Chrissula Polichronidou (r.) ist seit 2017 Inhaberin der Gaststätte "Zum Klöni" - nachdem ihre Mutter zuvor etliche Jahre die Gaststätte gepachtet hatte. © Thomas Aschwer
Nachtkneipe

Verzweifelte Gastronomin: Klöni wird zum Sündenbock für jeden Stress

Wenn es in der Olfener Innenstadt nachts viel zu laut ist, scheint die Ursache allen Übels schnell ausgemacht - die Kneipe Zum Klöni. Inhaberin Chrissula Polichronidou (34) sieht das anders.

So etwas hatte Olfen bis dahin zumindest nicht in dieser Form gesehen. Als vor mehr als 30 Jahren die Gaststätte „Zum Klönschnack“ auf der Bilholtstraße eröffnete, war die Skepsis groß. Wie soll das gehen – eine Kneipe ohne Kegelbahn, ohne Biergarten und ohne Speisesaal? Eine Kneipe, die erst zu später Stunde viele Gäste begrüßte – und ihnen zum Abschied einen „guten Morgen“ wünschen konnte.

Doch schnell fand die Kneipe ihr Publikum: Nachtschwärmer, Feierbiester, jüngere und ältere Menschen, die auch außerhalb des Karnevals mal Party machen wollten. Wenn die anderen Gaststätten in Olfen geschlossen hatte, die Gaststätte Zum Klönschnack hatte noch auf. Zur Freude der Gäste, zum Ärgernis von Anwohnern, die sich über lauten Gesang und anderen Lärm beschwerten. Inhaber und Name haben sich in den Jahrzehnten geändert, die Diskussion über die Kneipe ist geblieben.

Es ist erst einige wenige Tage her, dass sich Kommentare in sozialen Medien überschlugen. Weil es auf der Bilholtstraße ein Rennen gegeben habe, sei die Polizei ausgerückt und habe die Straße gesperrt. Eine Halbwahrheit. Tatsächlich hatte es in der Nacht einen Polizeieinsatz auf der Straße gegeben. Doch dabei sei es um eine Ruhestörung gegangen, die von einer Gaststätte auf der Bilholtstraße ausgegangen sei, so die Polizei. Virtuell zeigten nicht zum ersten Mal viele Finger auf das Klöni.

Gastronomin sagt: „Unsere Gäste sind meist einsichtig“

Zu Unrecht, findet Chrissula Polichronidou – und verweist im Gespräch auf die vielen positiven Kommentare in sozialen Netzwerken. 2017 hat sie die Kneipe von ihrer Mutter Liza Gakiou übernommen. Das Konzept der Nachtkneipe ist geblieben. Die Probleme allerdings auch. Immer wieder gibt es Klagen über den Lärm – vor allem vor der Kneipe. Für Chrissula Polichronidou und Liza Gakiou ein Ärgernis, dass aus ihrer Sicht das Klöni nicht verursache, leider auch nicht lösen könne.

Mutter und Tochter argumentieren so, dass sich zu späten Abendstunden Menschen im Umfeld der Gaststätte einfinden, ihre selbst mitgebrachten Getränke konsumieren und auch Lärm verursachen. „Wir haben keine Kontrolle darüber und haben deshalb selbst wiederholt die Polizei gerufen“, sagt Liza Gakiou. Aus Sicht von Tochter Chrissula Polichronidou sei es Aufgabe des städtischen Ordnungsamtes, für Ruhe zu sorgen und sich um die Menschen zu kümmern, die eben nicht Gäste der Kneipe seien. „Unsere Gäste sind meist einsichtig.“

Sie sieht die Gaststätte vielfach zu Unrecht öffentlich angeklagt. „Wenn es am Naturbad Probleme gibt, sind wir es, wenn es am Markt laut ist, heißt es, dass das das Klöni war.“ Allerdings räumt die Gastwirtin ein, dass es bei einer Nachtkneipe „lauter wird. Aber waren nicht alle mal jung?“ Zudem trage die eigens verpflichtete Security Sorge dafür, dass alles im Rahmen bleibe. „Unsere Gäste bekommen deshalb auch einen Stempel. Wenn sie beispielsweise zum Rauchen vor die Tür gehen, können sie sich nachher ausweisen“, sagt die Gastronomin, die viele Monate zur Untätigkeit verurteilt war.

Sperrstunde um 2 oder 3 Uhr wäre „Genickbruch“ für Kneipe

„Von November bis Mai konnten wir in der Pandemie nicht öffnen.“ Deshalb habe es auch Gerüchte über die Zukunft der Gaststätte gegeben. Doch Chrissula Polichronidou hat keine anderen Pläne. Sie räumt allerdings ein, dass sie die Diskussion über die Lärmbelastung belastet. „Es raubt mir die Nächte.“ Wirklich Zukunftsängste bereitet der Gastronomin jedoch der Plan der Stadtverwaltung, die Sperrstunde vorzuziehen. „Wenn sie auf 2 oder 3 Uhr verlegt wird, können wir zumachen. Das ist mein Genickbruch.“ Die Neufassung der Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Sperrzeit für Schank- und Speisewirtschaften sowie für öffentliche Vergnügungsstätten im Gebiet der Stadt Olfen trifft der Stadtrat am Dienstag, 29. Juni.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.