Nach schwerem Unfall in Vinnum mit zwei Toten: Selmer muss ins Gefängnis

hzGerichtsurteil

Ein 39-jähriger Selmer, der als Verursacher eines schweren Verkehrsunfalls in Vinnum 2019 zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat, muss nun endgültig ins Gefängnis.

von Matthias Münch

Vinnum, Selm

, 17.09.2020, 12:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 39-jähriger Selmer, der als Verursacher eines schweren Verkehrsunfalls in Vinnum zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat, muss nun endgültig ins Gefängnis. Das Amtsgericht Münster hatte ihn bereits am 11. Februar dieses Jahres wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Haft verurteilt, wogegen er Rechtsmittel einlegte. Die Berufung wurde am Donnerstag von der 5. Strafkammer des Landgerichts Münster verworfen, weil der Angeklagte nicht zur Verhandlung erschien. Und dies, obwohl er die Ladung des Gerichts nachweislich selbst bei der Postagentur in Selm abgeholt hatte.

Zum Tathergang: Am 30. April 2019 raste der damals 38-jährige Selmer gegen 19 Uhr mit einem VW Polo und zwei Mitfahrern über die Lützowstraße in Vinnum in Fahrrichtung Reithalle. Nach Berichten von Augenzeugen war er mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Er flog aus einer Linkskurve und überschlug sich mehrfach. Der Polo wurde 83 Meter weit auf einen Acker geschleudert und blieb auf dem Dach liegen. Ein 38-jähriger Dortmunder war nicht angeschnallt, wurde aus dem Fahrzeug katapultiert und tödlich verletzt. Ein 48-jähriger Selmer Beifahrer starb im Auto.

Der schwer verletzte Fahrer überlebte. Er stand unter dem Einfluss von Cannabis und Alkohol und besaß keine Fahrerlaubnis.

Deshalb und wegen einer Latte von Vorstrafen sowie laufender Bewährung bekam er in erster Instanz eine dreijährige Strafe. Zuständig war das Amtsgericht Münster, obwohl Vinnum als Olfener Stadtteil zum Gerichtsbezirk Lüdinghausen gehört. Dort werden aber keine Haftsachen verhandelt.

Strafkammer erkannte kein Bemühen um Therapieplatz

Mit dem Urteil am 11. Februar setzte das Amtsgericht allerdings einen im Juli 2019 gegen den Selmer erlassenen Haftbefehl außer Vollzug. Dem Angeklagten sollte Gelegenheit gegeben werden, sich einen Therapieplatz gegen seine Drogensucht zu suchen. Diesen Aufschub nutzte er jedoch nicht. Ein Bemühen um Therapie erkannte die Strafkammer gestern nicht. Deshalb setze sie den Haftbefehl auf Antrag des Staatsanwalts mit sofortiger Wirkung wieder in Kraft. Zur Begründung erklärte der vorsitzende Richter eine drohende Fluchtgefahr wegen der hohen Gefängnisstrafe. Mit dieser Entscheidung war die Verteidigerin des 39-Jährigen nicht einverstanden. Ihr Mandant sei sehr wohl an einer Suchttherapie interessiert.

Dem Selmer drohen möglicherweise noch mehr als drei Jahre hinter Gittern, falls vormalige Bewährungen widerrufen werden.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt