Der Bürgerbus-Verein fördert die Mobilität im ländlichen Raum. © Stephan Sagurna
CDU-Antrag

Vorstoß in Olfen: Kostenloses Fahren mit dem Bürgerbus

Bei seinem Start vor mehr als 20 Jahren war der Bürgerbus Olfen Vorreiter im Kreis Coesfeld. Jetzt geht die Steverstadt erneut voran - und baut finanzielle Hürden für das starke Angebot ab.

Mal eben beim strömenden Regen zum Sport fahren, von der Bauerschaft zum Leohaus oder von Vinnum nach Olfen: Der Bürgerbus Olfen ist in vielfacher Hinsicht ganz besonders. Dazu gehört auch ein Service, den es in anderen Orten nicht gibt. Der Bürgerbus holt Menschen vor ihrer Haustür ab und bringt sie zu einer Bürgerbus-Haltestelle. Ähnlich der Heimweg, der Bus bringt die Fahrgäste direkt bis an die Haustür.

Das ist aber nicht die einzige Besonderheit des Olfener Bürgerbusses. Der Bus ist nur im Einsatz, wenn es auch Fahrgäste gibt. Das war nicht immer so. Beim Start im Herbst 1998 gab es ein Angebot wie im klassischen Linienverkehr mit festen Abfahrzeiten. Während andere Städte und Gemeinden noch heute an diesem Modell festhalten, orientiert sich der Bus seit 2013 am Bedarf. Mit der Folge, dass sich die Menschen für eine Fahrt anmelden müssen.

Die Hemmschwelle, vom eigenen Auto auf den Bürgerbus umzusteigen, ist dabei in Olfen wie auch in anderen Städten und Gemeinden im Kreis Coesfeld bewusst niedrig gehalten. Kinder von 4 bis einschließlich 11 Jahren bezahlen pro Fahrt 50 Cent, Jugendliche und Erwachsene auf bestimmten Strecken einen Euro, auf längeren Strecken 1,50 Euro. Schwerbehinderte mit Ausweis können das Angebot kostenlos nutzen. Diese Ansätze sollen sich auf Vorschlag der CDU-Fraktion jetzt ändern.

Mehr Menschen für den Umstieg vom Auto auf den Bus motivieren

„Wir wollen allen Menschen in der Stadt Fahrten mit dem Bürgerbus ermöglichen“, sagt Fraktionsvorsitzender Christoph Pettrup. In den Beratungen für den städtischen Haushalt hat die Fraktion deshalb den Antrag eingebracht, dass Fahrten mit dem Bürgerbus kostenfrei sein sollen. Und zwar für alle und auf allen Strecken. Die CDU erhofft sich von dem Schritt, dass noch mehr Menschen vom Auto auf den Bürgerbus umsteigen. „Es geht um Nachhaltigkeit“, sagt Pettrup. Der Schritt sei auch mit dem Bürgerbusverein abgestimmt.

Bei den Beratungen im Haupt- und Finanzausschuss wies Klaus Düllmann für die CDU auf einen weiteren Vorteil der geplanten Neuregelung hin. „Es findet kein Bargeldaustausch mehr statt.“ Das sei in Coronazeiten ein nicht unwichtiger Aspekt. Ein Vorstoß, der bei den Haushaltsberatungen auf viel Zustimmung stieß. Nur Heinz-Dieter Broz (UWG) machte eine kritische Anmerkung: „Müssen wir Geschenke verteilen“, rief er dazu auf „an zukünftige Haushalte zu denken.“

Die Kosten halten sich nach Einschätzung von Fraktionen und Verwaltung auch in Grenzen. Die jährlichen Fahrgeld-Einnahmen belaufen sich auf rund 8500 Euro. In Coronazeiten sind es sogar deutlich weniger, weil im Lockdown der Bürgerbus zumindest bis zum 7. März in der Garage bleibt und nicht fährt.

Auch andere Städte bieten kostenlose Bus-Nutzung an

Olfen ist deutschlandweit nicht die erste Stadt, die eine kostenlose Nutzung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs einführt, um den Individualverkehr möglichst zu reduzieren. Bereits seit Anfang 2020 ist das Busfahren in Augsburg in der Innenstadt kostenlos, auch das bayerische Städtchen Pfaffenhoven bietet den Gratis-ÖPNV an.

Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es bereits ähnliche Initiativen. Seit dem April 2020 können alle Einwohner Monheims kostenlos mit dem Bus fahren. Die Stadt nimmt dafür jährlich mehr als 3 Millionen Euro in die Hand. „Die Entscheidung ist ganz klar Klimaschutz-motiviert“, sagt Bürgermeister Daniel Zimmermann bei der Einführung. Es gehe darum, attraktive Alternativen zum Auto zu schaffen.

Genau darum geht es beim kostenlosen Bürgerbus auch in Olfen. Und so fiel die Abstimmung am Ende im Haupt- und Finanzausschuss einstimmig für die Einführung der kostenlosen Bürgerbusse aus. Jetzt muss noch der Rat zustimmen. „Wir wollen, dass der kostenlose Bürgerbus so schnell wie möglich kommt“, gibt Christoph Pettrup für die CDU die Richtung vor.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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