Wertstoffhof Olfen geschlossen: Bürger entsorgen Müll in der Natur

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Der Hegering Olfen schlägt Alarm: Weil in der Corona-Krise der Wertstoffhof geschlossen ist, werfen Bürger ihren Müll achtlos in die Natur. Die Stadt will auf zwei Ebenen aktiv werden.

Olfen

, 02.04.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heribert Birken ist „sauer“: Ausgediente Spülen, Altholz, Pappe, Säcke mit verschiedensten Materialien und vieles mehr findet sich in Olfen an Waldrändern und Ackerstreifen. Müll, der zum großen Teil umweltgerecht auf dem Wertstoffhof entsorgt werden könnte.

Wird er aber gerade nicht. Denn die Ablagerungen können nur wenige Tage zurückliegen. Kurz vor der Corona-Krise hatte der Hegering eine große Müllsammel-Aktion gestartet. Wie in den Jahren zuvor hatten Vereinsmitglieder und Vertreter anderer Vereine und Organisationen „den Wald gefegt“.

Hegering-Vertreter beklagt „asoziales Verhalten“

Eine „Menge Müll“ sei bei der Aktion zusammen gekommen, betont Heribert Birken, um gleichzeitig den vielen Bürgerinnen und Bürgern zu danken, die sich für den Umweltschutz eingesetzt haben. Doch innerhalb kürzester Zeit könnten Teile der Landschaft wieder vermüllt sein. Heribert Birken findet deutliche Worte: „Es ist ein asoziales Verhalten, da die Entsorgungskosten von der Allgemeinheit getragen werden müssen.“

Natürlich richtet der Hegering den Blick bei der unerlaubten Müllentsorgung auch auf die Tierwelt: „Der Müll ist nicht nur für freilaufende Hunde sondern auch für die jetzt in der Brut- und Setzzeit wieder laufenden Jungtiere gefährlich.“

Stadtverwaltung sucht in abgelegtem Müll nach Hinweisen

Der Hegering ruft die Bürger zur Mitarbeit auf. Wer wilde Müllkippen findet, sollte die Stellen der Stadtverwaltung mitteilen. „Zudem wäre es wunderbar, wenn Sie auch Verursacher erkennen und melden würden“, betont Birken in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die Stadtverwaltung ist auf jeden Fall auf seiner Seite. Bürgermeister Wilhelm Sendermann kündigte an, den in der Natur entsorgten Müll genau untersuchen zu lassen. „Vielleicht finden sich Hinweise auf den oder die Verursacher.“

Gleichzeitig will die Verwaltung sich dafür einsetzen, dass der Wertstoffhof wieder geöffnet wird. Ursprünglich hatten die Wirtschaftsbetriebe des Kreises Coesfeld geplant, die Wertstoffhöfe mindestens bis zum Ende der Osterferien (19. April) geschlossen zu halten.

Bürgermeister macht sich für Wiedereröffnung stark

Wilhelm Sendermann weist aber auf zwei Besonderheiten hin: Traditionell falle im Frühjahr jede Menge Müll aus Haus und Garten an. „Viele Menschen räumen auf und wollen Dinge entsorgen.“ Den Vorschlag der Wirtschaftsbetriebe, den Müll auf dem eigenen Grundstück zwischenzulagern, sieht er kritisch.

Die Brut- und Setzzeit hat begonnen. Wer Müll in der Landschaft entsorgt, bringt die Tiere in Gefahr.

Die Brut- und Setzzeit hat begonnen. Wer Müll in der Landschaft entsorgt, bringt die Tiere in Gefahr. © Hegering Olfen

Es gebe noch keinen festen Termin für die Wiedereröffnung. Dazu komme, dass die Situation auf den Wertstoffhöfen mit anderen Alltagssituationen in der Corona-Krise vergleichbar sei. „Es ist eine Einrichtung, die draußen ist.“

„Ich verstehe gut, wenn gerade jetzt äußerste Vorsicht angebracht ist, um Ansteckungen mit dem Corona-Virus zu vermeiden. Aber: Ich kann nicht nachvollziehen, warum im Kreis Coesfeld alle Wertstoffhöfe geschlossen wurden.“

Kontaktloser Betrieb ist möglich

Nach Ansicht von Bürgermeister Sendermann müsse es möglich sein, wie in anderen Bereichen auch, eine Fortführung des Betriebs kontaktlos zu gestalten. Die daraus evtl. entstehenden Wartezeiten würden sicher viele Nutzer in Kauf nehmen.

Eine so restriktive Lösung wie im Kreis Coesfeld ist dabei höchst ungewöhnlich. Im Nachbarkreis Unna beispielsweise haben zahlreiche Wertstoffhöfe zumindest für Grünschnitt geöffnet. Zudem bleibt im Nachbarkreis die ausschließlich für Entsorgungs-Notfälle vorgesehene Möglichkeit, eine zentrale Entsorgungsanlage anzufahren, bestehen.

Im Kreis Coesfeld hingegen sollen sich die Bürger in Geduld üben. Der Schaden für Natur und Umwelt wird allerdings bereits jetzt sichtbar.

Anmerkung: Kurz nach Veröffentlichung unseres Artikels hat sich die Sachlage beim Wertstoffhof geändert. Ab Freitag wird er wieder öffnen:

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