichts anderes. „Die gelten für alle“, sagt er.

Für etwas, statt gegen etwas

Der gelernte Kaufmann für den Groß- und Außenhandel absolviert zur Zeit nebenberuflich ein Fernstudium in Hamburg. Er möchte Handelsfachwirt werden. Warum noch ein Studium mit 37? „Mein beruflicher Lebenslauf ist jetzt nicht unbedingt der, den man sich wünscht“, sagt Tölle. Er möchte seine Möglichkeiten erweitern, oder etwas eigenes auf die Beine stellen, wie die Stolperschuhe.

Bereits seit rund 15 Jahren ist Kai Tölle politisch aktiv, zunächst schreibend im Internet. Mit der Bundestagswahl 2017 dachte er sich dann: „Immer nur schreiben bringt nichts. Und immer nur gegen etwas sein, bringt auch nichts“, erinnert Tölle sich an seine Beweggründe. „So sind die Stolperschuhe dann geboren. Jetzt arbeite ich für etwas, statt gegen etwas.“

Aufmerksamkeit und Sensibilisierung

Was er mit seinem Bündnis im Großen erreichen möchte, in zwei bis drei Sätzen? Der erste Satz sitzt sofort: „Aufmerksamkeit und Sensibilisierung hier in Olfen und Umgebung zu schaffen, für den Themenbereich Frieden und Menschenrechte.“ Dann überlegt Tölle länger. Setzt mehrmals an und bricht ab. Schwierig so ein Thema herunterzubrechen.

„Ich will nicht nur passiv, sondern auch aktiv werden, um zu helfen, dass Menschen in Krisengebieten wieder auf die Beine kommen – Hilfe zur Selbsthilfe organisieren. So aktiv werden, dass man wirklich vor Ort helfen kann und sichergehen, dass Gelder dort auch wirklich ankommen“, formuliert er dann seinen längeren zweiten und dritten Satz.

Feste Wurzeln schlagen

Seine geplanten Aktionen für das Jahr 2019? Die Osteraktion soll sich wiederholen, in „aufgefrischter Form“, wie der 37-Jährige sagt. Um Stiefel wird es aber wieder gehen. In seinem Fahrradschuppen stehen sie bereits kistenweise. Durch einen Internetaufruf zur Aktion vergangenen Jahres meldete sich der Olfener Künstler Eugen Zymner, der rund 120 Stiefel spendete. Ab Februar führt er für ein Jahr die Spendenaktion „Papier und Stifte für Afrika“ durch. Hier sollen mit Geld und Sachspenden Bildungsprojekte in Afrika unterstützt werden.

Außerdem macht sich Tölle für den Beitritt der Stadt Olfen zur Organisation „Mayors for Peace“ stark – eine internationale Organisation von Städten für die atomare Abrüstung.

Auch mit der Olfener Gesamtschule würde er gerne ein Lernprojekt machen oder einen Stand auf dem Frühlingsfest eröffnen. Weitere Aktionen sind in Planung. „Das Ziel für dieses Jahr ist, dass wir hier feste Wurzeln schlagen und nicht mehr wegzudenken sind.“

  • Am 1. Februar wird die Sammelkampagne „Papier und Stifte für Afrika“ starten und sich 365 Tage mit dem Thema Bildung in Afrika beschäftigen.
  • Weitere Informationen zu der Spendenaktion gibt es hier.
  • Das Spendenkonto des Aktionsbündnisses Stolperschuhe:
    Kontoinhaber: Stolperschuhe
    IBAN: DE93 4016 4528 2751 2911 00
    Institut: Volksbank Lüdinghausen-Olfen eG
    Verwendungszweck für die Spendenkampagne: „Pens for Africa“
    Verwendungszweck für die Arbeit des Bündnisses: „Stolperschuhe“
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