Vögel in Not: Wie Gartenbesitzer helfen können und was sie selbst davon haben

hzWinterfütterung

Mehr Steingärten und Gift, dafür weniger Insekten und Rückzugsmöglichkeiten: Vögel haben es schwer. Ihre Bestände sinken. Dabei kann man leicht helfen und hat noch selbst etwas davon.

Selm, Olfen

, 25.11.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frau Buchfink ist auf und davon. Ihr und ihren Freundinnen ist es zu kalt. Sie überwintern lieber im Süden - ohne ihre bunt gefiederten Männer, die zuhause die Stellung halten. Damit sie und die anderen Gartenvögel gut durch den Winter kommen, kann der Mensch helfen. Es gibt gute Beispiele.

Für Werner Zempelin ist es das, was im Marketing-Deutsch Win-win-Situation heißt: Beide Seiten profitieren. Im Fall des Olfeners sowohl er selbst als auch die Vögel in seinem Garten.

Eine Wind-win-Situation für Vögel und Fotografen

Während die sich Nüsse und Sonnenblumenkerne schmecken lassen, macht der Spender der Kraftnahrung ein Bild nach dem anderen. Zempelin hat das Fotografieren schon immer geliebt. Die Liebe zu den gefiederten Motiven hat sich inzwischen aber auch eingestellt.

Vögel in Not: Wie Gartenbesitzer helfen können und was sie selbst davon haben

Das Rotkehlchen ist der einzige Vogel, der im Winter singt - zumindest gelegentlich. © Werner Zempelin

Bei Uwe Norra war es genau andersherum. Der Selmer ist Ornithologe. Schon als Jugendlicher hat es ihn bei Wind und Wetter hinausgezogen, um Vögel zu beobachten. Seit Jahren bereist er die Welt, um die ihn faszinierenden Tiere zu studieren, dafür braucht es technischer Hilfsmittel - Fernglas und Spektiv. Und seit Langem auch die Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv.

Uwe Norra: Nahrungssuche wird für Vögel immer schwerer

Die beiden Männer haben zurzeit Hochsaison: Mit Beginn der kalten Jahreszeit hat die Winterfütterungssaison für Gartenvögel begonnen. Und die hat Vorteile; „Dann kommen wesentlich mehr Vögel zur Futterstelle, und bei niedrigen Temperaturen ist es einfacher, für die notwendige Hygiene zu sorgen“, teilt der Naturschutzbund Deutschland mit.

Norra füttert das ganze Jahr über. „Weil die Vögel in der ausgeräumten Landschaft immer weniger Nahrung finden“, sagt er. Die Folgen hält er auch fest - nicht nur in Bildern, sondern auch in Zahlen.

„Wenn sie Glück haben, schaffen es Meisen, zwei bis drei Junge großzuziehen.“ Früher hätten zehn Eier im Nest gelegen, und alle Vögelchen seien flügge geworden. „Früher“ - das war laut Norra „die Zeit vor den Giftspritzen und den Steinwüsten in den Vorgärten“. Damals hätten die Vogeleltern noch Nahrung gefunden für sich und ihre Jungen: Insekten und Raupen. Damit das schmale Nahrungsangebot wenigstens noch für die wenigen Jungvögel im Nest reiche, füttere er im Sommer die Altvögel.

Sommerfütterung ist gut, aber nicht so leicht

Aber dabei sei peinliche Hygiene gefragt. Sonst wird der gedeckte Tisch für die Vögel zur Falle - durch Krankheitserreger, die sich im feuchtwarmen Klima bilden.

Zempelin macht es genauso wie Norra: Die beiden nutzen wiederverwertbare Futterspender und füllen sie mit Körnern, Kernen und Nüssen. Fettfutter wie in Meisenknödeln empfehlen sie auch. „Aber vorher das Plastiknetz abmachen, in dem die Knödel oft verkauft werden“, rät Norra. Oft habe er schon davon gehört, dass sich Vögel darin verheddert hätten.

Der einzige Wintersänger

Es bedarf aber nicht nur eines guten Futterangebots, um den Vögeln zu helfen, wie Zempelin und Norra wissen. Der Garten sei auch naturnah zu gestalten, damit die Vögel Rückzugsmöglichkeiten finden. „Wer alles klinisch sauber hat im Garten, braucht sich nicht zu wundern, wenn er dort kein Tier entdeckt“, so Norra.

Der einzige Wintersänger

Außer dem Klicken des Auslösers ist meistens nicht viel zu hören bei der Gartenvogel-Fotosafari. Mit dem Gesang beginnen die frühesten Vögel erst wieder im Februar. Eine Art macht da die Ausnahme. Das Rotkehlchen singt auch an milden Wintertagen perlend dahinfließende Strophen. „Wunderschön“, sagt Norra.

Die Rotkehlchen sind wie Spatzen und Kohlmeisen standorttreu. Sie bleiben auch im Winter. Bei Amsel und Bchfink ist das anders. Die Weibchen machen sich auf den Weg gen Süden. Die älteren Männchen bleiben überwintern ohne sie.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt