In der Volksbank in Olfen gab es die ersten Coronfälle Olfens. Die Volksbank schloss vorsorglich ihre Filiale. © Foto: Thomas Aschwer
Coronavirus

Von null auf 353: Vor einem Jahr gab es den ersten Coronafall in Olfen

Kommt das Coronavirus wirklich nach Olfen? Diesen Gedanken hatte vielleicht manch einer im Februar 2020. Am 8. März gab es aber die Gewissheit: In Olfen gibt es die ersten Fälle. Ein Rückblick.

Anfang März 2020 gab es in Olfen noch genau null Corona-Fälle. Und doch war die Steverstadt eine andere, als die, die im Februar noch munter Karneval gefeiert und Kamelle gesammelt hatte. Davon zeugt auch die Samstagsausgabe der Ruhr Nachrichten vom 7. März 2020.

Der Heimatverein sagte darin in einer Meldung sein Doppelkopfturnier ab, „aufgrund der allgemeinen Infektionslage in unserem Umfeld“. Es solle dann irgendwann mal nachgeholt werden. In der Montagsausgabe, also am 9. März, hatte sich Corona aber schlagartig von der kleinen Meldung zur Titelgeschichte gemausert. „Volksbank schließt wegen Corona für eine Woche“ stand dort.

Aus Verdachtsfällen wurde Gewissheit

Am 7. und 8. März hatte das Geldinstitut mitgeteilt, dass sich drei Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten. Zwei davon aus Olfen. Die Volksbank wurde daraufhin aus Sicherheitsgründen erst mal geschlossen. Offiziell bestätigen wollte der Kreis Coesfeld die Olfener Fälle zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er sprach nur von Verdachtsfällen.

Für den Kreis selbst war es erst wenige Tage her, dass er seinen ersten offiziellen Corona-Fall zu bestätigen hatte. Das war am 4. März passiert. Ein Mann aus Senden war die erste nachweislich mit Corona infizierte Person im Kreis.

Am Wochenende des 7. und 8. März galten 19 Personen im Kreis als Corona positiv. Dazu kamen 11 Verdachtsfälle. Denn zu diesem Zeitpunkt waren die Zahlen noch so gering, dass der Kreis die Anzahl von Verdachtsfällen noch kommunizierte, beziehungsweise diese zunächst auch an das RKI übermittelte.

„Wichtig, Ruhe zu bewahren“

„Es ist hier wichtig, Ruhe zu bewahren, mögliche Infektionsherde zu lokalisieren und präventiv tätig zu werden“, sagte Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann zu den ersten Corona-Fällen, die der Kreis dann am Montag, 9. März, auch offiziell bestätigte. Sendermann sprach damals auch über Schulschließungen – zuvor war das Gymnasium Canisianum geschlossen worden, weil ein Lehrer positiv auf Corona getestet worden war. Er könne sich vorstellen, lieber einzelne Klassen oder Kindergartengruppen in Quarantäne zu schicken, anstelle der gesamten Einrichtung, sagte Sendermann. Rund eine Woche später hatte sich solch eine Diskussion aber bereits erledigt, denn die Schulen gingen, wie dann auch Geschäfte und Gastronomiebetriebe, in den ersten Lockdown.

Im Rückblick kam Olfen aber gut durch die erste Welle der Pandemie. Bis zum 1. Oktober hatte es in der Steverstadt gerade einmal 34 Corona-Fälle gegeben. Inzwischen sind es 353. Auch die ersten Todesfälle kamen im Verlauf der 2. Corona-Welle. Am 25. November berichtete der Kreis, dass eine ältere Frau aus Olfen aufgrund einer Covid-Infektion gestorben sei. Sechs Todesfälle zählt die Steverstadt bislang.

Wann die Pandemie zu Ende sein wird, ist nach wie vor nicht absehbar. Ob es eine weitere Welle gibt, wie viele Menschen insgesamt an einer Covid-Infektion sterben werden oder eine Infektion durchgemacht haben werden, das muss die Zeit zeigen. Manche Dinge, aus der ersten Welle der Pandemie gehören aber bereits der Vergangenheit an: Am Mittwoch, 11. März, erschien in den Ruhr Nachrichten eine Reportage, die den Reporter in eine Rossmann-Filiale an die Bilholstraße führte. Sein Fazit: Toilettenpapier war vergriffen (und das auch schon seit etlichen Tagen) und auch von Desinfektionsmittel gab es nicht mehr viel. Eine negative Erinnerung, die jetzt schon ist, was das Coronavirus irgendwann mal sein wird: eine Erinnerung.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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