Die Wieschhofgrundschule In Olfen: Der Anbau war 2018 entstanden. Jetzt muss wieder gebaut werden. © Thomas Aschwer
Schulentwicklungsplanung

Zuzug zeigt Wirkung: Grundschule in Olfen benötigt einen Anbau

Die Wieschhofschule muss wachsen. Denn die Zahl der Kinder, die dort das ABC lernen, wird steigen - nicht nur wegen höherer Geburtenzahlen. Die Politik plant und auch eine Grundsatzfrage.

Der Lärm der umfangreichen Umbauarbeiten hallt dem einen oder anderen Erwachsene noch immer nach. Aus Kindersicht sind die zweieinhalb Jahre, die seit Abschluss des umfangreichen Umbaus der Wieschhofschule vergangen sind, ohnehin schon wieder eine kleine Ewigkeit. Die Jüngsten, die das gar nicht erlebt haben, werden bald neue Gelegenheit bekommen, Handwerkern aus nächster Nähe bei der Arbeit zuschauen zu können. Denn Olfens einzige Grundschule muss wachsen. Das legt der neue Schulentwicklungsplan nahe.

Bislang ist die Schule vierzügig. Das heißt: Jeder der vier Jahrgänge hat vier Klassen – theoretisch. Denn tatsächlich arbeitet die Schule jahrgangsübergreifend: Die Jahrgänge 1 und 3 sowie die Jahrgänge 2 und 4 erhalten jeweils gemeinsam Unterricht. Die Bedarfsrechnung im neuen Schulentwicklungsplan, die das Beratungsunternehmen Gebit aus Münster im Auftrag der Stadt Olfen erstellt hat, berücksichtigt aber die Züge: zurzeit vier pro Jahrgang, bald aber schon fünf und gar sechs.

Mehr Geburten und wachsender Zuzug

Bis 29 Mädchen und Jungen bilden einen Zug, also eine Klasse. 2019 waren 119 i-Männchen in Olfen eingeschult worden: vier Züge. Und im vergangenen Sommer waren es 109: ebenfalls vier Züge. Wie viele es nach den großen Ferien in diesem Jahr 2021 sein werden, steht auch bereits fest: 120 – das bedeutet: Fünf Züge – dabei wird es mittelfristig auch bleiben, wie das Team von Gebit meint. Die Gesamtzahl der Klassen an der Grundschule wird bis 2025/26 von derzeit noch 16 auf stabil 19 wachsen. Der Grund: Es gibt wieder mehr Kinder in Olfen – durch eine steigende Geburtenzahl und durch Zuzug.

Das hatte sich schon bei den aktuellen Erstklässlern gezeigt. 88 Babys waren vor sechs Jahren geboren worden. Eingeschult wurden 119. Die Gebit-Mitarbeiterin, die dem Schulausschuss in Olfen ihre Prognosen vorgestellt hat, sprach von „wachsenden Einschulungs-Kohorten“. Baugebiete in der Stadt hätten schon immer „das Potenzial an einzuschulenden Kindern vergrößert“. Da auch künftig noch Baugebiete bezogen würden, „muss von einer Veränderung der Größe auch der zukünftigen Einschulungs-Kohorten ausgegangen werden“. Das heißt In diesem Fall: von einer Vergrößerung. Die Stadt Olfen geht von 50 Prozent Zuzug In die Neubaugebiete aus. Und davon gibt es derzeit einige.

Das sind die aktuellen Olfener Baugebiete

Das Baugebiet Ächterheide, das seit 2016 bezogen wird, zählt 223 Wohneinheiten. Das bis 2022 vollständige Gebiet „Zur Vogelroute“ hat immerhin acht Wohneinheiten, an der Lüdinghauser Straße entstehen gerade 21 Wohneinheiten. Und die Olfener Heide I wird zwischen 2022 und 2025 noch mehr Wohneinheiten bringen als die Ächterheide: 250.

Die Schulentwicklungsplaner können auch nicht in die Zukunft schauen. Sie haben aber Erfahrungswerte und Modellrechnungen. Bei zum Beispiel 50 neuen Wohneinheiten und einer Belegungsdichte von 2,36 Personen pro Wohneinheit, erwarten sie im ersten Bezugsjahr pro Grundschuljahrgang rechnerisch 2,2 Schüler. „Berücksichtigt man entsprechend die Baugebiete in Olfen, verändert sich

die Prognose der Wieschhofschule zu einer festen Fünfzügigkeit“, heißt es im Schulentwicklungsplan. 2025/26 werde einmalig ein sechster Zug beschult werden müssen.

Nicht nur vier Klassenräume fehlen

Für diese Entwicklung „ist die Schule räumlich nicht ausgestattet“, steht Schwarz auf Weiß im Schulentwicklungsplan. Derzeit hat die Schule nach der großen Umbau- und Erweiterungsmaßnahme im Jahr 2018 für die Kinder 16 Klassenräume, einen Kunstraum, eine Kinderküche, eine Mensa, einen Betreuungsraum, einen Mehrzweckraum für Musik und Sport eine Turnhalle und das sogenannte Baumhaus als Förderraum – unterm Strich zu wenig. Gebit hat ausgerechnet, dass vier Klassenräume fehlen, ein Mehrzweckraum sowie Platz für den Betreuungsbereich. Denn bei mehr Kindern morgens im Unterricht wächst auch der Bedarf an geeigneten Räumen für die Über-Mittags- und Nachmittagsbetreuung.

Die Planer gehen von perspektivisch fünf OGS-Gruppen (zurzeit 3,6) und vier Übermittags-Gruppen „8 bis 1“ aus (zurzeit 3,9). Der Raumbestand dafür ist aber laut Schule jetzt schon am Limit. Und Kapazitäten für eine Erweiterung im Bestand gebe es nicht. Ein Anbau muss her. „In einem entsprechenden Anbau sollte auch die Möglichkeit zur Differenzierung mitgedacht werden“, lautet der Rat von Gebit an die Politik.

Nachdenken über altersgemischten Unterricht

Politik und Verwaltung haben jetzt nicht nur Hausaufgaben aufbekommen in Sachen Erweiterung. Franz-Josef Schulte im Busch (CDU) regte an, über die Fortführung des jahrgangsübergreifenden Unterrichts nachzudenken: eine Diskussion, die in den nächsten Sitzungen geführt werden solle. Damit rüttelte er an einem pädagogischen Programm, das die Wieschhofschule seit 2002 praktiziert.

Damals hatte der altersgemischte Unterricht auf Wunsch der Eltern begonnen. „Es ging um Nichtvergleichbarkeit, um Verbesserung des Sozialverhaltens, ein besseres Miteinander im täglichen Zusammensein und auch um die Erhöhung der Arbeitszufriedenheit des einzelnen Lehrers“, ist auf der Homepage der Wieschhofschule zu lesen.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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